Kunterbunt

Julia Klöckner ruft wegen „Mäuseplage“ zum Gifteinsatz auf

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Jeder Fuchs zählt: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärt Feldmäuse in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen einem Medienbericht zufolge zu einer regelrechten „Plage“. Die Lösung sieht Klöckner in der Erweiterung des Spielraums der Bundesländer zur Bekämpfung von Mäusen.

Eine Notfallzulassung für Rodentizide wird bereits diskutiert; eine „chemische Mäusebekämpfung“ sei „existenziell“. PETA kritisiert die geplanten Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von Giftködern scharf und forderte die Landwirtschaftsministerien in Erfurt, Magdeburg und Hannover Anfang dieser Woche in einem Schreiben auf, Klöckners Vorschlag zu ignorieren und stattdessen die Fuchsjagd in ihrem Bundesland als zielführendste Massnahme zu stoppen: Untersuchungen zufolge ernährt sich jeder Fuchs von rund 3.000 bis 5.000 Mäusen pro Jahr.

Hobbyjäger hingegen verfolgen die nützlichen Tiere gnadenlos, weil sie sie als lebende Zielscheiben oder als Konkurrenten betrachten. Allein in Thüringen haben Jäger im Jagdjahr 2018/2019 mehr als 13.000 Füchse umgebracht. In Sachsen-Anhalt lag die Zahl der getöteten Füchse bei über 16.000, während in Niedersachsen sogar mehr als 50.000 Füchse ihr Leben durch die Hobbyjagd verloren. 

PETA appelliert an das Bundeslandwirtschaftsministerium und die zuständigen Landesministerien, den ökologischen Wahnsinn zu stoppen, die natürlichen Gegenspieler von Mäusen zu fördern und kein Gift in die Natur einzubringen.

„Es ist aus ökologischer und ethischer Sicht inakzeptabel, dass durch die sinnlosen Fuchstötungen jedes Jahr Zehntausende der natürlichen Gegenspieler der Mäuse getötet werden und gleichzeitig tonnenweise Giftköder auf den Äckern ausgebracht werden sollen. Daher appellieren wir an die Agrarminister der Länder Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, den Vorschlag der Bundeslandwirtschaftsministerin zu ignorieren und stattdessen die Fuchsjagd sofort zu stoppen und die Umwelt zu schützen“.

Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. 

Zwar können aus populationsbiologischer Sicht Füchse und Greifvögel nicht allein eine grosse Mäusepopulation im Zaum halten. Mehrere forstliche Forschungsanstalten betonen jedoch, dass durch die Schonung von Füchsen und anderen Beutegreifern eine zu hohe Vermehrung von Mäusen im Wald verzögert oder verhindert werden kann.

Im Zeitraum von 2015 bis 2018 wurden in Deutschland nach Angaben des Umweltbundesamtes jährlich circa zwischen Hundert und mehreren Hundert Tonnen sogenannter Rodentizide (chemische Gifte) in der Landwirtschaft eingesetzt. Derzeit sind etwa zehn verschiedene Giftstoffe zugelassen. Insbesondere in Thüringen ist zudem der Feldhamster massiv gefährdet, ein Gifteinsatz wäre daher rein artenschutzrechtlich gesehen völlig unverantwortlich.

Bundesweit töten Hobbyjäger jährlich über 400.000 Füchse. Jäger stellen ihnen mit Fallen, Gewehren und der Baujagd nach. Häufig flüchten angeschossene Tiere mit offenen Wunden oder sterben in den Fallen langsam und qualvoll. Dabei ernähren sich Füchse nicht nur von den bei Landwirten unbeliebten Mäusen, sondern sichern auch ihren Beutearten das Überleben, indem sie schwache und kranke Tiere erbeuten und Krankheitsherde somit sofort eliminieren. Meist führen Jagdverbände an, dass Füchse die Bestände bestimmter Niederwildarten wie Rebhuhn oder Hasen bedrohen. Experten sind sich jedoch einig, dass die drastischen Populationsrückgänge betroffener Arten der industrialisierten Landwirtschaft und dem damit einhergehenden Lebensraumverlust zuzuschreiben sind. Hinzu kommt, dass Jäger in Deutschland selbst jedes Jahr etwa 190.000 Feldhasen töten.

In Luxemburg ist die Fuchsjagd bereits seit April 2015 verboten. PETA fordert auch für Deutschland ein flächendeckendes Verbot der Fuchsjagd und hat eine entsprechende Petition gestartet. Denn weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht besteht ein Grund für die Bejagung der Tiere.

Jäger hängen Füchsen bewusst ein schlechtes Image an, um ihrem blutigen Hobby weiter nachgehen zu können“, so Michler. Die zum Teil noch immer geäusserten Bedenken gegenüber den Beutegreifern beruhen auf längst widerlegten Annahmen. Deutschland ist seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut und der Fuchsbandwurm zählt zu den seltensten Parasitosen Europas. Die Fuchsjagd hat zudem keinerlei regulierende oder reduzierende Auswirkungen auf die Population, weil Verluste rasch durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten ausgeglichen werden. Fuchspopulationen regulieren sich aufgrund von Sozialgefügen sowie Nahrungsverfügbarkeit und Krankheiten selbst.

4 Kommentare

  1. Wieso setzt man nicht auf „natürliche Feinde der Mäuse“ ?
    Man muss doch nur Eulen ansiedeln, Lebensraum dafür schaffen und auch Füchsen einen Lebensraum dort gewähren.
    Die Mäuseplage kommt doch nicht von ungefähr.
    Ach, Verzeihung, ich hatte für einen kurzen Moment vergessen, dass alle Politiker ja nur Handelsvertreter sind und ausnahmslos die Interessen der Industrie, in dem Fall der Chemieindustrie vertreten.
    Eulen und Füchse ansiedeln kostet Geld. Gift einsetzen kostet auch Geld. Aber das Geld fließt zu den Chemie-Konzernen,
    das ist natürlich lukrativer. Und auch eine Klöckner ist nur eine von uns hoch bezahlte und von der Industrie gekaufte Sprechpuppe, sonst würde sie auf andere Ideen kommen, als sofort die Giftkeule herauszuholen.

  2. Diee Frau ist das Latzte…Die Wähler haben *den Bock zum Gärtner* gemacht.
    Aber liebe Redaktion, ich vermisse das Datum dieses Beitrags…aus 2018 oder 2020?

  3. Nicol Kiesel

    Dieser Irrsinn und Inkompetenz sowie abscheuliche Tierquälerei muss endlich aufhören.

  4. Stefan Krissel

    Die Klöckner sollte wirklich wegen massiver Gehirnerweichung mit Blaulicht und Martinshorn in die Geschlossene gebracht werden. Kurz zuvor gibt sie die Wölfe zum Abschuss frei. Jäger Knallen die Füchse, Katzen und Greifvögel ab. Und dann kommt die mit Gift, die hat wirklich nicht alle am Sträußchen.

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