Psychologie

Die Lustjagd auf Trophäen

Sozialpsychologen sehen, dass sich solche Waffenträger schneller provozieren lassen, dem Gegenüber schneller feindselige Absichten unterstellen und insgesamt weniger einfühlsam, weniger empathisch und weniger hilfsbereit sind.

Wenn das eigene Leben voll von selbstverständlich ausgelebter realer physischer Gewalt ist, kommt es zur Gewöhnung, Abstumpfung und schliesslich zu einer immer stärker werdenden Desensibilisierung gegenüber Gewalt. Die Hobby-Jagd beisst sich also selbst in den Schwanz: Sie stumpft ab und erhöht zugleich das Bedürfnis nach der Ausübung von Aggression des vermeintlich Stärkeren über den Schwächeren. 

Dieses selbstverständlich ausgeübte Faustrecht führt wiederum zu einer zunehmende Verrohung und Entsolidarisierung, zunehmenden Egoismus, eine niedrigeren Frustrationstoleranz und einer immer höherer Gewaltbereitschaft. 

Diese negative Veränderung der Gefühlswelt führt zu einer sich konstant verstärkenden einseitigen Tunnelsicht auf das Geschehen in der Welt. Die Auswirkungen der ausgeblendeten Alternativen ergeben schliesslich die Grundlage für sich immer wieder selbst legitimierende Aggressionen, für Hass, Wut und Übergriffe jedweder verbaler oder physischer Art. 

Der Gewaltausübende bleibt damit in einem ständig sich gleich reproduzierende Schemata gefangen und daher bleibt es ihm verwehrt in die feiner strukturierte gedankliche Freiheit kultivierter Menschen zu gelangen. 

Das derart assoziierte Gehirn kann sich qualitativ unterschiedliche Gesellschaften nicht einmal mehr erdenken. Es braucht seine Vorstellungskraft für rein destruktive Gedanken und zugehörige Phantasien. 

Die zivilisatorischen Errungenschaften der Empathie, Mitgefühl usw. bleiben daher schlichtweg vollkommen ausgeblendet oder werden verhöhnt. 

In einer Gesellschaft, die ihre moralischen Leitplanken aber ständig neu justiert und inzwischen auch zum Beispiel die Darstellung und Ausübung von Raucherszenen und Trinkorgien nicht mehr akzeptiert, ist die Darstellung und Ausübung von Gewaltfantasien der Hobby-Jäger ebenso inakzeptabel. 

Daher spricht das überbordende Angebot von Mord- und Totschlagsreisen, in deren Verlauf nach Lust und Geldbeutel unter dem Deckmäntelchen der Tierfürsorge und Artenerhaltung weltweit gemetzelt, massakriert, gequält und erschossen werden darf, eine deutliche Sprache über diese besondere Art der Beschäftigung. 

Man betrachtet das gesellschaftlich-soziologische Phänomen der Lustjagd entsprechend befremdet, ähnlich wie die Abhängigen in den markierten Raucherecken oder ein Treffen der Alkoholika Zugeneigten. Man bedauert die vom Leben offensichtlich Abgestumpften, welche eine aus der Zeit gefallene, zerstörerische Art von Unterhaltungen benötigen. 

Wer einen Lustjäger beobachtet, der im Tremor der ihn überwältigenden Schusshitzigkeit durch die Büsche schleicht, sieht sich eigentlich an einen von Allmachtphantasien getriebenen kleinen Jungen erinnert, der sich mit grüner “Wehrtechnik”, mit soundsoviel PS, Reichweite, Durchschlagskraft, usw. befasst, wie ein Pubertierender im hormongesteuerten Alphamännchen-Programm. 

Er darf ja auch davon träumen, mit einem Super-Riesen-Bulldozer den ganzen Wald, die komplette Landschaft und alle darin enthaltenen Dinosaurier abzuräumen. “Rawumms, weg damit!” 

Blöd nur, wenn man das Zerstörungs-Programm nicht mehr abschalten kann. 

Dann baggern diese Ungehemmten fortan im hormonellen Chaosmodus über den Planeten und finden nicht mehr in die Mitte des realen, vernünftigen, verantwortungsbewussten Lebens zurück. Die Kollateralschäden dieser ungenierten, masslosen, ungezügelten „Baggerfahrer“ kann man auf unserem Planeten überall beobachten: gequälte Tiere, Ökozid, brennende Wälder, ausgebeutete Ressourcen und rücksichtslose kapitalistische Plünderungen ruinieren und vernichten unsere Zukunft. Mit der Akzeptanz von Gewalt und der Verhöhnung der Empathie haben diese apokalyptischen Reiter längst unseren Untergang eingeläutet.

Wer Freude am Töten empfindet, leidet an einer schweren Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem nahezu gänzlichen Fehlen von Empathie und Gewissensregungen einhergeht. 

Wenn Individuen mit einer solchen Psychopathie andere Lebewesen leiden und sterben sehen, stimuliert dies eine Region in ihrem Gehirn (Striatum/Amygdala), die dafür bekannt ist, gleichgültiges Vergnügen zu empfinden, sobald sie Mitgeschöpfen Qualen, Ängste und Schmerzen zufügen können. 

Solche lustvoll erlebten Gewalt- und Aggressionstaten entspringen demnach hochpathologischen Gehirnfunktionsdefiziten und werden in der Regel auch von ungezügelten aggressiven und drohenden verbalen Entgleisungen begleitet, sobald eine human entwickelte Gesellschaft Mässigung und Mitgefühl einfordert. 

Lustjäger wischen den Wert einer kulturellen Weiterentwicklung daher ebenso gerne vom Tisch wie den “Wert” eines lebenden Tieres. Es wird stattdessen nach dem Wert der Trophäe bemessen, die man von seinem Körper abhacken kann. Solche Empathie-Defizite sind die Grundlage jedweder Kriegsführung. 

Ob nun gegen Menschen oder gegen Tiere. Betrachtet man die hochgerüsteten Hobby-Jäger, wie sie mit High-Tech-Kriegsgerät und schweren Patronengurten behangen, mit Entourage und Personal, mit Jeep und Sichtgerät, mit Hunden und allem erdenklichen Mordinstrumentarium bewaffnet, „tapfer“ in Tarnkleidung gegen ihre Opfer ausrücken, assoziiert man eher eine Monty-Python-Satire, als eine der vorgegebenen geplanten Grosstaten. 

Man könnte über diese „Helden“ erheitert lachen, würden sie nicht mit ihrem Kriegsarsenal so erbarmungslos die Tierwelt abschlachten, zerhacken und dekapitieren. 

Dazu wird dann noch das ewig gestrige Schauspieldrama gegeben: “Tapferer Jäger präsentiert sich siegreich nach vollbrachter Heldentat“. Dabei drapiert sich Superman entlarvend exhibitionistisch neben den mühsam hergerichteten Kadavern, deutet triumphierend auf Trophäen und Waffen, als sei er soeben einer tödlichen Gefahr entronnen. 

Der feige Schuss aus dem Hinterhalt ist längst vergessen. Denn jetzt kommt das Wichtigste: Das Trophäen-Shooting vor der Kamera. Klick, klick, klick. Kadaver-Posing aus allen Perspektiven. Kadavershow für das World Wide Web und Familienalbum.

Dem Jockel in den Kopf geschaut

Die Welt hat sich aber zwischenzeitlich gedreht und sie hat sich mit der Reifung der Grosshirnrinde zivilisiert. 

Nun zieht man Parallelen vom Kadavershooting zu den sich aufgeblasen prostituierenden, sadistischen, Ekel hervorrufenden Psychopathen in den Stierfolterarenen. Deren ähnlich lächerliches Gehabe, die gleichermassen stolz präsentierten Mordlust, der ganze zugehörige widerwärtige Tötungsirrsinn und der abstossend überhebliche Grössenwahn ruft nur noch Würgereiz hervor. Es ist gar nicht möglich, sich so gründlich zu übergeben, wie man sich über diese Tierschlächter erbrechen könnte.

Werbeanzeigen