Über die Jagd in Deutschland gibt es wirklich nur Schlechtes zu berichten, betrachtet man den Fakt, dass verschiedene Tierarten wegen der Jagd ausgestorben oder sehr stark dezimiert wurden. Oder, dass nicht heimische Tierarten in Wilder-Westen-Manier auch von Jagdgesellschaften in die Natur eingeführt wurden und somit das ökologische Gleichgewicht gestört haben.

Die Hobby-Jagd ist die einzige Sportart, welche Menschen verletzt und tötet.  Die Natur braucht keine Hobby-Jäger aber Wildhüter. Die Hobby-Jäger geben inzwischen selbst zu, dass sie Tierbestände nicht wirklich regulieren können und »Hege«, »Naturschutz« und »Wildschadensvermeidung« nur als Begründungen für ein blutiges Hobby vorgeschoben sind.

Fälle, die es diese Woche in die Medien geschafft haben:

Wilder Westen in Sachsen

Am 30.7.2020 hat sich ein Jagdunfall während Erntearbeiten in Rebesgrün ereignet. Als ein 80-jähriger Hobby-Jäger auf flüchtendes Schwarzwild schoss, traf das Projektil jedoch einen 68-jährigen Mann. Dieser befand sich auf der Liegewiese eines Freibades.

Das Feld grenzte direkt an das Freibadgelände an. Dort konnte die Polizei wenig später auch das Geschoss sicherstellen. Der 80-jährige Waidmann zeigte sich gegenüber den Beamten geständig.

Der Badegast trug, laut Beamtin, eine leichte Hautverletzung im Bauchbereich davon. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, konnte nach ambulanter Behandlung wieder entlassen werden. Gegen den Hobby-Jäger wurde Anzeige wegen Körperverletzung erstattet.

Wilder Westen in Niedersachsen

Im Prozess um die Brandserie im Kreis Celle hat sich der angekagte Hobby-Jäger überraschend erstmals geäussert. Angeklagt ist ein ehemaliger Polizist. 29 Straftaten werden ihm zur Last gelegt, darunter allein elf Brandstiftungen und zwei versuchte Brandstiftungen. Darüber hinaus soll er zwölf Diebstähle begangen haben. Hier geht es vor allem um Wildkameras. Bevor am Dienstag den 28.7.2020 sechs Zeugen als Opfer der Brandserie aussagten, legte Gorch U. durch die Verteidigung ein Geständnis ab. Anwalt Jonas Hennig sagte, sein Mandant werde die ihm gegenüber gemachten Vorwürfe „in weiten Teilen einräumen„. Seine zweite Verteidigerin Franziska Mayer zitierte U. mit den Worten, er habe bei seinen Taten darauf geachtet, dass weder der Wald noch Menschen oder Tiere Schaden nähmen.

So sind 2019 vier erst wenige Jahre alte Hochsitze eines Jagdpächters aus Nienhagen abgebrannt – was vermutlich auf das Konto von Gorch U. geht. Den Gesamtschaden beziffert der 75-Jährige auf 5000 bis 6000 Euro. Auch aus Wienhausen, Bockelskamp und Altencelle-Burg waren betroffene Jäger als Zeugen in Lüneburg geladen. Teilweise kennen sie den Angeklagten. „Zu tun haben möchte ich mit ihm nichts„, so ein Zeuge, der den Ex-Polizisten als „sehr vorlaut“ beschreibt.

Wilder Westen in Bayern

Im ostbayerischen Schwarzenfeld freuen sich Hobby-Jäger über ein Rebhuhnprojekt. Dort wurden gezüchtete Rebhühner ausgesetzt, um dem Ende dieser Feldhuhnart in Deutschland entgegenzuwirken.

Die beliebteste Massnahme unter Hobby-Jägern, die derartige Projekte initiieren, ist das sogenannte „Kurzhalten“ von Beutegreifern wie dem Fuchs, dem Marder u.a.

Deshalb hat auch in Schwarzenfeld in Ostbayern die Hegegemeinschaft dazu aufgerufen „Raubzeug wie Fuchs oder Habicht kurz zu halten, um die Rebhühner zu schützen“ (Mittelbayerische online 29.07.2020). Dass der Fuchs nicht zum „Raubzeug“ gehört, sondern zum Raubwild, sei hier einmal beiseitegelassen. Mit dem öffentlichen Aufruf, den Habicht intensiv zu bejagen (das ist die Bedeutung von „kurzhalten“), haben sich die Hobby-Jäger wohl strafbar gemacht.

Wilder Westen in Niedersachsen

Am Dienstagmorgen (28.07.2020) wurde in der Deepener Strasse im niedersächsischen Westervesede (Gemeinde Scheeßel/Ldkr. Rotenburg) ein Anwohner durch einen Jagdunfall verletzt, berichtet die Polizeiinspektion Rotenburg.

Gegen 07.30 Uhr hatte der Rentner einen Anbau seines Wohnhauses betreten und im Anschluss einen lauten Knall wahrgenommen. Geschockt stellte der Mann fest, dass er im Hüftbereich eine blutende Wunde aufwies. Mit einem Krankenwagen wurde der Verletzte zur Behandlung ins Rotenburger Krankenhaus gebracht. Bei der Tatortaufnahme der Rotenburger Kriminalpolizei konnte in einer Wand des Anbaus ein Projektil festgestellt werden. Nach Auskunft eines Experten des Landeskriminalamtes Niedersachsen dürfte es sich hierbei vermutlich um Jagdmunition handeln.

Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass ein Jagdausübungsberechtigter aus Nordrhein-Westfalen durch eine Schussabgabe für die unbeabsichtigten Verletzungen verantwortlich sein dürfte. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet.

Wilder Westen in Mecklenburg-Vorpommern

Am Samstagabend den 25.7.2020 kam es in einem Waldstück bei Groß Vielen zu einem Jagdunfall. Wie die Polizeiinspektion Neubrandenburg berichtet, waren ein 70-jähriger sowie ein 59-jähriger Hobby-Jäger in dem besagten Waldstück auf der Jagd. Gegen 22:30 Uhr wollten die beiden Männer nach Beendigung der Jagdausübung ihre Waffen wieder im Fahrzeug verstauen. Wie die Polizei berichtet, löste sich dabei wohl ein Schuss aus der Waffe des 70-Jährigen, so dass er sich sich selbst anschoss und verletzte. Da aufgrund der vorgefundenen Spuren nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Schuss auch aus der Waffe des 59-jährigen Hobby-Jägers stammen könnte, wurden beide Waffen beschlagnahmt und sollen nun weiter untersucht werden.

Der Hobby-Jäger wurde mit schweren Verletzungen im Genitalbereich in das Neubrandenburger Klinikum gebracht und dort einer Notoperation unterzogen. Er schwebt mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr. Aufgrund der noch unklaren Beweise, aus welcher Waffe der Schuss stammte, hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung eingeleitet.

Wilder Westen in Bayern

Aufregung in Jettingen-Scheppach im Kreis Günzburg: Wie die Polizei berichtet, wurde am Donnerstagabend den 23.7.2020 im Ortsteil Ried eine Auseinandersetzung zwischen zwei Männern gemeldet: Einer der beiden Männer sei betrunken und zerstöre die Wohnung des anderen. Weil es in der Meldung zunächst auch hies, dass Schüsse gefallen seien, folgte ein großer Einsatz der Polizei, für den sogar Kräfte der umliegenden Dienststellen zusammengezogen wurden.Offenbar hatte es eine Streitigkeit zwischen einem Vermieter (54 Jahre) und einem neuen Mieter in einem Zweiparteien-Haus gegeben.Ob die Schüsse im Zuge der Auseinandersetzung abgegeben worden waren, war unklar gewesen. Es hiess, dass der Vermieter, bei dem es sich um einen Jäger handelt, auf dem Hof mit einem Gewehr gefeuert habe.

Der Mieter wurde von den angerückten Einsatzkräften der Polizei in Sicherheit gebracht. Der Jäger hatte sich unterdessen offenbar in seine Wohnung zurückgezogen. Der Mann sei im Besitz von Langwaffen, hiess es. Eine Spezialeinheit der bayerischen Polizei wurde alarmiert.

Wilder Westen in Baden-Württemberg

Sie waren während eines Volksfests im Schwarzwald betrunken, übermütig und bei der Begegnung mit einem Auerhahn völlig überfordert. Zwei junge Männer sind in Deutschland im Prozess um den gewaltsamen Tod des geschützten Vogels am Dienstag verurteilt worden.

Ein 21-Jähriger, der den Auerhahn auf einer Wiese am Feldberg nach Überzeugung des Richters im vergangenen August erschlagen hatte, soll nach Jugendstrafrecht einen einwöchige Arrest antreten und 1000 Euro an die Naturschutzorganisation Nabu zahlen. Ein 23-Jahre alter Mann erhielt wegen Verstosses gegen das Bundesnaturschutzgesetz eine Geldstrafe in Höhe von 1300 Euro.

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