Naturschutz

Wegen Russland sterben tausende Delfine im Schwarzen Meer

Naturschützer bringen den Tod von Tausenden Delfinen im Schwarzen Meer mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine in Verbindung.

Mindestens 3000 Tiere seien verendet, erläuterte Iwan Rusew, der Experte eines Nationalparks in der Nähe von Odessa im Süden der Ukraine.

Laute Explosionen und militärische Sonare, die für die Ortung anderer Schiffe genutzt werden, verwirren die Delfine, die sich ebenfalls per Sonar orientieren. „Sie haben dann Probleme bei der Nahrungsfindung oder verirren sich in flachem Wasser„, so Rusew weiter. Für ihn ist klar: „Die Tiere sterben in Folge russischer Kriegshandlungen im Schwarzen Meer.“ In den russischen Medien will man davon nichts wissen: Dort wird eine Forscherin zitiert, der zufolge sich die Zahl der bislang aufgefundenen Tiere „im Rahmen der jährlichen Statistik“ bewegt.

Nach seinen Angaben gibt es zudem Berichte über verendete Tiere aus Bulgarien und Rumänien. „Wir bitten alle, die tote Delfine am Strand sehen, dies zu melden.“ In den vergangenen Jahren hätten Fischfang und Wilderei die grössten Gefahren für Delfine dargestellt.

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Welche Auswirkungen der Krieg auf Natur und Umwelt insgesamt haben kann, untersucht derzeit eine Gruppe von Wissenschaftlern im Auftrag des ukrainischen Umweltministeriums. Neben Sonaren und Explosionen stelle das Auslaufen giftiger Raketen- und Schiffstreibstoffe eine weitere Gefahr für die Ökosysteme im Wasser dar, erklärt Pawel Gol´din, Zoologe am Schmalhausen Institut in Kiew und Mitglied des Forschungsteams.

Auch an Land könnte der Krieg die Biodiversität massiv schädigen, befürchten die Forscher. Viele natürliche Lebensräume seien bereits durch Brände und Bombardierungen zerstört worden. „Besonders die Feuchtgebiete an der Küste, ein wichtiger Rückzugsort für viele Vögel, sind bedroht„, meint Gol´din. Beispielhaft dafür steht insbesondere die Region am Asowschen Meer nordöstlich der Halbinsel Krim. Sie gilt als Brutgebiet für Gänse, Seetaucher, Seeschwalben und Enten. Deren Verbreitungs- und Wandergebiet führt von dort Richtung Nordwesten, entlang des Dnjepr bis nördlich von Kiew an die Grenze zu Russland und damit erneut in umkämpftes Gebiet. Dass der Krieg Auswirkungen auf das Brutverhalten, den Artenbestand oder die Wanderung der Tiere hat ist denkbar – aber aktuell unerforschbar.

Damit Umwelt- und Tierschutz auch in Kriegszeiten möglich bleibt, müsse auf internationaler Ebene eine Rechtsgrundlage geschaffen werden, forderte der International Fund for Animal Welfare (IFAW), eine international operierende Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Kanada, jüngst. Ausserdem müsse „Ökozid“ in den Statuten des Internationalen Strafgerichtshof als weiterer Straftatbestand in einem Krieg ergänzt werden.

In einer Studie warnt der IFAW zudem vor einer weiteren Gefahr für Wildtiere in der Ukraine, die vor allem aus Kriegsgebieten auf dem afrikanischen Kontinent bekannt ist: Wilderei. Denn unkontrollierter Waffenbesitz und der Bedarf der Kämpfer an Nahrung und Geld führten der Organisation zufolge regelmässig dazu, dass Tiere vermehrt gejagt werden. Ein weiterer Punkt auf einer schier endlosen Liste an zu befürchtenden Auswirkungen des Krieges auf die Natur und Tierwelt in der Ukraine.

Russland hat seinen Krieg gegen die Ukraine am 24. Februar begonnen und greift das Nachbarland auch über das Schwarze Meer an.

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