Tierrechte

Julia Klöckner kündigt halbherziges Wildtierverbot im Zirkus an

PETA: Streichliste muss zumindest auch Tiger, Löwen und Elefanten umfassen.
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Medienberichten zufolge arbeitet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit Julia Klöckner an einem Gesetzentwurf, wonach bestimmte Wildtiere wie Giraffen, Flusspferde und Nashörner im Zirkus verboten werden sollen.

PETA begrüsst die längst überfällige Ankündigung, kritisiert jedoch, dass Tierarten wie Löwen, Tiger und Elefanten offenbar weiterhin in Zirkusbetrieben gehalten werden dürfen. Ein Kriterium soll der Ankündigung zufolge sein, ob mit den Tieren „trainiert“ werden könne. Jedoch betonte schon der Bundesrat in seinem Entschliessungsantrag für ein Wildtierverbot 2016 (Drucksache 78/16), dass fremdbestimmtes „Training“ nicht geeignet ist, um kleine Gehege zu kompensieren und bezeichnete die Annahme als „überkommene Hypothese“. 

In Deutschland werden gerade einmal zwei Giraffen und ein Flusspferd in Zirkussen mitgeführt. Würde sich der angekündigte Entwurf nur auf diese Tierarten beziehen, wäre dies ein schlechter Witz„, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Mehr als 20 europäische Länder verbieten bereits die Wildtierhaltung im Zirkus ganz oder teilweise. Bereits 2003, 2011 und 2016 sprach sich der Bundesrat für ein Verbot aus. Auch die Mehrheit der Agrarminister plädierte im letzten Jahr im Rahmen einer Agrarministerkonferenz für ein Wildtierverbot. Die Bundesregierung aber blieb untätig.

PETA betont zudem, dass die Dressur von Wildtieren im Zirkus stets mit Gewalt und Zwang einhergeht. Peitschen, spitze Elefantenhaken, Stöcke und Gerten sind die gängigen Instrumente, um die Tiere zum Gehorsam zu zwingen. Allein schon wegen wiederholten Ausbrüchen, Verletzungen und Todesfällen durch Großkatzen und Elefanten sind diese umgehend zu verbieten. Die Tierrechtsorganisation fordert Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner auf, ein Verbot sämtlicher Tiere im Zirkus auf Weg zu bringen.

„Es ist für alle Tiere mit Leid verbunden, bis zu 50 Mal im Jahr in dunklen Lkws von Ort zu Ort transportiert und dort meist auf Asphaltplätzen gehalten zu werden. Dass eine zwanghafte Dressur mit der Peitsche ein artgerechtes Gehege ersetzen kann, ist ein Märchen, dass die Zirkusbranche schon vor Jahrzehnten erdichtet hat. Jahr für Jahr erhalten wir zahlreiche Videos auch von schwer verhaltensgestörten Elefanten, Löwen und sogar Pferden. Nur ein generelles Tierverbot wäre eine angemessene Maßnahme“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Mit Unterstützung von Auffangstationen und Zoos könnten sämtliche Tiere innerhalb eines Jahres aus den Zirkusbetrieben gerettet werden.“

Breite Unterstützung für ein Wildtierverbot im Zirkus

PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht dazu da sind, um uns zu unterhalten. Die Tierschutzorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod. Einer repräsentativen forsa-Umfrage von 2014 zufolge vertreten 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können. Der Bundesrat forderte in seiner bereits dritten Entschliessung ein Zirkusverbot für Wildtiere, dem die Bundesregierung bislang nicht nachkam. Bezüglich exotischer Wildtierarten sprechen sich auch die Bundestierärztekammer und sämtliche Agrarminister der Länder für ein Verbot aus. Bundesweit haben bereits über 100 Städte und Kommunalvertretungen ein kommunales Zirkus-Wildtierverbot beschlossen.

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