Tierrechte

Auf Abschussgesetz folgt Referendum

Geben kantonale Behörden jagdbare Tiere während der Schonzeit zum Abschuss frei, sollen Umweltverbände dagegen nicht mehr rekurrieren dürfen.
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Aktuell läuft die Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes im nationalen Parlament. Der Ständerat hat der Lockerung des Schutzes von Wölfen, Bären, Luchsen und Bibern bereits zugestimmt. Nun ist der Nationalrat dran. Die Umweltkommission des Nationalrates hält mit ihrem Entscheid vom 19.2.2019 zum neuen Artikel 7a des revidierten Jagd- und Schutzgesetzes an einer völlig aus dem Gleichgewicht geratenen Revision des Jagd- und Schutzgesetzes fest.

Aus naturschützerischer Sicht, ist die Revisionsvorlage des Jagd- und Schutzgesetzes ein Rückschritt. In der Schweiz stehen 40 % der Brutvogelarten und 30 % der Säugetiere auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Das sind Rekordzahlen auf europäischer Ebene.


Werner Müller, von BirdLife Schweiz.

Damit werden drei rote Linien überschritten:

  • Erstens schiebt der Bund seine Verantwortung beim Artenschutz an die Kantone ab und nimmt damit seinen verfassungsmässigen Schutzauftrag und seine internationalen Verpflichtungen nicht mehr wahr. Die Delegation der Abschusskompetenz bei national geschützten Arten an die Kantone führt zu einem kantonalen Wildwuchs beim Umgang mit geschützten Arten.
  • Zweitens soll es Abschüsse «auf Vorrat» geben. Das hätte zur Folge, dass geschützte und gefährdete Tierarten abgeschossen werden können, ohne dass diese je einen Schaden angerichtet hätten. Besonders stossend dabei ist, dass nicht einmal mehr  schadensvermindernde Schutzmassnahmen vorausgesetzt werden.
  • Drittens soll der Bundesrat die Liste geschützter Arten, die reguliert werden dürfen, jederzeit erweitern können – ohne Mitsprache des Parlaments. Dadurch wird das Management geschützter Arten noch stärker zum Spielball von Interessen einzelner Nutzergruppen. Eine ganze Reihe geschützter Tierarten läuft dadurch Gefahr, künftig als regulierbar und daher «quasi-jagdbar» behandelt zu werden.

Gelingt es dem Nationalrat nicht, dieses «Abschussgesetz» zu korrigieren, wird ein Referendum unausweichlich.

Die Gesetzesrevision ist ein Frontalangriff auf den Artenschutz generell

Dass geschützte Tiere getötet werden sollen, ohne dass sie je Schäden angerichtet oder Probleme verursacht haben, das akzeptieren wir nicht.


Sara Wehrli, Pro Natura

In einem Referendum würde gesamtschweizerisch über dieses Thema abgestimmt. Der Wolf und die geschützten Arten haben generell einen guten Support. 2014 hat eine gfs-Umfrage zur Akzeptanz des Wolfes deutlich über 60 Prozent der Befragten für die Rückkehr des Wolfes gestimmt. Auch der Stadt-Land-Graben war viel weniger ausgeprägt, als man annehmen würde.

Der Bund ist per Verfassung verpflichtet, die Schweizer Arten zu schützen. Mit dieser Revision nimmt er seinen Schutzauftrag und seine internationalen Verpflichtungen nicht mehr wahr.


Gabor von Bethlenfalvy, WWF Schweiz

All diesen massiven Verschlechterungen beim Artenschutz stehen keinerlei Verbesserungen für gefährdete Arten und ihre Lebensräume gegenüber. So dürfen bedrohte und gefährdete Arten wie der Feldhase, der Birkhahn oder die Waldschnepfe beispielsweise weiterhin gejagt werden. Zudem werden die für die Verbreitung und die natürlichen Wanderbedürfnisse der Wildtiere wichtigen Wildtierkorridore weiterhin nicht geschützt.

Für uns ist besonders störend, dass das neue Gesetz sogar den Abschuss von Jungwölfen erlauben würde.


Heinz Lienhard, Schweizer Tierschutz STS

Die Umweltverbände und die IG Wild beim Wild lehnen die extreme, völlig aus dem Gleichgewicht geratene Revision des Jagd- und Schutzgesetzes ab.

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