Am 1. Juli 2021 begann in Italien die Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren gegen die Hobby-Jagd.

Ziel ist es, 500’000 Unterschriften bis Ende September zu sammeln. Das Erreichen der nötigen Unterschriften würde es ermöglichen, ein Referendum für die Abschaffung der Hobby-Jagd zu beantragen. Vom Vorsitzenden der hauptstädtischen Umweltkommission, Daniele Diaco, bis zum Abgeordneten Claudio Cominardi haben sich bereits viele dem Kampf angeschlossen, den der Abgeordnete selbst als von „transversalem Interesse“ bezeichnete.

Rechte denen zu geben, die keine Stimme haben, ist ein Zeichen der Zivilisation, sagte 2017 Michela Vittoria Brambilla von Forza Italia.

Das Regulierungssystem für die Jagd in Italien hat seine Wurzeln in veralteten und schwammigen Parametern aus dem Jahre 1979.

Rehe, Füchse, Vögel: In Italien töten Hobby-Jäger jedes Jahr fast eine halbe Milliarde Wildtiere. Es werden auch geschützte Arten bejagt oder solche die es sonst schon sehr schwer haben, wegen dem Dichtestress, Landverbrauch, Pestizide und Klimawandel. Viele Arten werden so für immer verschwinden. Die Wilderei wurde auch nie seriös angegangen. Und jede Jagdsaison werden zahlreiche Menschen von Hobby-Jäger erschossen.

Die Hobby-Jagd sei eine Praxis, die Millionen Bleischrote und Patronen der Wildtierkiller auf dem Boden zurücklasse, was enorme Umweltschäden verursache in der Landschaft, Grundwasser und für die Wildtiere selber. Die Natur müsse respektiert werden, erklärt Alice Delicati vom Komitee.

Lasst uns Wald, Felder und die Natur im Allgemeinen wieder in Besitz nehmen. Schluss mit den Hobby-Jägern, die die Natur vergewaltigen, oft mit Brandstiftung, um Wildtiere zu terrorisieren und sie noch leichter zur Beute zu machen zu können.

GianMarco Prampolini vom comitato Referendum SI aboliamo la caccia

Über die Jagd in Italien gibt es wenig Positives zu berichten, betrachtet man den Fakt, dass verschiedene Tierarten wegen der Hobby-Jagd ausgestorben oder sehr stark dezimiert wurden. Oder, dass nicht heimische Tierarten von Jagdgesellschaften in die Natur eingeführt wurden und somit das ökologische Gleichgewicht gestört haben, welches schlussendlich auch dem Menschen selbst geschadet hat, zum Beispiel das Wildschwein. Italiens Landwirte, aber nicht nur sie, leiden immer mehr unter der grassierenden Wildschweinplage. Während das Land im Jahr 2010 schätzungsweise rund 500’000 Wildschweine zählte, sollen es heute etwa 2,3 Millionen sein. Italiens Wildschweine verursachen alle 48 Stunden einen Unfall. Allein im vergangenen Jahr habe sich die Anzahl der Wildschweine um 15 % erhöht. Ein Unfall alle 48 Stunden mit 16 Opfern und 215 Verletzten ist die tragische Bilanz vom letzten Jahr. Allein den durch Wildschweine in der Landwirtschaft verursachten Schaden wird auf gut 200 Mio. Euro (238 Mio. Fr.) pro Jahr beziffert!

Aber Jagd heisst in Italien auch Verletzung des privaten Grundbesitzes, wegen Artikel 842 des Zivilgesetzes, welches Hobby-Jäger autorisiert, ohne jegliches Einverständnisses der Besitzer in fremdes Gut einzudringen. Und es ist auch ein Übergriff auf das unantastbare Stimmrecht, welches den Bürgern verbietet, dagegen zu protestieren.

Die Jagd in Italien ist eine Sportart, welche Menschen verletzt und tötet. Wie jedes Jahr stellt der Verband der Jagdopfer am Ende der Jagdsaison (1. September – 31. Januar) ein Dossier mit den Opfern durch Jagdwaffen zusammen.

Im Jahr 2018 gab es zum Beispiel innerhalb des Jagdgebietes 13 Tote und 50 Verletzte (davon 2 Kinder), also 63 Opfer. Ausserhalb des Jagdgebietes gab es 8 Tote und 9 Verletzte, also 17 Opfer. Davon sind 7 Tote und 7 Verletzte keine Hobby-Jäger, sondern Zivilpersonen.

Es ist eine alte Geschichte. Hobby-Jäger haben Einfluss, aber auch die Waffenindustrie mit ihren Lobbyisten im Parlament und in den Regionen. Hobby-Jäger und Waffenindustrie: Eine tödliche Mischung, welcher die Natur schädigt und Menschen tötet.

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