Kunterbunt

St.Galler Regierung gegen zusätzliche Massnahmen für Rehkitze

Die St. Galler Regierung ist gegen eine Meldepflicht und zusätzliche Beiträge, mit denen Rehkitze vor dem Tod durch Mähmaschinen geschützt werden.

Zwei Gemeindepräsidenten im St. Galler Kantonsrat – Jörg Tanner (GLP) aus Sargans und Beat Tinner (FDP) aus Wartau – haben in einem im September eingereichten Vorstoss zusätzliche Anstrengungen gegen das Rehkitzsterben verlangt. 

Im Frühling ab dem Monat April beginnt die Zeit, in der jährlich Tausende von Rehkitzen, Junghasen, Wildkaninchen, Bodenbrüter usw. von den Bauern wund gemäht werden.

Wie viele Wildtiere es genau sind, weiss niemand genau, man kann aber davon ausgehen, dass es in der Schweiz laut der eidgenössischen Jagdstatistik jährlich mindestens 1500 Einheiten nur bei den Rehkitze sind.

Das sind bis zehn Prozent aller pro Jahr tot aufgefundener Rehe. Nach der Jagd und dem Tod auf der Strasse ist damit das Mähen die häufigste vermeidbare Todesursache. Ein rückläufiger Trend der Fälle ist – trotz Einsatz neuer Suchmethoden – noch nicht zu erkennen. Da längst nicht alle Tiere, die in die Messer eines Mähers geraten, sofort tot sind, sondern zum Teil nur mehr oder weniger schwer verletzt werden, handelt es sich beim Abmähen unter anderem auch um ein gravierendes Tierschutzproblem. Immer schnellere Landmaschinen und moderne Erntemethoden lassen unseren Wildtieren kaum eine Chance zum Überleben.

Hobby-Jäger aus der Stadt St. Gallen hätten berichtet, dass am ersten Tag, an dem das Mähen erlaubt war, allein im stadtnahen Jagdrevier vier Jungtiere «einen qualvollen Tod durch Vermähen» erlitten hätten. Aus angrenzenden Revieren seien zahlreiche weitere Fälle gemeldet worden. Vor dem Mähen würden nicht überall Vorkehrungen getroffen.

Es geht nicht nur um Wildtiere: Werden Rehkitze von landwirtschaftlichen Maschinen erfasst und getötet, könnten sich Nutztiere später durch das mit Kadavern verunreinigte Gras mit dem Botulismus-Erreger anstecken, heisst es weiter. Die beiden Kantonsräte verweisen auf den Kanton Thurgau. Dort seien 2016 in zwei Fällen 68 Milchkühe und 200 Schafe verendet.

Im Vorstoss fordern sie eine Meldepflicht für Wildtiere, die durch landwirtschaftliche Maschinen verletzt werden. Weiter fragen sie nach, ob finanzielle Beiträge für den Einsatz von Drohnen ausgerichtet werden oder ob Jagdgesellschaften für Präventionsmassnahmen finanziell unterstützt werden könnten.

Im Interesse der Landwirte  

Die Regierung hat dafür kein Gehör: Es liege im Interesse der Landwirtschaft, dass keine Rehe dem Mähen zum Opfer fielen, da dies die Futterqualität und dem Image schade. Deshalb sei davon auszugehen, dass die Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jagdgesellschaft für die Rettung von Rehen vor dem Mähen «grossmehrheitlich funktioniert». Zusätzliche Vorschriften und Sanktionen würden aus diesem Grund «als nicht notwendig» erachtet.

Die Rehkitzrettung sei keine übergeordnete kantonale Aufgabe, es gebe deshalb auch keine gesetzliche Grundlage, um dazu Beiträge an Jagdgesellschaften auszurichten, führt die Regierung aus.

Interessen-Gemeinschaft

Wild beim Wild


Die IG Wild beim Wild ist eine gemeinnützige Interessen-Gemeinschaft, die sich für die nachhaltige und gewaltfreie Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung einsetzt, wobei die IG sich auch auf die rechtlichen Aspekte des Wildtierschutzes spezialisiert hat. Eines unser Hauptanliegen ist, in der Kulturlandschaft ein zeitgemässes und seriöses Wildtiermanagement nach dem Vorbild vom Kanton Genf einzuführen – ohne Hobby-Jäger aber mit integren Wildhütern. Das Gewaltmonopol gehört in die Hände des Staates und nicht an Hobby-Jäger-Banden delegiert.