Kunterbunt

Korsika: Ferientipp für Tierfreunde

Vielleicht ist die ausgeprägte Freiheitsliebe der Korsen der Grund dafür, dass auch die Tiere auf der Insel frei herumlaufen dürfen. Wer selbst nicht kontrolliert und gegängelt werden möchte, lässt auch seinen Mitgeschöpfen ihren Freiraum.
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Wohin reist ein Tierschützer, wenn er Urlaub vom Tierelend und dem Pandemiestress machen möchte? Die Strände am Atlantik und Mittelmeer sind noch tabu. Bald sollten aber Ferien in Frankreich und somit auch auf Korsika möglich sein.

Seit die Menschen weitestgehend auf ihre eigenen vier Wände beschränkt sind, erobert sich die Natur Stück für Stück an Territorium zurück: Das Wasser in der Lagunenstadt Venedig sieht jetzt klarer aus, weil es weniger Verkehr auf den Kanälen gibt – und die Fische kehren zurück. In den Häfen von Sardinien tummeln sich Delfine.

In diesem Frühjahr müssen sich auch die Kühe die Strände von Korsika noch mit niemandem teilen. Denn auf der Mittelmeerinsel Korsika herrscht wie überall in Frankreich noch ein Shutdown, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Ab 15. Juni sollten jedoch die Grenzen voraussichtlich wieder geöffnet werden.

Korsika ähnelt vom Umriss her einer geballten Faust mit erhobenem Daumen. Die zumindest im Landesinneren mit 5 Einwohnern pro km2 sehr dünn besiedelte, französische Insel besteht zum Grossteil aus Hochgebirge. Eine imposante Gebirgslandschaft mit insgesamt 50 Zweitausendern durchzieht diesen Minikontinent von Nordwest nach Südost und geht zum Meer hin in Hügelland über. Die Küste Korsikas besteht aus zahllosen Buchten mit Sandstrand oder hohen, teilweise steil ins Meer abfallenden Granitformationen.

Das Mufflon ist das Symboltier Korsikas und ist wegen der Bejagung nur noch selten aufzufinden. Die Tiere wurden bis 1953 gejagt und somit fast komplett ausgerottet. Die Jagd auf das Mufflon ist heute verboten. Es handelt sich hierbei um ein Urschaf, welches sich weder durch Züchtung noch durch Kreuzung abgewandelt hat.

Neben der Flora ist die wildlebende Tierwelt Korsikas sehr beeindruckend. So leben auf der Insel zwar recht wenige Säugetierarten, darunter jedoch wieder etwa 800 der streng geschützten Mufflon- Wildschafe. Der aufmerksame Wanderer kann sich über zahlreiche Eidechsen, Feuersalamander, Geckos, Gottesanbeterinnen, Zorn- und Ringelnattern freuen. Und wer besonders viel Glück hat, begegnet in der Küstenregion sogar einer griechischen Landschildkröte. Nach Heuschrecken, laut zirpenden Zikaden, Hummeln und Schmetterlingen muss man nicht lange suchen. Sie begleiten einen auf Schritt und Tritt. In der artenreichen Macchia finden auch die zahlreichen Bienenvölker der Korsen ganzjährig Nahrung. Dieser Wildblütenhonig schmeckt unglaublich lecker. Auch die Vogelwelt der Insel bietet neben gängigen mitteleuropäischen Arten einige Besonderheiten wie Fischadler und Bartgeier. Wer mit der Fähre nach Korsika übersetzt, kann Delphine oder sogar einen Finnwal im Wasser beobachten.

Neben den geschilderten Reizen bietet Korsika jedoch vor allem eins: keine geschundenen Tiere, schreibt Ursula Bauer von aktion Tier. So gibt es auf der Insel beispielsweise keine Massentierhaltung. Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist meist kleinbäuerlich. So wuseln um verstreute Höfe Schweine, Esel, Pferde, Enten, Hühner und Gänse durcheinander. Hofhunde liegen nicht an der Kette, sondern wo immer sie wollen. Und das am liebsten in der Einfahrt, von der Sonne beschienen.

Jeder Landbesitzer musste früher pro Jahr 4 Bäume anpflanzen

Charakteristisch für Korsika sind die freilaufenden, oft halbverwilderten Hausschweine, die sich vorrangig von den zahlreich auf der Insel zu findenden Eicheln, Bucheckern und vor allem Kastanien ernähren. Früher war die Edel- oder Esskastanie eine wichtige Nahrungsquelle der Korsen. Die Kastanien wurden zu Mehl verarbeitet und an das Vieh verfüttert. Als Massnahme gegen die drohende Entwaldung Korsikas verfügten die Genueser im 16. Jahrhundert, dass jeder Landbesitzer pro Jahr mindestens 4 Bäume anpflanzen musste. Obwohl mehrere Baumarten zur Auswahl standen, pflanzten die Korsen hauptsächlich Esskastanien. Neben kleineren Wäldern und verstreuten Beständen existiert noch heute ein riesiger Kastanienwald in der hügeligen Gegend zwischen Aleria und Bastia im Osten Korsikas – die sogenannte Castaniccia (Kastanienhain). Es lohnt sich, die verschiedenen Produkte mit Esskastanien wie Marmelade, Backwaren oder Bier zu kosten, die es auf der Insel zu kaufen gibt.

Etwa 30.000 halbwilde Hausschweine, die sich häufig mit den ebenfalls vorkommenden Wildschweinen vermischen, sollen auf der Insel leben. Ganze Schweinerotten können einem am Strand oder mitten auf der Strasse begegnen. Völlig entspannt kommen die neugierigen Tiere näher und erweisen sich mitunter sogar als richtig aufdringliche Bettler. Hier ist auf jeden Fall Vorsicht angebracht. Die am Touristenproviant interessierten Burschen können schmerzhaft zubeissen und sollten daher nie gefüttert oder gestreichelt werden.

Vor allem im hügeligen Hinterland Korsikas finden sich gartenähnliche Haine aus Orangen-, Zitronen-, Mandel- und Olivenbäumen, die sich mit kleinen Weinbergen abwechseln. Hier werden Schafe und Ziegen meist in alter Tradition von Hirten geführt. Häufig wandern die Herden im Sommer in die höhergelegenen Bergregionen, wo die Hirten kleine Steinhütten (sogenannte Bergerien) errichtet haben, in denen sie nicht nur leben, sondern auch die Schafs- und Ziegenmilch zu Käse verarbeiten. Zum Tragen der Vorräte und persönlichen Gegenstände nehmen die Hirten meistens Esel mit. Auch diese dürfen dann nach Belieben herumstromern und den Sommer in den Bergen geniessen.

Freilaufenden Rindern begegnet man ebenfalls häufig auf Korsika. Am Strand teilen sich Touristenhorde und Rinderherde einvernehmlich die schönsten Liegeplätze in der Sonne. Und in den bergigen Regionen muss man damit rechnen, dass hinter der nächsten Kurve eine Kuh mit ihrem Kalb am Strassenrand grast. Die Tiere sind an den nur mässigen Autoverkehr gewöhnt und lassen sich nicht stören. Sehr selten kommt es zu Unfällen, da die Autofahrer in der Regel rücksichtsvoll sind und um die zum Teil mitten auf der Strasse liegenden Tiere herumfahren. Sogar beim Klettern in den alpinen Bergregionen trifft man regelmässig auf Rinder, die in schwindelnder Höhe Felsenkräuter abweiden. Das Interesse an Menschen ist aber insgesamt eher mässig, man bleibt lieber auf Distanz und jeder geht seiner Wege.

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