Tierrechte

Initiativen fordern Importstopp für Pelz und Stopfleber

Mit zwei Volksinitiativen wollen breit abgestützte Komitees ein Importverbot für Stopfleber und für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte durchsetzen.

Die Bundeskanzlei hat der Lancierung der beiden Anliegen grünes Licht gegeben.

Wer Pelze in der Schweiz verkauft, muss seit 2013 angeben, aus welchem Land der Pelz stammt. Und ob das Tier gejagt oder gezüchtet wurde. Doch diese Reglung geht Tierschützern viel zu wenig weit, weshalb sie nun Unterschriften für zwei Volksinitativen sammeln.

Die beiden Initiativkomitees haben bis am 28. Dezember 2023 Zeit, die notwendigen 100’000 Unterschriften für ihre Forderungen einzuholen. Schaffen sie diese Marke, werden sich der Bundesrat, später das Parlament und schliesslich wohl Volk und Stände zur Stopfleber-Initiative und zur Pelz-Initiative äussern können.

Mehrheit der Pelze kommt aus China

Die Volksinitiative «Ja zum Importverbot für Stopfleber» will die Einfuhr von Stopfleber und Stopfleberprodukten verfassungsmässig verbieten. Die Volksinitiative «Ja zum Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte» will auch die Einfuhr von Pelz untersagen. Das Parlament soll in beiden Fällen spätestens zwei Jahre nach Annahme der Initiative die Ausführungsbestimmungen erlassen.

Alliance Animale Suisse steht hinter den zwei Volksinitiativen. Es sei Heuchelei, Produkte zu importieren, deren Herstellung in der Schweiz verboten sei, argumentierte die Tierschutz-Organisation am 29.6.2022 vor den Medien.

So begründete das Komitee die Volksinitiative «Ja zum Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte» etwa mit der strengen Schweizer Gesetzgebung. Diese stelle so hohe Anforderungen an die Pelzproduzenten, dass eine inländische Produktion nicht rentabel wäre.

Trotzdem importiere die Schweiz jährlich rund 350 Tonnen Pelze, wofür etwa 1,5 Millionen Tiere getötet würden. Mehr als die Hälfte dieser Pelze stamme aus China, wo die Tiere teilweise noch bei lebendigem Leib gehäutet würden, hiess es an der Medienkonferenz.

Schweiz importiert 200’000 Kilogramm Stopfleber

Ähnlich verhalte es sich bei Stopfleber. So gelte das Stopfen von Gänsen und Enten in der Schweiz als Tierquälerei und sei seit über 40 Jahren verboten, wie Vertreter von Alliance Animale Suisse betonten. Trotzdem importiere die Schweiz jährlich 200’000 Kilogramm Stopfleber. Um diese Nachfrage zu befriedigen, müsse man jährlich 400’000 Enten und 12’000 Gänse stopfen und töten. Dem wolle man mit der Initiative «Ja zum Importverbot für Stopfleber» ein Ende bereiten.

In beiden Komitees sitzen bekannte Persönlichkeiten, etwa der Schweizer Publizist Erich Gysling, Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher, aktuelle Parlamentsmitglieder wie Ständerat Thomas Minder (parteilos/SH) sowie die Nationalrätinnen Doris Fiala (FDP/ZH) und Martina Munz (SP/SH).

Im Parlament sind mehrere Vorstösse hängig, die in die gleiche Richtung zielen wie die beiden Initiativen. Der Nationalrat hat einem Importverbot für Stopfleber und für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte zugestimmt. Der Ständerat erteilte beiden Forderungen bisher jeweils eine Absage.

Der Bundesrat hält nach eigenen Angaben nichts von einem Importverbot, arbeitet aber an einer obligatorischen Deklaration für ausländische Erzeugnisse, die nach Methoden produziert werden, die in der Schweiz verboten sind.

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