Kunterbunt

Laut Twitter ist Stierkampf ein „sadistisches Vergnügen“

Das soziale Netzwerk sieht in mehreren Videos von einem Stierkampf, der am letzten Samstag in Spanien stattfand, einen Verstoss gegen seine Regeln.

Twitter hat vorübergehend einen Account gesperrt, der Videos des Stierkämpfers Morante de la Puebla verbreitet hat.

Konkret ging es um den Stierkampf vom 17.7.2021 in Algeciras in Spanien, den die Plattform mit der Begründung sperrte, die Videos fördere „sadistisches Vergnügen„.

Der rechtsextreme José Antonio Morante, 41, dessen künstlerischer Name Morante de la Puebla aus dem Namen des Dorfes La Puebla del Rio in der Nähe von Sevilla stammt, wo er geboren wurde, ist als traditioneller Stierkämpfer der Sevillaner Schule bekannt. Er ist zweimal verheiratet und für seine Liebe zum Zigarrenrauchen bekannt.

Obwohl zunächst berichtet wurde, dass das Konto (@Moranteinfo) Morante selbst gehörte, gehört es in Wahrheit einem Anhänger von ihm, der für die Veröffentlichung von Informationen über sein tägliches Leben und die Stierkämpfe, in denen er auftritt, verantwortlich ist.

Der Anhänger hat diese Aktion auf Twitter mit einer Nachricht verurteilt, die besagt, dass „Freiheit in diesem Land nicht existiert. Genug ist genug“ und hat auch einen Screenshot mit den Gründen hochgeladen, warum Twitter seinen offiziellen Account vorübergehend gesperrt hat.

Laut Twitter entsprechen diese Veröffentlichungen nicht den Regeln, insbesondere derjenigen, die die Veröffentlichung von Multimedia-Inhalten verbietet, die „grundlose blutige Szenen“ zeigen.

Sie dürfen keine übermässig grafischen Multimediainhalte (z. B. schwere Verletzungen, Folter…) teilen. Der Anblick blutiger Szenen kann schädlich sein, insbesondere wenn der Inhalt mit der Absicht gepostet wird, Freude an Grausamkeiten oder sadistisches Vergnügen zu provozieren„, so Twitter.

Twitter schliesst sich damit anderen Plattformen und sozialen Netzwerken wie Youtube, Vimeo und Facebook an, die solche von ihren Nutzern hochgeladenen Inhalte ebenfalls einschränken und entfernen.

Wir sehen dies als einen sehr positiven Schritt von Twitter. Viele Leute sehen diese Art von Bilder in den sozialen Medien und beschweren sich. Jetzt hat Twitter gehandelt“, sagte Aida Gascon, Direktorin der NGO Animanaturalis, die sich für Tierrechte einsetzt.

Der Stierkampfsektor ist am Boden zerstört

Spanier haben eine gemischte Einstellung zum Stierkampf, manche betrachten ihn als Kunstform, andere als eine Form der Grausamkeit. Eigentlich müssten die Stierkämpfer wegen Tiermissbrauch im Gefängnis sitzen, finden die Letzteren.

Jedes Jahr sterben fast 10’000 Stiere, nachdem sie in Stierkampfarenen gequält wurden, und Tausende weitere werden in Dörfern in ganz Spanien schikaniert und misshandelt.

Dieses Jahr wurden wegen Corona im Frühling wieder mehr als 200 Stierkämpfe abgesagt. Der Stierkampfsektor, der sich bewusst ist, dass der Coronavirus ein harter Schlag sein wird, hat begonnen die Regierung um die wirtschaftliche Rettung des Stierkampfes zu bitten. Die Stierkampfbetriebe stehen offenbar am Rande des Bankrotts.

1 Kommentar

  1. Ulrich Dittmann

    Ja, was soll Stiere abmetzeln (ein „Kampf“ ist das nicht) anderes sein als ´sadistisches Vergnügen´?!

    Fakt: Beim Stier”kampf” handelt es sich nicht um einen chancengleichen “Kampf” – sondern es ist ein feiges, barbarisches, vorsätzliches zu Tode quälen von Mitgeschöpfen, ein Relikt aus dem Zeitalter sadistischer Gladiatoren- und Tierkämpfe. Man ergötzt sich an den Ängsten und Qualen der sich im Staub vor Schmerzen windenden Kreatur – an in Strömen fließendem Blut, herausquellenden und platzenden Därmen bei den Pferden, die hier auch zum Einsatz kommen. Das ist keine “Tradition“ und keinesfalls “Kulturgut”, sondern bewußte, lebensverachtende, widerliche Tierquälerei.

    1567 erließ der heilig gesprochene Papst Pius V. eine Bulle, gerichtet an alle christlichen, geistlichen, weltlichen, kaiserlichen Fürsten, Städte und Gemeinden mit dem Verbot des Stierkampfes – bei Nichtbefolgen hat Ausschluss aus der Kirche für ewige Zeiten zu erfolgen.
    Napoleons Bruder Josef erlaubte während seiner kurzen Amtszeit als König von Spanien 1801 – 13 das Massaker dann wieder. Die Katholische Kirche ihrerseits „vergaß“ danach das Verbot.“

    Befürworter dieser vorsätzlichen Tierschinderei trampeln auf den Geboten „heiliger“ Papstworte herum – und sind letztlich zu exkommunizieren. Nochmals – öffentliche Tierquälerei wie “Stierkampf” ist keine “Kultur” sondern ein Panoptikum des Grauens, ein ekelerregendes gotteslästerliches Schmierentheater.
    „Stierkampf“ in Spanien und anderswo – ein Schandfleck für jedes Land, indem es geduldet wird.
    Ulrich Dittmann /25.07.2021

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