Law & Order

Hobby-Jäger wildert Kronenhirsche in Graubünden

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Auf der Bündner Hochjagd hat ein Hobby-Jäger in Seewis im Prättigau zwei Kronenhirsche erlegt, die nicht hätten geschossen werden dürfen. Der Mann wurde von der Wildhut erwischt, als er die toten Tiere abtransportieren wollte.

Die Bündner Kantonspolizei bestätigte am 7.10.2020 Berichte in den regionalen Medien, wonach der Hobby-Jäger die beiden über 100 Kilogramm schweren Kronenhirsche in Seewis auf 1200 Metern über Meer geschossen hatte. Der Mann erstattete keine Selbstanzeige nach den illegalen Abschüssen.

Stattdessen wollte er die Hirsche mit Hilfe von zwei Gehilfen wegtransportieren. Dabei wurden die Männer von zwei Wildhütern angehalten, welche das Fahrzeug kontrollierten und die Kronenhirsche entdeckten. Der Fall liegt nun bei der Bündner Staatsanwaltschaft.

Wertvolle Tiere

Kronenhirsche seien für den Bestand sehr wertvolle Wildtiere, die nicht zu stark gejagt werden sollten, erklärte der Bündner Jagdinspektor Adrian Arquint auf Anfrage. Während der dreiwöchigen Hochjagd im September waren die Tiere nur während dreier Tage frei zum Abschuss. Gemäss den Jagdbetriebsvorschriften durfte jede Jägerin und jeder Jäger nur einen Kronenhirsch erlegen.

Insgesamt werden laut Arquint auf der Hochjagd jedes Jahr etwa 30 Kronenhirsche geschossen. Als Kronenhirsch wird ein Hirsch mit mindestens drei Enden pro Geweihstange bezeichnet. Bei illegalen Abschüssen wird von den Jägerinnen und Jäger eine Selbstanzeige erwartet. In solchen Fällen werden dann Bussen verhängt, ohne dass die Staatsanwaltschaft einschaltet wird.

Art. 30 Jagdbetriebsvorschriften

  • Vom 7. bis und mit 9. September 2020 ist auch der beidseitige Kronenhirsch mit einer Stangenlänge von 60 cm und mehr jagdbar. An diesen Tagen darf jede Jägerin und jeder Jäger insgesamt nur einen ein- oder beidseitigen Kronenhirsch unabhängig von der Stangenlänge erlegen.
  • Ein beidseitiger Kronenhirsch liegt vor, wenn der Hirsch an beiden Stangen drei oder mehr Enden über der Mittelsprosse aufweist. Ein einseitiger Kronenhirsch liegt vor, wenn der Hirsch an einer Stange drei oder mehr Enden über der Mittelsprosse aufweist.
  • Als Enden der Krone gelten Erhebungen von 3 cm und mehr über der Stangenoberfläche. Gemessen wird die kürzeste Distanz von der Stangenoberfläche beim Endenansatz zur Endenspitze. 4
  • Für die Beurteilung der Jagdbarkeit von Kronenhirschen gilt das Mass der kürzeren Stange.
  • Alle ein- und beidseitigen Kronenhirsche sind unabhängig von der Stangenlänge in frischem Zustand der Wildhut vorzuweisen.

Auf der Hochjagd im September hatten die 5’500 Jägerinnen und Jäger die Vorgabe, total 5560 Hirsche zu erlegen. Eine detaillierte Bilanz zur diesjährigen Jagd liegt noch nicht vor.

Allein in der Hirschfabrik Graubünden wurden im Jahr 2019 wegen Verstössen gegen die Jagdgesetzgebung 1104 (1114) Ordnungsbussen und Anzeigen an die Kreisämter erstattet. Praktisch jeder fünfte Hobby-Jäger der rund 5’500 ist somit ein Delinquent, mit einer grossen Dunkelziffer im jährlichen Wechselspiel.

2019: 1104 Anzeigen und Bussen
2018: 1114 Anzeigen und Bussen
2017: 1384 Anzeigen und Bussen
2016: 1201 Anzeigen und Bussen
2015: 1298 Anzeigen und Bussen
2014: 1102 Anzeigen und Bussen
2013: 1122 Anzeigen und Bussen
2012: 1089 Anzeigen und Bussen

Interessen-Gemeinschaft Wild beim Wild

Die IG Wild beim Wild ist eine gemeinnützige Interessen-Gemeinschaft, die sich für die nachhaltige und gewaltfreie Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung einsetzt, wobei die IG sich auch auf die rechtlichen Aspekte des Wildtierschutzes spezialisiert hat. Eines unser Hauptanliegen ist, in der Kulturlandschaft ein zeitgemässes und seriöses Wildtiermanagement nach dem Vorbild vom Kanton Genf einzuführen – ohne Hobby-Jäger aber mit integren Wildhütern, die den Namen auch verdienen und gemäss einem Ehrenkodex handeln. Das Gewaltmonopol gehört in die Hände des Staates und nicht an sektiererische Hobby-Jäger-Banden delegiert. 

1 Kommentar

  1. Ursel Poppinga

    Der bekommt hoffentlich nie wieder ein Gewehr in die Hand und erst mal ins Gefängnis. Wilderei ist ja wohl immer noch strafbar!

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