Kunterbunt

Grenzbeamter erschiesst Kaminfeger

In Morbio Inferiore ist die Gemeinde verärgert. Der Tod des 50-jährigen Jägers, der am Samstag dem "Friendly Fire" zum Opfer gefallen ist, ist schwer zu akzeptieren.

Indemini – Die Tessiner Hochjagd findet vom 31. August bis 14. September und vom 16. bis 22. September 2019 statt. Dieses Jahr wurde die maximale Schussentfernung von 300 auf 250 Meter gesenkt. Das Schneehuhn wurde vom Kanton aus der Liste der jagdbaren Arten extrahiert, zum Missfallen der Hobby-Jäger (Wild beim Wild informierte), da es auf der roten Liste der bedrohten Brutvögel ist.

Nachdem sich bereits in der ersten Jagdwoche einer dieser angeblich hochqualifizierten Präzisionsschützen im Valle Maggia in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hatte, ist ihm letzten Samstag ein weiterer gefolgt. In den Tagen dazwischen hat ein Wildtierkiller in Cabbio, einem Weiler bei Breggia, einem Kollegen in die Hand geschossen und verletzte das Opfer dabei schwer.

Monte Penz in Pedrinate

In den Wäldern von Penz bei Pedrinate nahe Mendrisio hat sich am Samstag kurz vor Mittag nun der zweite tödlicher Jagdunfall ereignet. Ein 51-jähriger Jäger starb durch einen Schuss, den ein anderer Jäger abgefeuert hatte, weil er glaubte, ein Wildschwein zu sehen. Die beiden Männer waren gute Freunde und gemeinsam auf der Jagd. Der Schornsteinfeger hinterlässt ausser seiner Frau zwei Töchter (12 und 17) und einen Sohn (16).

Bild aus glücklichen Tagen: Geneviève (45) und Stefano G. (†50) aus Morbio Inferiore TI. Der Schornsteinfeger wurde bei Chiasso auf der Wildschweinjagd versehentlich erschossen.

Die alarmierten Rettungskräfte konnten vor Ort nur noch den Tod des Getroffenen feststellen. Bei den beiden Jägern, der Schütze ist 50-jährig, handelt es sich um im Südtessin wohnhafte Schweizer, wie die Kantonspolizei Tessin mitteilte. Eine Untersuchung soll den genauen Hergang des Jagdunfalls ans Licht bringen.

«Ich war mit den Kindern im Splash & Spa in Rivera, als das Unglück passierte», erzählt die Witwe Geneviève G.* (44) blick.ch. «Gegen 14 Uhr erhielt ich den Anruf mit der Hiobsbotschaft. Ich wollte es gar nicht glauben.» Erst habe man ihr den Anblick ihres toten Mannes verbieten wollen, «aber dann durfte ich ihn doch sehen und Abschied nehmen».

Die Tessinerin kämpft mit den Tränen. «Er war meine Zwillingsseele. Ich weiss gar nicht, wie es ohne ihn weitergehen soll», sagt die Witwe. «Stefano war ein so lebensfroher Mann. Jeder hatte ihn gern.»

Wie es zum Unglück kam, kann sich Geneviève nicht erklären. «Stefano war immer sehr vorsichtig. Er wollte am Samstag seinen Kollegen die Wildschweine zutreiben», erzählt Geneviève G., «und er hatte auch seine leuchtend orangefarbene Weste an, damit man ihn gut erkennt.»

Pedrinate ist der dritte Vorfall im Zusammenhang mit der Jagd im Tessin seit Anfang September 2019, der zweite mit tödlichem Ausgang. Die morbiden Jagden für Amateur-Jäger werden vom kantonalen Amt für Jagd und Fischerei orchestriert, um sich mit Blutgeld zu finanzieren.

Gebiet, in dem wenig gejagt wird

Der Bürgermeister von Chiasso, Bruno Arrigoni, ist betroffen, was in Pedrinate geschah: «Es ist eine Tragödie, ich kann der Familie nur mein Beileid aussprechen und Solidarität ausdrücken. Es tut mir wirklich leid, bis jetzt war uns nicht klar, dass dieses Gebiet für Jäger gefährlich sein könnte. Dies ist in der Tat kein Gebiet, in dem häufig gejagt wird».

Monte Penz in Pedrinate TI

Die Jagd im Tessin ist erst seit ein paar Wochen geöffnet, aber 2019 wird in der Jagdwelt mit Sicherheit als “Annus horribilis” in Erinnerung bleiben.

Interessen-Gemeinschaft

Wild beim Wild


Die IG Wild beim Wild ist eine gemeinnützige Interessen-Gemeinschaft, die sich für die nachhaltige und gewaltfreie Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung einsetzt, wobei die IG sich auch auf die rechtlichen Aspekte des Wildtierschutzes spezialisiert hat. Eines unser Hauptanliegen ist, in der Kulturlandschaft ein zeitgemässes und seriöses Wildtiermanagement nach dem Vorbild vom Kanton Genf einzuführen – ohne Hobby-Jäger aber mit integren Wildhütern. Das Gewaltmonopol gehört in die Hände des Staates und nicht an Hobby-Jäger-Banden delegiert.