Zum Schutz von Vögeln, die für die Jagd gezüchtet werden, könnten nach einer jüngsten Gesetzesänderung in England Wildvögel getötet werden.

Millionen wunderschöner, farbenfroher Fasane werden jedes Jahr auf britischen Wildfarmen gezüchtet. Sie werden gemästet, damit sie langsam und leicht zu erlegen sind, wenn die Jagdsaison beginnt.

Doch seit langem wird darüber diskutiert, wann Beutegreifer zum Schutz der Tiere geschossen werden dürfen. Jetzt hat das Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (Defra) im Rahmen neuer Leitlinien eine Definition dafür eingeführt, wann diese Vögel als Vieh gelten, schreibt theguardian.

Nach den am 3. Januar in England verabschiedeten Leitlinien für allgemeine Abschusslizenzen können Hobby-Jäger Krähen, Elstern und Dohlen legal abschiessen, um Fasane, Moorhühner und Rebhühner zu schützen.

Allerdings nur, wenn sie „in einem Gehege gehalten werden oder frei umherlaufen, aber zu ihrem Überleben in erheblichem Masse auf die Bereitstellung von Nahrung, Wasser oder Unterschlupf durch einen Tierhalter angewiesen sind“.

Im Gegensatz zu Hühnern werden Fasane technisch gesehen nicht für die Lebensmittelindustrie gezüchtet, sondern um geschossen zu werden.

Das Problem für die Hobby-Jäger besteht darin, dass man nach britischem Recht kein Vieh zu Sportzwecken schiessen darf. Um dies zu umgehen, sieht das Gesetz Fasane als potenzielle Nutztiere und Wildvögel an – aber niemals gleichzeitig.

Fasane, die seit ihrer Aufzucht als Nutztiere gelten, werden als „Wildtiere“ eingestuft, sobald sie zur Jagd in den Wäldern ausgesetzt werden.

Sobald die Jagdsaison zu Ende ist, werden die überlebenden „wilden“ Fasane zusammengetrieben und wieder in Gefangenschaft gebracht, wodurch sie wieder zu Nutztieren werden.

Durch die Einstufung als Nutztiere sind Züchter und Landwirte rechtlich vor Haftungsansprüchen geschützt. Ausserdem haben die Vögel Anspruch auf denselben Tierschutz, der auch Rindern genügend Platz, Zugang zu Wasser und Nahrung für ein „glückliches“ Leben gewährt.

Ökologen plädieren für weniger Fasane

In den letzten Jahren haben Umweltschützer gefordert, die Zahl der Fasane, die jedes Jahr in England gezüchtet und ausgewildert werden, zu verringern. Die Zahl der Fasane übersteigt bereits bei weitem die aller einheimischen britischen Vögel zusammengenommen.

In den 1970er Jahren gab es nur 4 Millionen Fasane. Heute beläuft sich ihre Gesamtzahl auf schwindelerregende 60 Millionen in England.

Und ihre Anwesenheit hat dramatische Folgen für die Umwelt. Die Royal Society for the Protection of Birds, Wild Justice und andere Naturschutzorganisationen in Grossbritannien haben festgestellt, dass die ständig wachsende Fasanenpopulation der heimischen Tierwelt schadet.

Die Tiere fressen Insekten und Pflanzen und hinterlassen ihre Exkremente in empfindlichen Lebensräumen.

Ihre lautstarken Proteste veranlassten das britische Umweltministerium im Jahr 2021, ein Gesetz zu erlassen, das Hobby-Jäger verpflichtet, eine Genehmigung einzuholen, bevor sie Fasane in der Nähe von Naturschutzgebieten freilassen.

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