Justiz legt Wiederholungstätern das Handwerk.

PETA hat gegen zwei Exotenhändler Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Rostock erstattet. Die Männer waren in Südafrika beim Schmuggel mit vom Aussterben bedrohten Tieren aufgegriffen und festgenommen worden. Ihnen wird vorgeworfen, seltene Reptilien, Schildkröten und Geckos gefangen zu haben, um sie dann im Ausland als exotische „Haustiere“ zu verkaufen. Einer der beiden Händler ist Tierschützern bekannt, da er in der Vergangenheit bereits mit artengeschützten Tieren auf Exotenportalen gehandelt hat.

Zwar wurden die in dem jetzigen Fall vorliegenden Straftaten in Südafrika begangen, jedoch sind sie nach europäischem und deutschem Recht auch in Deutschland strafbar. Deshalb ist auch die deutsche Justiz dafür zuständig, gegen die beiden deutschen Staatsbürger ein Strafermittlungsverfahren einzuleiten. Bei den Männern wurden offenbar auch Drogen gefunden.

PETA fordert ausserdem allgemein ein Haltungsverbot für exotische Tiere in Privathaushalten. Die Tierrechtsorganisation begründet ihre Forderung damit, dass der Exotenhandel die Artenvielfalt bedroht und von ihm die Gefahr weiterer Zoonosen wie Covid-19 ausgeht.

Dieser Fall macht einmal mehr deutlich, welch erschreckende Ausmasse der illegale Handel mit exotischen Wildtieren weltweit angenommen hat. Streng geschützte Lebewesen werden noch immer auf Internetplattformen völlig frei angeboten und verkauft. Wir dürfen angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklung keine Zeit mehr verlieren – ein Haltungsverbot von exotischen Tieren in Privathand ist überfällig. Nur so können fühlende Lebewesen geschützt und der Naturschutz in den Herkunftsländern vorangetrieben werden. Für alle an Fang und Handel Beteiligten fordern wir harte Strafen – auch um Nachahmungstäter abzuschrecken.

Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA

Der Wildtierhandel bedroht die Artenvielfalt und befeuert das Risiko neuer Pandemien

Der Wildtierhandel – nicht nur mit geschützten Tieren – bedroht die Artenvielfalt: Laut dem Weltbiodiversitätsrat (IPBES) ist die direkte Ausbeutung der Natur einer der Hauptgründe für das Artensterben. Bei einem großen Teil der geschmuggelten exotischen Tiere handelt es sich um „Wildfänge“ aus Asien, Afrika und Südamerika. Sterberaten beim Fang und Transport von bis zu 70 % gelten in der Zoohandelsbranche als üblich. Bereits 2013 wurde zumindest für Wildfangimporte ein Verbot von der damaligen grossen Koalition im Koalitionsvertrag vereinbart, jedoch nie umgesetzt.

Zudem befeuert der Wildtierhandel das Pandemierisiko. So haben 75 % der neu auftretenden Infektionskrankheiten einen tierischen Ursprung. Mit 72 % resultiert der grösste Teil dieser Zoonosen aus dem Kontakt zu wild lebenden Tierarten. Weitere Beispiele für gefährliche Viren, die in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten von Tieren auf Menschen übertragen wurden, sind SARS, MERS, Ebola, HIV, Bornaviren, Affenpocken und die Vogelgrippe.

Tiere wie Schlangen oder Schildkröten sind ausserdem häufig mit ansteckenden Darmparasiten wie Würmern oder Giardien infiziert, die auch auf den Menschen übertragbar sind. Die meisten Reptilien übertragen Studien zufolge auch gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 % der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zu Hirnhautentzündung oder zum Tod führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von exotischen Tieren her.

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