Kunterbunt

Tradition ist keine Rechtfertigung für Tierquälerei

Am 17. September werden im Namen der „Tradition“ in München wieder Tiere missbraucht. Zum offiziellen Auftakt der Wiesn müssen Pferde, bei enormem Lärm und zwischen angetrunkenen, grölenden Menschenmassen schwere Gespanne hinter sich herziehen. Für die sensiblen Fluchttiere bedeutet dies eine extreme Stresssituation – was zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden kann. PETA fordert daher die Veranstaltenden und die Festwirte auf, dem Schutz der Pferde sowie der Besuchenden höchste Priorität einzuräumen und keine Pferde bei dem Umzug zu nutzen. Zudem appelliert die Tierrechtsorganisation an Oberbürgermeister Dieter Reiter, nicht am Einzug der Wiesn-Wirte teilzunehmen, sollten weiterhin Pferde eingesetzt werden.

Tradition oder sogenanntes Brauchtum sind keine Rechtfertigung für Tierquälerei. Pferde gehören auf grüne Wiesen und nicht auf die Wiesn. Sie in einer lauten und engen Innenstadt zu zwingen, schwere Gespanne zu ziehen, ist Tierquälerei. Werden die Fluchttiere dazu gezwungen, bei einem Umzug mitzulaufen, erhöht sich ihr Stresspegel kontinuierlich. Für die Pferde bedeutet dieser Dauerstress enormes Leid, was oft zu in einem ‚Durchgehen’ mit fatalen Folgen führt.

Peter Höffken, Fachreferent bei PETA

Jährlich ereignen sich zahlreiche Unfälle mit von Pferden gezogenen Kutschen. 2021 wurde bei insgesamt 35 Kutschunfällen in Deutschland ein Mensch getötet und mindestens 48 wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Darüber hinaus starben im Jahr 2021 vier Pferde, zehn weitere Tiere verletzten sich. Die mit Abstand häufigste Unfallursache war ein Erschrecken eines oder mehrerer Pferde.

Hintergrundinformationen:

Pferde bei Festveranstaltungen einzusetzen, ist nach PETAs Ansicht Missbrauch und hat nichts mit Brauchtum oder Tradition zu tun. Die sensiblen Lauftiere haben das Recht, frei von Druck und Zwang in einer Herde zu leben. Sie benötigen neben ausreichend Auslauf – vorzugsweise in einer Aktiv- oder Offenstallhaltung – auch gutes Essen und stets frisches Wasser, Pflege und medizinische Versorgung. Selbst bei trainierten Pferden kann bereits eine geringe Störung ihren Fluchtinstinkt auslösen. Bei ähnlichen Veranstaltungen kam es daher in den vergangenen Jahren wiederholt zu Unfällen, bei denen Menschen und Tiere zum Teil schwer verletzt wurden. Mehrfach wurden bei behördlichen Stichprobenkontrollen auf Karnevalsumzügen im Rheinland auch Beruhigungsmittel im Blut der Pferde festgestellt, obwohl die Verabreichung solcher Medikamente für solche Zwecke verboten ist.

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