Indemini – Auf norwegischen Pelzfarmen werden Füchse und Nerze gezüchtet, um pro Jahr rund eine Million Felle herzustellen. Nun hat die Premierministerin der konservativen Premierministerin Erna Solberg angekündigt, die Farmen bis 2025 zu schliessen – um eine Regierungsbildung zu ermöglichen.

Nur so konnte sie die liberale Partei überzeugen, sich ihrer Minderheitsregierung anzuschliessen.

Nach der Ankündigung der Regierung zeigten sich die Produzenten verärgert.

vom norwegischen Pelz-Züchter-Verband. In Norwegen gebe es etwa 200 Pelzfarmen, die einen jährlichen Umsatz zwischen 350 Millionen und 500 Millionen norwegischen Kronen erwirtschafteten, das sind umgerechnet 36 bis 51 Millionen Euro.

Ganz anders sehen den Beschluss die Tierschützer: Ein veraltetes und grausames Geschäft mit schwindender Anziehungskraft für modebewusste Verbraucher werde endlich abgeschafft. „Wir freuen uns sehr“, sagte die Leiterin der norwegischen Tierschutzgruppe Noah, Siri Martinsen.

Das folgende Video zeigt, wie sehr die überzüchteten Tiere leiden:

Norwegen hat seit dem Wochenende eine neue bürgerlich-konservative Regierung. Drei Parteien – die konservative Høyre, die rechtspopulistische Frp und die liberale Venstre – bilden erneut eine Minderheitsregierung. Diese ist von der Unterstützung der christlichen KrF abhängig. Die Koalitionsgespräche hatten erst am 2. Januar begonnen und dauerten nur zwölf Tage. „Wir werden gute, gemeinsame Lösungen für Norwegen finden“, sagte Solberg im Anschluss. Ziel müsse sein, dass Norwegen das weltbeste Land zum Leben werde.

Modehäuser verzichten zunehmend auf Pelz

Auch Calvin Klein lässt für seine Kleidungsstücke schon länger keine Pelze mehr verarbeiten.Andere große Modehäuser verzichten schon seit Längerem auf Pelzmode, darunter etwa der US-Designer Ralph Lauren.Auch diese Gucci-Schlappen, die das Model Alexa Chung 2015 trägt, sind mit Fell bestückt.Fell wurde in der Vergangenheit auch in Gucci-Schuhen verarbeitet - hier ist ein Exemplar bei der Modenschau in Mailand im Februar 2015 zu sehen.Die italienische Luxusmarke war für ihre Pelzmode bekannt. In der vergangenen Frühjahrskollektion machte Gucci mit einer riesigen Pelzmütze auf sich aufmerksam.Ab der kommenden Frühjahrskollektion sollen keine Tierfelle mehr für Gucci-Produkte verarbeitet werden, kündigte Firmenchef Marco Bizzarri im Oktober 2017 an.Die britische Modedesignerin Stella McCartney verzichtet komplett auf tierische Produkte, sie setzt auch kein Leder mehr ein.2007 zeigte Miuccia Prada eine Winterkollektion aus Jacken und Mänteln. Der Mohairstoff wurde vom deutschen Unternehmen Steiff Schulte produziert. Danach gab es aber wieder Prada-Teile mit Pelz.Ebenfalls ohne Pelz: Hugo Boss.Einige Hersteller nutzen inzwischen Kunstpelz. Die britische Marke Shrimps hat sich gar auf Kunstpelz-Mode spezialisiert.

Die Anzahl der Pelzproduktionsstandorte in Norwegen war im Jahr 1939 auf dem Höhepunkt: Mit fast 20.000 Farmen dominierte das skandinavische Land den Weltmarkt. Im Jahr 2013 allerdings produzierte Norwegen nur etwa drei Prozent der 7,3 Millionen Fuchsfelle und nur ein Prozent der 72,6 Millionen Nerze weltweit. Die Marktmacht hatte China mit 69 Prozent übernommen.

Ein Bild aus noch einem anderen Kapitel des Pelzhandels: Auslage von tierischen Produkten in Leipzig um 1905. (Bild: Wikimedia Commons)

Laut der Tierschutzorganisation „Humane Society International“ ist Norwegen die 14. europäische Nation, die Pelztierhaltung auslaufen lässt.

Qualzucht? Durch das Gewicht können sich die Tiere in den ohnehin winzigen Käfigen kaum bewegen. © jattikokoiset-naalit-9 | Oikeutta eläimille | CC BY 2.0

Erst vor wenigen Monaten fanden Tierrechtler auf finnischen Pelzfarmen völlig überzüchtete Silberfüchse, unter anderem einen „Monsterfuchs“ von 20 Kilogramm. In der freien Natur wiegen Silberfüchse etwa 3,5 Kilogramm. Die schwedische Regierung hatte kürzlich angekündigt, das Wohlergehen von Nerzen auf Schwedens Pelzfarmen zu untersuchen. In Deutschland hatten Bundestag und Bundesrat im Juni 2017 für verschärfte Haltungsanforderungen für Pelzfarmen gestimmt.

Doch nicht nur bei der Pelzherstellung wird umgedacht, sondern auch in der Modebranche. So hat sich beispielsweise das Unternehmen Gucci im vergangenen Jahr wie auch Net-a-Porter einer wachsenden Zahl von Modehäusern angeschlossen, die Pelz aus ihren Kollektionen verbannen. Sie sind zunehmend durch Tierschützer unter Druck geraten und haben sich dem veränderten Geschmack ihrer Kunden angepasst.

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