Kunterbunt

USA: Jäger begegnen der Zombie Krankheit

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In den USA befällt eine Krankheit Gehirn und Rückenmark von Wildtieren. Auch in Europa wurden Fälle gemeldet. Tausende Wildtere sollen mit der Nervenkrankheit CWD (Chronic Wasting Desease) infiziert sein. CWD gehört zur selben Familie wie der Rinderwahnsinn. Diese Zombie Krankheit lässt die Elche, Hirsche und Rehe unkontrolliert wirken. Eine Heilung gibt es nicht, die Tiere sterben.

Die Berichte lesen sich dramatisch: „Zombie-Hirsche“ breiteten sich immer weiter in den USA aus, ihr zentrales Nervensystem zersetzt von einem abnormalen Protein. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Menschen betroffen seien. Der Erreger frisst Löcher in das Gehirn.

Warum der Vergleich mit Zombies? 

Weil die Symptome der Nervenkrankheit bei den Tieren an Untote erinnern. Im Endstadium sind sie abgemagert und wirken schwach. Sie verlieren die Scheu vor Menschen gänzlich, sabbern und sollen aggressiv werden.

Die Krankheit ist hoch ansteckend und wird über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Kot, Speichel, Blut oder Urin verbreitet. Derzeit in 24 US-amerikanischen Bundesstaaten, in Kanada, Norwegen, Finnland und Südkorea. Bei frei lebenden Tieren infizieren sich 10 Prozent aller Tiere, bei Zuchttieren auf engem Raum beträgt die Ansteckungsrate 79 Prozent.

CWD Ausbruch USA
Die Karte zeigt die Gebiete, in denen CWD bereits dokumentiert wurde. – Centers for Disease Control and Prevention

Die Krankheit befällt Gehirn, Rückenmark und andere Nervenzellen von Rotwild, Elchen und Rentieren und ist vergleichbar mit der Rinderkrankheit BSE und der Schafkrankheit Scrapie. Auslöser sind sogenannte Prionen, abnormale Eiweisse, die Nervenzellen angreifen und extrem widerstandsfähig gegen übliche Desinfektionsverfahren wie Erhitzen sind.

Aus mehreren Gründen sollten sich insbesondere Hobby-Jäger und Wildbret-Konsumenten vor der Krankheit in acht nehmen:

Einerseits sind Prionen-Erkrankungen sehr hartnäckig. Rinderwahn (auch BSE genannt) beispielsweise springt ebenfalls auf den Menschen über. Dort löst es die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aus, die immer tödlich endet.

CWD ist kein neues Phänomen. Erste Fälle wurden schon in den späten 1960er-Jahren im US-Bundesstaat Colorado dokumentiert, zunächst in gefangenen Populationen, ab 1981 auch bei Wildtieren. Von Colorado aus breitete sich die Krankheit in den 90er-Jahren nach Wyoming aus, seit 2000 kamen Gebiete im Mittleren Westen, Südwesten der USA und einzelne Areale an der US-Ostküste hinzu. Besonders viele Fälle melden die Bundesstaaten Nebraska, Colorado, Kansas, Wisconsin und Wyoming.

Den ersten Fall in Europa dokumentierte Norwegen im April 2016, danach wurden 11.000 Wildtiere getestet – bei zwei Rentieren und zwei Elchen wurden die Behörden fündig. Um das Problem einzugrenzen, gab Oslo eine ganze Rentierherde von rund 2200 Tieren zum Abschuss frei. In Finnland wurde im Februar 2018 ein toter Elch gefunden, der an CWD erkrankt war.

Jagen ist in den USA zudem ein grosses Geschäft, das laut Berichten 15 Milliarden Dollar jährlich in die Taschen von Waffenherstellern, Ausrüstern und den Tourismussektor ländlicher Kleinstädte spült. Rund 11.5 Millionen Amerikaner sind Hobby-Jäger.

Nur – wer will noch Wild essen, wenn er damit nebst den bekannten Krankheiten auch noch sein zentrales Nervensystem gefährdet?

Hobby-Jägern in betroffenen Gebieten wird jedenfalls seit Jahren empfohlen, erlegte Tiere vor Verzehr testen zu lassen. Für die Wildtierkiller wurde extra eine CWD-Info-Seite aufgeschaltet.

Man sieht es einem Wildtier nicht an, ob es an CWD befallen ist, auch wenn es die Krankheit schon Monate in sich trägt. Die Wildtiere greifen auch keine Menschen wie Zombies an, nach Ausbruch der Krankheit. Sie wirken eher orientierungslos und haben Koordinationsprobleme.

Laut einem Bericht in den NBC News wird geschätzt, dass jährlich bereits bis zu 15.000 Jägerfamilien in den USA CWD-infiziertes Fleisch essen. Der Bericht sagt, dass die Zahl aufgrund der Ausbreitung der Krankheit jährlich um bis zu 20 Prozent zunimmt!

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