Kunterbunt

Graubünden macht Jagd auf vier Jungwölfe

Im Kanton Graubünden sollen bis Ende März nächsten Jahres vier Jungwölfe aus dem neunköpfigen Beverinrudel geschossen werden. Im Streifgebiet dieses Rudels sind mindestens 15 Risse aus Ziegenherden bekannt.

Diesen Sommer ereigneten sich am Heinzenberg und im Safiental im Streifgebiet des Beverinrudels mindestens 15 Risse aus Ziegenherden, die durch Herdenschutzmassnahmen geschützt waren.

Damit wurde ein Grenzwert überschritten, welcher das Verhalten dieses Wolfsrudels als problematisch klassifiziert. Aufgrund der gesetzlichen Grundlage hat der Kanton Graubünden Schritte zur Regulierung des entsprechenden Wolfsrudels eingeleitet.

Die DNA-Proben haben das männliche Elterntier M92 als Verursacher identifiziert. Bereits im letzten Jahr ist das Tier negativ aufgefallen, als es auf der Stutzalp oberhalb Splügen eine grosse Anzahl Schafe gerissen hat. Nun hat dieser Wolf damit begonnen, Tiere in geschützten Herden zu reissen und dieses Verhalten an seine Nachkommen weiterzugeben.

Bund gibt Vorgehensweise vor

Gegen Wölfe und Wolfsrudel, die im Vergleich zu anderen Wölfen ein problematisches Verhalten aufzeigen und dadurch einen grossen Schaden trotz getroffener Herdenschutzmassnahmen verursachen, müssen regulatorische Massnahmen ergriffen werden. Die Kantone können mit vorheriger Zustimmung des Bundesamts für Umwelt (BAFU) befristete Massnahmen zur Regulierung von Beständen geschützter Tierarten wie dem Wolf treffen (Art. 4 Abs. 1 JSV). Das BAFU hat den Antrag des Kanton Graubünden gutgeheissen und nun die Zustimmung zum Abschuss von insgesamt vier Wölfen aus dem Beverinrudel unter Schonung der Elterntiere erteilt. Die Bewilligung zur Regulierung des Wolfsbestands beschränkt sich auf das Streifgebiet des Wolfsrudels Beverin. Die Abschüsse haben bis am 31. März 2020 durch Wildhüter zu erfolgen.

Eingriff durch das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden

Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (AJF) hat sich in den vergangenen Wochen auf diesen Eingriff vorbereitet. Die Wildhut wird die entsprechende Regulierung vornehmen. Geplant ist ein zeitnahes Vorgehen. Dies ist nötig, damit die Elterntiere noch von den übrigen Wölfen unterschieden werden können. Je länger zugewartet wird, desto schwieriger wird sich die Identifizierung der einzelnen Wölfe gestalten. Weiter wird versucht die Tiere im Rudelverbund zu erlegen, um eine zusätzliche vergrämende Wirkung zu erzielen. Generell ist zu erwarten, dass sich der Eingriff als schwierig herausstellen wird, da das Rudel mittlerweile äusserst mobil ist und sich jeweils nur für kurze Zeit am selben Ort aufhält.

Rund 30 Wölfe im Kanton Graubünden

Die Entwicklung der Wolfspopulation im Kanton Graubünden hat sich nach Einschätzung der örtlichen Behörden nach dem Auftauchen des ersten Rudels am Calanda im Jahr 2012 gemäss den Prognosen bestätigt. Bereits damals seien weitere Rudelbildungen prognostiziert worden. Gemäss Arquint leben im Kanton Graubünden derzeit rund 30 Wölfe. Allein in diesem Jahr seien mindestens 17 Jungwölfe geworfen worden.

Bis heute hätten in allen Teilen des Kantons Einzelnachweise von Wölfen erbracht werden können. Weitere Rudelbildungen seien daher wahrscheinlich. Wenn wie beim Beverinrudel festgestellt werde, dass Wölfe und Wolfsrudel ein problematisches Verhalten zeigten, müsse das AJF seine Verantwortung wahrnehmen und einen Eingriff in die Wolfspopulation vornehmen, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllt seien.

Bedauern über Abschuss

Die Gruppe Wolf Schweiz bedauert den Abschuss, erachtet die Regulierung aber als rechtmässig und akzeptiert sie, wie aus einer Mitteilung vom Freitag hervorgeht. Dennoch werde die Regulierung nicht dazu beitragen, dass Nutztiere im Gebiet geschützt oder Wölfe besser akzeptiert würden. Ein starker, gut ausgebauter Herdenschutz bleibe alternativlos zum Schutz von Schafen und Ziegen.

Die Vorgaben des Bundes seien aber derart schwach, dass dies zwingend dazu führe, dass Wölfe den Herdenschutz immer wieder überwinden könnten. Die Gruppe Wolf Schweiz hat sich deshalb bereits in der Vernehmlassung zu dieser Richtlinie dafür ausgesprochen, die Vorgabe zu erhöhen, um einen besseren Schutz zu erreichen. Leider seien diese Forderungen nicht berücksichtigt worden.