Tierrechte

Deutschland: Bundestag stimmt gegen Wildtierverbot im Zirkus

Seit Jahrhunderten stellen Menschen Wildtiere in Zoo und Zirkus zur Schau. Viele fristen in engen Käfigen und Gehegen ein trauriges Dasein. Verhaltensstörungen wie sich ständig wiederholende Bewegungsmuster sind Ausdruck dafür, dass Wildtiere unter schlechten Haltungsbedingungen leiden und ihre natürlichen Verhaltensweisen in zu kleinen und unstrukturierten Gehegen nicht ausleben können.

Der Agrarausschuss des Bundestages hat heute gegen einen Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Wildtiere im Zirkus zu verbieten, gestimmt. Die morgige Ablehnung im Bundestag ist damit nur noch eine Formsache. „Experten, Tierärzte, Verbände und der Bundesrat fordern seit Jahren, Wildtiere im Zirkus endlich zu verbieten.

Wir sind sehr enttäuscht, dass die Regierungsparteien ihre Blockadehaltung nicht aufgeben und weiterhin an einem veralteten Konzept von Unterhaltung mit viel Tierquälerei festhalten“, erklärt Katharina Lameter von der Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife.

Deutschland ist Schlusslicht in der EU

Deutschland gehört zu den Schlusslichtern in Europa und zu den wenigen Ländern in der EU, die keine Regelungen zu Wildtieren im Zirkus getroffen haben“, ergänzt Lameter. 23 europäische Länder haben bereits ein generelles Wildtierverbot im Zirkus beschlossen, fünf  weitere europäische Länder verbieten bestimmte Tierarten wie Elefanten und Löwen.

Neben der Bundestierärztekammer hat sich auch der Bundesrat bereits dreimal für ein Verbot von bestimmten Tierarten im Zirkus ausgesprochen. Zudem haben die Agrarminister der Länder erst im April ihre Forderung an die Bundesregierung nach einem Verbot bekräftigt. Einer repräsentativen Forsa-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten ausserdem 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können.

Viele Kommunen wollen auf ihrem Grund keine Zirkusse mit Wildtieren dulden und behelfen sich mit Verboten. „Da die Bundesregierung nicht handelt, müssen die Gemeinden und Städte mit solchen Notlösungen helfen. Für uns ist das ein unhaltbarer Zustand, der dringend beseitigt werden muss“, so Lameter.

Bei einer öffentlichen Anhörung am 14. Oktober vor dem Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft bestätigten zahlreiche Experten, dass die Haltung von Wildtieren im Zirkus nicht artgerecht ist. „Ständige Transporte, kleine Käfige und Dressuren für unnatürliche Kunststücke bedeuten Stress für die Tiere. Sie können ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben und zeigen häufig Verhaltensstörungen”, sagt Lameter. 

Wildtiere im Zirkus nicht zeitgemäss

Nach wie vor werden Hunderte Elefanten, Giraffen, Tiger und viele weitere Wildtiere durch Deutschland transportiert, unter mangelhaften Bedingungen gehalten und mit der Peitsche oder dem sogenannten Elefantenhaken dazu gedrängt, unnatürliche Bewegungsabläufe vorzuführen. Experten und Behörden bestätigen, dass beispielsweise Elefanten nur mit Gewalt zum Gehorsam gezwungen werden können. Außerdem zeigen zahlreiche Videos, wie Tiere im Zirkus brutal misshandelt werden. Auskünfte der Bundesregierung und einiger Landesregierungen haben ergeben, dass durchschnittlich bei etwa jeder zweiten behördlichen Kontrolle Missstände bei der Tierhaltung festgestellt werden – und das, obwohl die zugrundeliegenden Richtlinien veraltet sind. Immer wieder kommt es zudem zu gefährlichen Unfällen und Ausbrüchen von Tieren aus Zirkusbetrieben.

Umfragen zeigen immer wieder, dass die Mehrheit der Deutschen keine Wildtiere im Zirkus sehen will. „Die meisten Menschen wissen, dass es Tierquälerei ist, einen Elefanten in der Manege Kopfstand machen zu lassen oder Löwen zu zwingen unsinnige Kunststücke vorzuführen. Wir plädieren deshalb an die Bundesregierung, endlich die Zeichen der Zeit zu erkennen und die Haltung von Wildtieren im Zirkus in Deutschland zu verbieten“, so Lameter abschliessend.

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