Kunterbunt

Jäger richten fürchterliches Massaker unter Wölfen an

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Genau drei Tage brauchten schiesswütige Jäger im US Staat Wisconsin, um rund 20 Prozent der Wolfspopulation hinweg zu metzeln. 

216 Tiere fielen dem Blutbad zum Opfer, das Ende Februar stattfand. Fachleute schätzen, dass es vor der Jagd zwischen 1.000 und 1.200 Wölfe in Wisconsin gab.

Grund für die Erlaubnis für die auf drei Tage beschränkte Jagd war letztlich ein Versehen der Aufsichtsbehörde Wisconsin Department of Natural Resources (DNR).  Wisconsin ist der einzige US Staat, in dem die Regulierung des Wolfsbestandes normalerweise durch Beamte der Behörde vorgenommen wird – dabei wird alljährlich eine Abschussquote festgelegt, die sich an Massgaben zur Nachhaltigkeit und dem Schutz des Wolfsbestandes orientiert. Daten, die von der Behörde und wissenschaftlichen Institutionen wie Universitäten erhoben werden, fliessen in die Entscheidung über die Höhe der Abschussquote ein. Auch Beobachtungen über die Entwicklungen von Rudeln spielen dabei eine Rolle. Abgeschossen werden in der Regel nur sehr alte oder kranke Tiere beziehungsweise einige wenige Problem-Exemplare, die durch Nutztier-Risse auffielen – selten überstieg die Quote die Zahl 100.

Seitdem die Trump Administration allerdings im vergangenen Jahr zahlreiche Schutzbestimmungen für Wölfe abschaffte, haben Jäger-Lobbygruppen und einige republikanische Abgeordnete eine offene Wolfsjagd gefordert. Der Bundesstaat Wisconsin wollte eine solche auch abhalten, allerdings erst im Herbst und nicht im Frühjahr – da man noch auf neue Daten zur Populationsentwicklung wartete und diese dann in die Bestimmung der Abschussquote einbauen wollte. Doch dann wurde die Aufsichtsbehörde von einer Klage überrumpelt, die von der mächtigen Jagd-Lobbyvereinigung „Hunter Nation Incorporated“ aus dem knapp 1.000 Kilometer entfernt liegenden Bundesstaat Kansas eingereicht wurde. Das Gericht wies die Aufsichtsbehörde gemäss der von Trump ausgelösten Gesetzesänderung an unverzüglich eine Jagd zu gestatten und Anträge auf Jagderlaubnisse zuzulassen.

Der Aufsichtsbehörde blieb nichts anderes übrig als der gerichtlichen Anordnung Folge zu leisten – man hatte die Rechtslage einfach nicht rechtzeitig erkannt und damit wertvolle Zeit verloren, um etwa Kontrollmechanismen zu entwickeln. Mehr als 2.000 Anträge auf eine Jagderlaubnis gingen ein, und fast alle mussten quasi über Nacht, ohne sorgfältige Prüfung, genehmigt werden. Zwar versuchte die Behörde das Schlimmste zu verhindern, indem sie im allerletzten Moment eine Maximal-Abschussquote von 119 Tieren festsetzte – aber da waren die Jäger schon im Wald und ballerten fleißig drauf los. Sie erlegten dabei keineswegs nur alte oder kranke Tiere beziehungsweise Problem-Exemplare, sondern alle Wölfe, die ihnen vor die Flinte kamen, darunter auch zahlreiche Jungtiere.

Die Entscheidung und die Jagdstrecke lösten weitreichendes Entsetzen und Empörung aus. Peter Davis, ein Biologe Great Lakes Indian Fish and Wildlife Commission: „Die hohe Zahl der Jäger, die mit ihren Hunden unterwegs waren, haben diese Übersteigerung der Quote bewirkt – es blieb überhaupt keine Zeit mehr hier wirksame Kontrollen durchzuführen.“ Dr. Adrian Treves, Professor für Environmental Studies an der Universität Wisconsin in Madison und Gründer des Carnivore Coexistence Lab, hält die Jagd für vollkommen unverantwortlich: „Gerade Ende Februar, Anfang März sorgen viele Wolfsrudel für Nachwuchs. Da sind jetzt ohne Sinn und Verstand zeugungsfähige Rüden und trächtige Wölfinnen abgeschossen worden, das wird verheerende Folgen für die Wolfsfamilien und Populations-Entwicklungen haben.“

Auch unter den in der Region beheimateten Indigenen Völkern herrschen Wut und Trauer. Marvin Defoe, führendes Mitglied des Red Cliff Stammes, sagte in einem Radio Interview des Senders WORT: „Es hat sich erwiesen, dass es so nicht weiter gehen kann. Wir müssen dringend dafür sorgen, dass die Schutzbestimmungen für Wölfe, so wie wir sie hatten, wieder in Kraft gesetzt werden.

Schon werden Rufe in anderen US Bundesstaaten mit republikanischen Wählermehrheiten laut, ähnliche Jagden wie in Wisconsin abzuhalten, besonders in Idaho und Montana. Aber auch in Staaten, die zuletzt mehrheitlich demokratisch wählten, haben republikanische Abgeordnete offene Jagden gefordert, so zum Beispiel in Michigan oder in Minnesota.

Zahlreiche Umweltschutzverbände der USA, darunter der mächtige Sierra Club, fordern nun Präsident Biden auf den Wolf per Bundesgesetz wieder auf die Liste der besonders zu schützenden Tiere zu setzen und der Schiesswut ein Ende zu bereiten. Ganz offenbar finden diese Rufe in Washington Gehör, denn Biden hat bereits am 20. Januar eine Executive Order unterschrieben, in der die zuständigen Bundesbehörden der USA, hauptsächlich der US Fish and Wildlife Service, angewiesen werden die von Trump verfügte Abschaffung der Schutzbestimmungen zu überprüfen.  Darüber hinaus haben Umweltschutzverbände mehrere Klagen bei den zuständigen Bundesgerichten eingereicht, die die Unrechtmässigkeit des Handelns der Trump-Administration belegen sollen.

Doch die Mühlen der Gesetze malen langsam, die Überprüfungen der Behörden können dauern. Ein anderer mächtiger Umweltschutzverband ist der Center for Biological Diversity, der die Klagen mitunterschrieben hat. Collette Atkins ist dort die Direktorin für den Schutz von Säugetieren und gelernte Anwältin. Für sie stellt sich die Situation sehr bedrohlich dar: „Die Trump-Administration hat den Endangered Species Act darauf reduziert, bedrohten Tierarten gerade mal das Überleben zu gewährleisten. Aber das ist nicht das, was der Sinn des Endangered Species Act ist – sondern da steht ausdrücklich der Begriff der Wiederherstellung als Leitgedanke, und gemeint ist damit die Wiederherstellung von Biotopen und Lebensformen. In den letzten Jahren vor der Trump Regierung hatten wir zufriedenstellende Wachstumsraten von etwa 10% bei den Wölfen. Wenn wir jetzt überall zulassen, was in Wisconsin passiert ist, wirft uns das um 40 Jahre zurück. Da werden wir ganz sicher nicht tatenlos zuschauen.

Bleibt zu hoffen, dass Präsident Biden mit einer klaren Politik für den Artenschutz die Richtlinien möglichst zügig absteckt und so weitere Massaker wie in Wisconsin verhindert.  

1 Kommentar

  1. Biden entscheidet gar nichts. Und wenn was überhaupt dann das Falsche. Absolut keine Verbesserung zu Trump Zeiten

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