Law & Order

Julia Klöckner Katastrophe für Tiere

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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat am 4.11.2020 den Entwurf für die Novellierung des Bundesjagdgesetzes vorgestellt.

Doch die Katastrophe für die Wildtiere ist: Statt aus Tierschutzgründen weniger Wildtiere zu schiessen, sollen mehr Rehe und Wildschweine geschossen werden. Deutschland hatte schon bisher für Rehe, Hirsche und Wildschweine die längsten Jagdzeiten in Europa. Das Ergebnis: Trotz – oder gerade wegen – intensiver Jagd steigen seit Jahrzehnten die Jagdstrecken. Die Jagdgesetznovelle ermöglicht nun gar die Jagd während der Nachtzeit, mittels Nachtzieltechnik und mit Scheinwerfern.

Der Koalitionsauftrag war, die Jagdausbildung bundesweit zu vereinheitlichen, den für Mensch und Tier giftigen Bleieintrag durch die Jagdmunition zu reduzieren und einen Schiessübungsnachweis einzuführen – aus Tierschutzgründen. Doch was nützt ein Schiessübungsnachweis? Zielführender im Sinne des Tierschutzes wäre der Schiessleistungsnachweis gewesen – wenn also nur noch Hobby-Jäger auf die Jagd gehen dürfen, die gezeigt haben, dass sie beim Schiessen auch richtig treffen können.

Jagdstrecke

Je mehr Rehe und Wildschweine geschossen werden, umso mehr vermehren sie sich

Obwohl in Deutschland so viele Wildschweine geschossen werden, wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1930er Jahren, steigt die Anzahl der Wildschweine weiter. Der Grund: Jagd führt zur unkontrollierten Vermehrung von Wildschweinen. So paradox es klingen mag: Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, umso stärker vermehren sie sich. Auf diesen Zusammenhang weisen immer mehr Wissenschaftler hin. Die Natur hatte eigentlich alles hervorragend geregelt: Erfahrene weibliche Wildschweine – die Leitbachen – sorgen für die Ordnung in der Rotte und für Geburtenkontrolle. Die Hormone der Leitbachen bestimmen die Empfängnisbereitschaft aller Weibchen der Gruppe und verhindern, dass zu junge Tiere befruchtet werden. Fehlen die Leitbachen, weil sie bei der Jagd getötet wurden, löst sich die Ordnung auf. Die Sozialstruktur ist zerstört, die Tiere vermehren sich unkontrolliert.

Auch den Rehbestand halten Hobby-Jäger konstant auf hohem Niveau. Ein anhaltend hoher Jagddruck von rund einer Million abgeschossener Rehe pro Jahr hat den Bestand nicht auf gewünschte Höhe reguliert, sondern auf hohem Niveau hoch produktiv gehalten. Denn je mehr Rehe geschossen werden, umso mehr vermehren sie sich. Statt Wildschäden zu verhindern, provoziert Jagd ganz im Gegenteil Wildschäden. Rehe sind von ihrer Natur her Bewohner von Wiesen und dem Waldrand. Erst die Jagd treibt die Tiere in den Wald hinein, wo sie dann keine – für sie lebenswichtigen – Gräser und Kräuter finden und ihnen nichts anderes bleibt, als an Knospen zu knabbern. Durch die Jagd werden die Tiere unnötig aufgescheucht, was ihren Nahrungsbedarf und damit die Fraßschäden oft weiter erhöht.

Treibjagd Rehe

Der renommierte Zoologe Prof. Dr. Josef H. Reichholf, der an der Technischen Universität und der Ludwig-Maximilians-Universität München lehrte und Leiter der Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung München war, brachte es wie folgt auf den Punkt: »Jagd reguliert nicht. Sie schafft überhöhte und unterdrückte Bestände.« (Vortrag Prof. Dr. Reichholf am 15.10.2013 an der Uni Basel · http://www.jagdreguliertnicht.ch)

Treib- und Drückjagden: Bis zu 70 % der Tiere nicht sofort tot

Bei den meisten Drückjagden wird schon heute alles geschossen, was vor die Büchse kommt – auch von Jagdtouristen aus Holland und Dänemark, die kaum wo billigere Trophäenabschüsse als in Sachsen oder in Bayern bekommen. Diese Art von Jagd häufig tierschutzwidrig. Denn Rehe und Wildschweine werden oft nur angeschossen. Die Trefferquoten bei »Bewegungsjagden« (die Tiere werden aufgescheucht und auf der Flucht erschossen) sind ausgesprochen gering.

Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. sterben, vor allem bei der Drückjagd, bis zu 70 Prozent der Wildtiere nicht sofort, sondern erleiden qualvolle Kiefer-, Bauch- und Laufschüsse. Untersuchungen zufolge seien bei Drückjagden nur etwa ein Drittel der Wildschweine mit Blattschuss erlegt worden, die überwiegende Mehrheit wurde nur angeschossen und »wies Waidwund-, Keulen- oder Laufschüsse auf«. Auch würden 60 Prozent der weiblichen Rehe Bauchschüsse aufweisen.

Auf diese Weise werden viele Tiere »nur« angeschossen und sie können entkommen. Diese Tiere verenden oft qualvoll nach Stunden oder Tagen. Die »Nachsuche« – sofern sie überhaupt stattfindet – dauert oft Stunden oder Tage. Viele Tiere werden erst Tage später gefunden, wenn sie irgendwo elendig an der Verwundung verendet sind. Manche Wildtiere sterben überhaupt nicht an der Schusswunde, sondern an den Folgen, weil sie z.B. mit zerschossenem Kiefer keine Nahrung mehr aufnehmen können.

Bernd Krewer, Förster und Nachsucheführer, der mit seinen Hunden nach Jagden angeschossene Tiere nachsucht, um ihnen den Todesschuss zu geben, schrieb bereits vor über 20 Jahren: »Wir sollten froh sein, dass solche Dinge nicht allzu häufig ans Licht der Öffentlichkeit kommen, es sähe mit unserem Anspruch, Naturschützer zu sein, nicht sehr gut aus.« Über seine Erfahrungen berichtet der Fachmann wie folgt: »Ich habe rund 1000 Nachsuchen auf Sauen mit meinen Schweisshunden durchgeführt. Wie oft kann der Jäger nicht einmal angeben, wie die beschossene Sau im Schuss gestanden hat, ob er also auf die rechte oder linke Körperseite geschossen hat. Es wird also irgendwo auf den dunklen Klumpen geballert, von dem man nicht einmal erkennen kann, wo vorne und hinten ist.« (Bernd Krewer: Über Hirsche, Hunde und Nachsuchen. Neudamm-Neudamm, 1998, 2. Aufl., S.80, S. 85)

Dass die Wildtiere selten richtig getroffen und zum Teil lebendig vom Jagdhund zerfetzt werden, geben Hobby-Jäger untereinander in Jäger-Internetforen offen zu. In der Öffentlichkeit und in offiziellen Verlautbarungen der Jagdverbände wird allerdings regelmässig behauptet, die Wildtiere wären durch den Schuss sofort tot, sie würden schmerzfrei sterben und nicht einmal den Schuss mehr hören.

Nachsucheführer Bernd Krewer glaubt nicht, dass die Wahrheit dauerhaft geheim halten lässt: »Wenn es den ‚Tierschützern’ gelänge, einen viel beschäftigten Schweißhundeführer ‚umzukrempeln’, wären wir einen Tag später die Jagd endgültig los. Es muss sich vieles im Tun und Lassen der Jägerei ändern, wollen wir vor der immer kritischer werdenden Bevölkerung bestehen und von ihr das Mandat für den Fortbestand unserer Jagd bekommen. Wenn die Gesellschaft die Jagd nicht mehr akzeptiert, wird sie verschwinden und durch andere Formen der Nutzung und Regulierung ersetzt werden« (ebda., S. 180).


Die Jagdgesetznovelle von Ministerin Klöckner wurde auch in Presse und Fernsehen mit zum Teil deutlichen Worten kritisiert:

Sehenswerter Beitrag auf ZDF.de, 4.11.2020: „Die Jagd gehört abgeschafft“ – Diskussion um Jagdverbot auf Wildtiere

Lesenswerter Kommentar von Redakteur Peter Carstens in Magazin GEO: Unterschätztes Tierschutzproblem: Zehntausende Rehe verenden qualvoll nach dem Schuss. „Jeder Schuss ein Treffer“? Weit gefehlt: In unseren Wäldern sterben zahllose Tiere, weil sie von Jägern nicht richtig getroffen wurden.

Artikel von Prof. Josef H. Reichholf zur aktuellen Debatte über den Waldumbau:

»Mehr Rehe zu schießen rettet weder Wald noch Klima«

Immer wieder flammt die Debatte über den Umbau des Waldes und die Forderung nach einer noch stärkeren Bejagung von Rehen auf. Doch ist es die Lösung, noch mehr Rehe zu schiessen? Der renommierte Zoologe und Ökologe Prof. Josef H. Reichholf sagt nein: So werden sich weder der Wald noch das Klima retten lassen. »Ein anhaltend hoher Jagddruck von rund einer Million abgeschossener Rehe pro Jahr hat den Bestand nicht auf gewünschte Höhe reguliert, sondern auf hohem Niveau hoch produktiv gehalten«, so Prof. Reichholf. Das heisst: Je mehr Rehe geschossen werden, umso stärker vermehren sie sich.

3 Kommentare

  1. der teufel soll euch holen ihr hoby jäger ihr wollt doch nur schießen schießt auf schein da könnt beweisen ob ins schwarze trefft

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