Naturschutz

Perverse Jagd-Rowdys im Naturschutzgebiet

Gutes Jagdhandwerk sei, dass der Schuss so angebracht werden muss, dass man das erschossene Wildtier bergen kann und es mit menschlichen und üblichen Methoden ins Tal transportiert wird. Drohnen und Hubschrauber sind dabei ein No-Go!

Anders sehen dies Jagd-Rowdys. Auf ihrem Bezahlkanal Hunt-on-Demand schreiben die Brüder F:

Hier im Vorarlberg ticken die Uhren anders. Schnell wird klar: Das Verständnis und die Ausübung der Jagd ist mit den deutschen Jagdverhältnissen nicht vergleichbar. Die vorhandene Infrastruktur muss nun umgekrempelt werden.“

Seit Tagen staunt und wundert man sich über jenes deutsche Brüderpaar, das im Naturschutzgebiet Kanisfluh einen Steinbock erschossen und dann mit dem Heli ins Tal transportieren hat lassen. Offenbar ist das Tier nach dem Schuss 50 Meter über eine Steilwand abgestürzt. Die Geiss sei „unglücklich in sehr unwegsamem Gelände verendet“, sagt der Jagdfilmer in dem Video. Auch die Waidmänner haben sich „vom grossen Vogel“, wie sie sich ausdrückten, ins Tal fliegen lassen, schreibt die Kronenzeitung.

Für die beiden deutschen Hobby-Jäger war offenbar schon im Vorfeld klar, dass sie einen Hubschrauber brauchen würden, um zurück ins Tal zu kommen. Der Transportflug wurde nämlich bereits einen Tag vorher bestellt, bestätigt Wucher Helicopter mit Sitz in Ludesch.

Abgesehen davon, dass ein solches Verhalten im Naturschutzgebiet verboten ist, haben sich die beiden Hobby-Jäger Marc und Benjamin Frahm mit ihrem Jagdfilmer Rouven Kreienmeier, der den Trip minutiös dokumentiert hat, auch sonst nicht gerade korrekt verhalten. Zum einen inszenierten sie den Ausflug als Survival Trip, zum anderen liessen sie am Berg Ausrüstungsgegenstände zurück, laut der Kronenzeitung. Die Rede ist auch von neu gesetzten Bohrhaken und 300 Metern Fixseil, die die Gruppe genutzt hat. „Das Abschussgebiet wurde im Expeditionsstil erreicht“, zitierten die VN einen ortskundigen Bergführer. Die Sache wird ein juristisches Nachspiel haben.

Als unprofessionell bezeichnet man im Übrigen die Lecksteine, mit denen die Jagdpächter der Eigenjagd Wirmboden-Kanisfluh das Steinwild angelockt haben. „Dass man dem Steinwild Steinsalz vorlege, sei nicht unüblich. Aber Lecksteine sind für Kühe und das hat da oben nichts verloren. Es zeigt auf, was für Laien da am Werk waren„, erklärt der Bezirksjägermeister Hans Metzler.

Manfred Vonbank, Jäger in Bludenz, hält mit seiner Meinung auch nicht hinterm Berg: „So etwas hat mit unserer Jagd nichts zu tun und gehört sofort gestoppt.“ Was ihn besonders ärgert, ist die Ausschlachtung des „Abenteuers“ in den sozialen Medien – zum Zwecke des Gelderwerbs: „Das ist schlicht und einfach ein Geschäftsmodell, das in den USA bereits weitverbreitet ist. Nun kommt das auch zu uns. Aber mit der klassischen Jagd hat diese Quotengeilheit nichts zu tun.

Fotografien und Filme brauchen Hobby-Jäger, um sich wichtig zu fühlen. In der Armee werden solche Menschen mit derartiger Selbstdarstellung beim Töten unehrenhaft entlassen und in die Psychiatrie eingewiesen.

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