Kunterbunt

Hühnerköpfe besiegten die Tollwut

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Nicht nur der Zweite Weltkrieg begann in Europa. Ein weiteres beunruhigendes Ereignis, das bis in die Moderne andauerte, war die Tollwutepidemie. Die Krankheit wurde von Rotfüchsen übertragen und breitete sich auf Haustiere aus. Tollwut ist fast immer tödlich, auch für Menschen (sofern kein Impfstoff bereitgestellt wird).

Als die Krankheit 1967 die Schweiz erreichte, wurden mehrere Lösungen ausprobiert und die meisten scheiterten. Hobby-Jäger versuchten, die Füchse zu erschiessen, zu fangen oder zu vergiften, aber es stellte sich als unwirksam heraus. Die Jagd hatte dabei komplett versagt und war sogar kontraproduktiv. Das Gleiche wird auch beim Fuchsbandwurm, Räude, usw. vermutet. Bejagung fördert Wanderbewegungen in Fuchspopulationen, wodurch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Erkrankung steigt. Es wurden Versuche unternommen, die Wildtiere zu fangen und zu impfen, bevor sie wieder in freier Wildbahn freigelassen wurden. Die Kosten und der Umfang des Unterfangens erwiesen sich jedoch als unwirtschaftlich.

Tollwut ist eine Viruserkrankung der Säuger mit Verhaltensveränderungen, Muskelkrämpfen und Lähmungserscheinungen. Die Krankheit verläuft tödlich. Sie ist auf den Menschen übertragbar und ist somit eine Zoonose. Alle Säugetiere können an Tollwut erkranken. Fleischfresser sind jedoch öfters betroffen. Fledermäuse können Träger der Fledermaustollwut sein. Sehr selten erkranken Vögel an Tollwut.

Das Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz hat letztmals im August 2017 darüber informiert, dass bei einer kranken Fledermaus das Tollwut-Virus nachgewiesen wurde. Ein Spaziergänger hatte das Tier im Kanton Neuenburg eingesammelt und wurde dabei gebissen.

In den USA entstand eine neue Idee: die Vac-Falle. Es war ein federbelasteter Mechanismus mit versteckter Spritze, die das Wildtier stupsen sollte, wenn es auf einen Fusspolsterabzug trat. So etwas wie eine Landmine, aber mit Spritzen gefüllt mit Impfstoffen. Es hat funktioniert, war aber eine Bedrohung für den Menschen. Wildnisliebhaber wurden manchmal auch mit Vac-Trap behandelt.

Hühnerköpfe aus der Luft gegen die Tollwut

Viele Versuche mit impfstoffbeladenen essbaren Ködern waren erfolglos: Eier, Hundekuchen, frittiertes Maismehl mit Milch, Würstchen. Füchse mochten die Eier so sehr, dass sie sie für später aufbewahrten, währenddessen der Impfstoff seine Wirkung verlor. Ein Köder erwies sich als perfekt: Hühnerköpfe. Niemand weiss, wie Wissenschaftler diese Idee entwickelt haben, aber bald regnete es Hühnerköpfe über Schweizer Wäldern. Der Projektleiter war Franz Steck von der Vetsuisse-Fakultät Universität Bern. Sein Programm war ein Erfolg. Von 1979 bis 1984 verteilte das Team rund 52.000 Köder, und wo immer die Hühnerköpfe landeten, verschwand die Tollwut. Und Steck leider auch – er wurde 1982 getötet, als sein Hubschrauber in einem abgelegenen Gebiet beim Abwurf von Ködern abstürzte. In zugänglichen Gegenden wurden Firewalls von Tausenden von Hühnerköpfen von Teams zu Fuss erstellt.

Hühnerköpfe besiegten die Tollwut

Schweiz ist heute tollwutfrei

Tollwut Impfstoff und Marker Tetracyclin

Bald entwickelten andere Länder bessere Köder, wie speziell hergestellte Fischtabletten in Deutschland. Nach der Verteilung von mehr als 150.000 Hühnerköpfen wechselte die Schweiz 1991 schliesslich zu anderen erfolgreichen Ködern. Die Schweiz gilt seit 1999 offiziell als frei von terrestrischer Tollwut – das heisst konkret, dass es hierzulande keinen einzigen Fall von Fuchstollwut mehr gibt. Die Fuchstollwut ist ausgerottet. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Schweiz rund 2,8 Millionen Köder ausgelegt. Auch im angrenzenden Ausland sieht es grundsätzlich stabil aus. So waren Italien und Frankreich im Jahr 2004 ebenfalls tollwutfrei. Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfrei.

Während es die Fuchstollwut wie erwähnt hierzulande nicht gibt, sind hie und da Haus- oder Nutztiere von der Seuche betroffen. Da diese Tiere aber praktisch lückenlos tierärztlich beobachtet werden, ist eine unkontrollierte Ausbreitung der Krankheit fast unmöglich, zumal die Tollwut eine sehr auffällige Krankheit ist.

Tollwut kommt nahezu weltweit vor. Lediglich einige Länder Nordeuropas, Australien, Neuseeland und Japan sind tollwutfrei.

99 % der weltweiten Fälle bei Menschen werden durch den Hund übertragen. In den USA hingegen gingen in den letzten Jahren die meisten Fälle auf Bisse von Fledermäusen zurück und diese stellen auch in Australien, Lateinamerika und Westeuropa ein gewisses Gesundheitsrisiko dar.

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