Kunterbunt

Insekten statt Soja

Das Larvenmehl war bisher von der EU gesetzlich nur als Futter für Heimtiere wie Katzen und als Fischfutter zugelassen, aber nicht für Hühner und Schweine, dem weitaus grösseren Markt.
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Am 17. August 2021 hat die Europäische Kommission die Entscheidung getroffen, die Verordnung über das Verbot von Futtermitteln zu ändern und Insektenprotein in Schweine- und Geflügelfutter zuzulassen.

Während die Europäische Kommission dies als einen Schritt „auf unserem Weg zu einer nachhaltigeren Futtermittelkette“ ankündigte, ist die Eurogroup for Animals der Meinung, dass diese Entscheidung zu falschen Lösungen führen und von der dringenden Notwendigkeit ablenken könnte, nachhaltige Lebensmittelsysteme zu schaffen.

Die „Farm to Fork„-Strategie erkennt die dringende Notwendigkeit einer Umstellung der europäischen Ernährung auf mehr pflanzliche Lebensmittel an, betont aber auch die Rolle eines verbesserten Tierschutzes in einem nachhaltigen Lebensmittelsystem.

Die Tierschützer warnen davor, dass die Zulassung von Insektenproteinen als Futtermittel den Absichten der Farm-to-Fork-Strategie zuwiderlaufen würde, da der Status quo der Massentierhaltung erhalten bliebe, anstatt eine Ernährungsumstellung hin zu mehr pflanzlichen Lebensmitteln in Kombination mit einem besseren Tierschutz und nachhaltigen landwirtschaftlichen Systemen zu erreichen. Abgesehen von der Beibehaltung des Status quo der Intensivtierhaltung werden in der wissenschaftlichen Literatur Bedenken hinsichtlich der Umweltauswirkungen, der Risiken für das One-Health-Konzept und des mangelnden Wissens über das Wohlergehen von Insekten geäussert.

Wir sind zutiefst besorgt darüber, dass Insektenproteine als nachhaltige Lösung für die Tierernährung angekündigt werden. Der Ersatz von Soja durch Insekten, die in grossem Massstab industriell hergestellt werden, um Schweine und Geflügel in Massentierhaltung zu füttern, ist nicht der richtige Weg, um nachhaltige Lebensmittelsysteme zu schaffen. Wir müssen dringend auf eine Ernährungsumstellung hinarbeiten, mit mehr pflanzlicher Kost und Systemen mit weniger Tieren, die einen besseren Tierschutz ermöglichen. Leider dient die Entscheidung, die Verwendung von Insektenproteinen für Schweine- und Geflügelfutter zuzulassen, eher dazu, die intensive Tierproduktion in der EU zu stützen, als den Übergang zu einem wirklich nachhaltigen Lebensmittelsystem zu unterstützen.

Reineke Hameleers, Geschäftsführerin der Eurogroup for Animals

Die Zulassung von Insektenprotein zur Verfütterung an Nichtwiederkäuer trägt nicht zur Erreichung des anerkannten Ziels einer Ernährungsumstellung auf pflanzliche Kost bei, wie es in der Strategie „Vom Bauernhof bis zum Teller“ und im europäischen Plan zur Krebsbekämpfung dargelegt ist. Aus den oben genannten Gründen empfiehlen die Sachverständigen der Europäischen Kommission, keine aus Insekten gewonnenen Proteine für Futtermittel für Nichtwiederkäuer zuzulassen.

Mehlwürmer in der Lebensmittelindustrie

Die getrocknete Larve des Mehlkäfers Tenebrio molitor wurde im Mai 2021 als erstes Insekt in der EU als Lebensmittel zugelassen.

Insekten zum menschlichen Verzehr im Supermarktregal

Die getrocknete Larve des Mehlwurms darf als ganzer Snack oder gemahlen verkauft werden. Als Pulverbeimischung beispielsweise in Nudeln oder Keksen ist ein Anteil von bis zu zehn Prozent erlaubt. Die Zulassung gilt zunächst nur für das antragsstellende französische Unternehmen, das die Larven nun fünf Jahre lang alleine verkaufen kann. Danach dürfen auch Wettbewerber bei der Vermarktung des Wurms mitmischen.Und wer weiss, vielleicht gibt es bei McDonald’s bald auch mal einen Mc Insect.

Der Einbau von Mehlwürmern in die Lebensmittelindustrie hat mit der Suche nach alternativen Proteinquellen zu tun, die sich dank der Herstellung von weniger umweltschädlichem Gemüsefleisch seit einiger Zeit als globaler Trend entwickelt und gesünder als traditionelles Rind- oder Schweinefleisch ist.

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