Kunterbunt

Zoo Zürich: Tiger tötet Tierpflegerin

PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht da sind, um uns zu unterhalten oder in irgendeiner anderen Form ausgebeutet zu werden. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
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Nach der tödlichen Attacke einer Sibirischen Tigerin auf eine Tierpflegerin im Zoo Zürich fordert PETA zum Schutz des Zoopersonals und der Tiere das Ende der Haltung von Grosskatzen in zoologischen Einrichtungen. Der tragische Vorfall ereignete sich Samstagmittag den 4.7.2020.

Warum sich die Tierpflegerin und die Tigerin Irina gleichzeitig im Gehege vom Zoo Zürich befanden, ist nun Gegenstand der Ermittlungen. Die Tierrechtsorganisation verweist auf rund ein Dutzend Fälle, bei denen in den vergangenen Jahren im deutschsprachigen Raum Grosskatzen Zoopersonal teils tödlich verletzten oder aus ihren Gehegen ausbrachen. Durch die artwidrige Haltung auf viel zu kleinen Flächen leiden Tiger und Löwen zudem unter Verhaltensstörungen. Auswilderungen sind daher nicht möglich. PETA kritisiert, dass Tiere dennoch rein zu Schauzwecken in Zoos gehalten werden und fordert ein sofortiges Zucht- und Importverbot, damit die Haltungen mittelfristig auslaufen. Den Angehörigen der getöteten Tierpflegerin spricht die Organisation ihr Beileid aus.

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„Tragödien wie diese können zukünftig nur verhindert werden, wenn gefährliche Tiere wie Tiger, Löwen oder Leoparden nicht mehr in winzige Gehege eingesperrt werden“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Grosskatzen, aber auch Grossbären oder Elefanten stellen eine permanente Gefahr für Besucher und Zoopersonal dar. Und sie leiden erheblich unter der Haltung in Gefangenschaft. Die Tiere haben in Zoos nichts zu suchen.“

Unfälle und Ausbrüche bei Grosskatzen keine Seltenheit

Immer wieder kommt es in Zoos zu Unfällen und Ausbrüchen von Grosskatzen mit teils tödlichen Folgen. Zuletzt wurde im Oktober 2018 ein 19-jähriger Pfleger des Köthener Tierparks von zwei Tigern schwer verletzt, da er bei der Fütterung zu nahe am Gehege war. Im September 2017 wurde ein Pfleger im Chemnitzer Tierpark von einer Leopardin ins Gesicht gebissen. Ein Schieber zum Außengehege hatte aufgestanden. 2013 tötete ein Tiger einen Tierpfleger im Allwetterzoo Münster; im Jahr zuvor wurde eine Wärterin im Kölner Zoo ebenfalls von einem Tiger getötet.
 

Des Weiteren nutzen Raubkatzen aufgrund der artwidrigen Haltung in viel zu kleinen Zoogehegen jede Gelegenheit, um ihrem Gefängnis zu entkommen. Seit Anfang 2012 konnten in verschiedenen Einrichtungen mindestens sieben Mal Grosskatzen aus ihren Gehegen entkommen, zuletzt 2017 ein Luchs aus der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen. 2016 brachen sowohl im Zoo Leipzig als auch im Wildpark Johannismühle jeweils zwei Löwen aus. In Leipzig wurde eines der Tiere bei seinem Fluchtversuch erschossen. Auch ein Schneeleopard im Wuppertaler Zoo konnte 2016 aus seinem Gehege entkommen. 2012 und 2014 kam es im Salzburger Zoo zu insgesamt drei Ausbrüchen von Geparden. Seit Anfang 2012 konnten bei drei weiteren Vorfällen Geparden im Kölner Zoo und dem Tiergarten Nürnberg aus ihrem Gehege ausbrechen. Ausbrüche oder Angriffe von Großbären, Menschenaffen und Elefanten führten in den vergangenen Jahren ebenfalls wiederholt zu Tragödien.

Sibirische Tiger in der Natur

Mit einer Schulterhöhe von bis zu über 100 cm und einer Länge von rund zwei Meter sind Sibirische Tiger die grösste Tiger-Unterart. Im Grenzgebiet von Russland, China und Nordkorea leben nur noch rund 500 der Tiere in Freiheit. Weibliche Tiere beanspruchen ein Revier von mehreren hundert Quadratkilometern, bei männlichen Tieren liegt die Reviergrösse bei bis zu 1.500 Quadratkilometern.

Tigerin darf weiterleben

Der Zoo Zürich hat entschieden, dass der tragische Vorfall, bei der eine Pflegerin von einer Tigerin tödlich verletzt wurde, für die Tigerin keine Konsequenzen hat.

Das Verhalten der Tigerin Irina sei natürlich gewesen, hält der Zoo Zürich in einer Medienmitteilung fest. Der Vorfall sei tragisch und der Zoo Zürich sei zutiefst betroffen. «Trotzdem hält der Zoo Zürich fest, dass die Amurtigerin ein Wildtier ist. Eine Person in ihrer Anlage ist für sie ein Eindringling in ihr Territorium. Sie folgte in ihrer Reaktion ausschliesslich ihren natürlichen Instinkten», schreibt der Zoo in einer Medienmitteilung.

Der jüngste Angriff eines Tigers im Zoo Zürich gibt Rätsel auf. Wie Samuel Furrer, Leiter der Fachstelle Wildtiere beim Schweizer Tierschutz, der „NZZ am Sonntag“ sagte, gibt es im Zoo Zürich bei Grosskatzen seit Jahrzehnten keinen direkten Kontakt mehr zwischen Pflegern und Tieren. Wenn sich ein Mensch ins Gehege begebe, sei der Tiger im Stall. Die Schleusen würden per Video überwacht. Warum sich am Samstag Tier und Pflegerin gleichzeitig im Gehege befunden hätten, sei unerklärlich. Dem Tiger könne kein Vorwurf gemacht werden. Er habe eine normale Reaktion gezeigt.

2 Kommentare

  1. Niederhauser Beat

    Zitat: Wer einen solchen Job macht muss mit sowas rechnen…Nein muss er nicht! Wenn alle Sicherheitsmassnahmen eingehalten werden passiert so was nicht. Ich habe Jahrelang mit Hochspannung gearbeitet ein Fehler und du bist tot. Darum ist es so wichtig die Sicherheitsregeln einzuhalten dann passiert auch nichts.

  2. Heidemarie Rittscher

    Sehr gut so das der Zoo das begriffen hat. Wer so einen Job macht muß mit so was rechnen.

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