Tierrechte

EU mahlt und vergast jedes Jahr Hunderte Millionen Küken

18 europäische Nichtregierungsorganisationen haben eine Koalition gebildet, um das Ende des Tötens von Küken und Entenküken zu fordern.

Diese grausame Praxis ist derzeit nach EU-Recht erlaubt, könnte aber im Rahmen der Überarbeitung der EU-Gesetzgebung zum „Tierschutz“ in der Landwirtschaft, die für die Jahre 2023 bis 2025 geplant ist, verboten werden.

In einem offenen Brief an den Rat der EU, der am 1. Juni 2022 verschickt wurde, fordern die Tierschützer die EU-Agrarminister auf, sich für ein Verbot des systematischen Vergasens und Zermahlens von männlichen Küken und weiblichen Entenküken einzusetzen. Die EU-Bürger können sich auch mit vorbereiteten Botschaftsentwürfen über eine heute eingerichtete Website an ihre Landwirtschaftsminister wenden.

Für jede Henne, die zur Eierproduktion aufgezogen wird, wird ein männliches Küken gemahlen oder vergast. Männliche Küken gelten als „unproduktiv“ für die Eierindustrie, da sie keine Eier legen und ihr Fleisch keinen wirtschaftlichen Wert für die Fleischindustrie hat. Aus diesem Grund werden jährlich 330 Millionen männliche Eintagsküken eliminiert. Bereits wenige Stunden nach dem Schlüpfen werden die männlichen Küken von Arbeitern aussortiert, und während die weiblichen Küken zur Eiablage in die Betriebe geschickt werden, werden die Männchen getötet. Millionen von weiblichen Entenküken erleiden das gleiche Schicksal, da die Leber weiblicher Enten für die Stopfleberproduktion weniger begehrt ist und die Stopfleberproduzenten daher nur männliche Enten aufziehen und zwangsernähren.

Die massenhafte Tötung von Jungtieren wird in der Branche nach wie vor geheim gehalten, was erklärt, warum die Bilder so selten veröffentlicht werden, obwohl sie schockierend sind. Diese Bilder zeigen die Tötung männlicher Küken durch Zerkleinern oder Vergasung, die beiden nach EU-Recht zulässigen Tötungsmethoden, wobei einige Länder die eine Methode der anderen vorziehen.

Nach der Veröffentlichung von Bildern, die die systematische Tötung von Küken zeigen, verpflichtete sich die französische Regierung 2015, die Entwicklung von In-Ovo-Sexing-Technologien zu unterstützen, die es ermöglichen, das Geschlecht von Küken zu erkennen, bevor sie schlüpfen. 2020 kündigte die französische Regierung ein Verbot der Tötung von Eintagsküken an. Auch die deutsche Regierung hat sich verpflichtet, diese Praxis zu verbieten.

Seit dem 01. Januar 2020 ist das Schreddern von Küken in der Schweiz gesetzlich verboten. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar, dass sich für männliche Küken wenig ändert. Sie werden weiterhin kurz nach ihrer Geburt getötet.

In Frankreich haben die Brütereien bis Ende 2022 Zeit, auf die Verwendung von Geräten zur Geschlechtsbestimmung umzustellen und die systematische Tötung männlicher Küken einzustellen. Um sicherzustellen, dass die Erzeuger das Gesetz einhalten, haben die Brütereien 10 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln erhalten, um die Umstellung auf alternative Methoden zu unterstützen. Es wird geschätzt, dass die Kosten für diese neue Technologie den Einzelhandelspreis für Eier nur um 1 Cent pro Ei erhöhen.

Ein Verbot der systematischen Tötung männlicher Küken ist aus mehreren Gründen erreichbar: Die gesellschaftliche Nachfrage nach einem Verbot ist gross, es gibt Alternativen zur systematischen Tötung männlicher Küken, und zwei Länder haben diese Praxis bereits verboten. Nicht zuletzt bietet die Überarbeitung der EU-Rechtsvorschriften zum „Wohlergehen von Nutztieren“ eine einmalige Gelegenheit, diese Praxis EU-weit zu verbieten.

Die EU überarbeitet derzeit ihre Rechtsvorschriften über den „Schutz von Nutztieren„. Diese Überarbeitung ist von grösster Bedeutung. Die Europäische Kommission, die im Jahr 2023 einen neuen Rechtsakt vorschlagen soll, erwägt die Möglichkeit, die systematische Tötung von Küken in der EU zu verbieten. Stella Kyriakides, die für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständige Kommissarin, sagte: „Die Tötung einer grossen Anzahl von Eintagsküken ist natürlich eine ethische Frage.“

Diese Aussage wird durch die Ergebnisse der von der Europäischen Kommission zu diesem Thema durchgeführten öffentlichen Konsultation weitgehend gestützt, denn mehr als 94 % der fast 60’000 Befragten sprachen sich für ein Verbot dieser Praxis aus. Ausserdem stimmen diese Zahlen mit der öffentlichen Meinung überein, denn nur zwischen 9 und 18 % der Bürger befürworten das Zermahlen und Vergasen von Küken und Entenküken.

Die Europäische Kommission wird neue Rechtsvorschriften vorschlagen, um die Praktiken in der Tierhaltung besser zu regeln; der Rat der EU wird jedoch über die Annahme der Reform entscheiden. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Landwirtschaftsminister aller 27 Mitgliedstaaten diese Reform unterstützen, damit sie verabschiedet werden kann.

Aus diesem Grund fordern 18 Tierschutzorganisationen alle Landwirtschaftsminister der Mitgliedstaaten auf, die von Frankreich und Deutschland unternommenen Anstrengungen zu unterstützen. Insbesondere fordern die Organisationen die Minister auf, das Verbot der Tötung männlicher Küken auf die gesamte EU auszudehnen und sicherzustellen, dass das neue Gesetz auch die Tötung weiblicher Entenküken verbietet, die bisher zu Unrecht von diesen Reformen ausgeschlossen waren.

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