Kunterbunt

Friedliche Koexistenz mit Wildschweinen

Afrikanische Schweinepest sorgt für Unsicherheit – Krankheit ist für Menschen ungefährlich
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Begegnungen mit Wildschweinen in Städten oder stadtnahen Wäldern häufen sich.

Die Tiere sind ursprünglich Waldbewohner, durch die landesweite Bebauung schrumpft ihr Lebensraum allerdings zusehends, Maismonokulturen in Siedlungsnähe und Stadt-Mülltonnen ziehen Wildschwein-Familien zusätzlich an. Aktuell sorgen auch Berichte über die Afrikanische Schweinepest (ASP) für Unsicherheit. Das Virus befällt ausschliesslich Haus- und Wildschweine, für Menschen ist es ungefährlich. Im Herbst sind Wildschweine besonders aktiv, denn sie müssen sich für die nahenden Wintermonate eine Fettschicht zulegen und sind vermehrt auf der Suche nach Nahrung. Nadja Michler, Referentin für Wildtiere bei PETA Deutschland, hat einige Fakten zur Afrikanischen Schweinepest zusammengestellt, ausserdem gibt sie Tipps zum Umgang mit Wildschweinen. Denn obwohl die Wildtiere in der Regel ungefährlich sind, sollten bei einem Aufeinandertreffen von Mensch und Tier einige Dinge beachtet werden.

Der Mensch nimmt Wildtieren immer mehr Lebensraum. Wer auf Wildschweine trifft, sollte ihnen mit Respekt begegnen. Werden ein paar einfache Tipps befolgt, gibt es keinen Grund, sich vor den faszinierenden Tieren zu fürchten.

Nadja Michler

Nachdem die Afrikanische Schweinepest bereits mehrfach in Polen aufgetreten war, wurde der Erreger erstmals am 10. September bei einem im brandenburgischen Spree-Neiße-Kreis aufgefundenen toten Wildschwein nachgewiesen. Das Virus sorgt bei den Tieren für Fieber, Atemprobleme sowie Schwäche und führt in der Regel innerhalb von sieben bis zehn Tagen zum Tod. Bislang sind ausschliesslich Wildschweine betroffen.
 
PETA gibt Tipps:

  • Trotz der Afrikanischen Schweinepest sind Waldspaziergänge gefahrenlos möglich: Es kann allerdings sein, dass in von der Schweinepest betroffenen, eng begrenzten Gebieten ein Betretungsverbot oder ein Gebot zur Benutzung bestimmter Wege durch die zuständige Behörde verhängt wird.
  • Auf den Wegen bleiben: Ob Schweinepest oder nicht, grundsätzlich ist es ratsam, sich im Wald auf angelegten Wegen zu bewegen. Das dient der eigenen Sicherheit und schützt den natürlichen Lebensraum der tierischen Waldbewohner.
  • Genügend Abstand halten: Einige Wildschweine sind in Stadtnähe an Menschen gewöhnt und ergreifen nicht direkt die Flucht, wenn man ihnen begegnet. Wer in der Stadt oder im Wald auf Wildschweine trifft, insbesondere, wenn sie mit Frischlingen unterwegs sind, sollte genügend Abstand halten und darf die Tiere nicht bedrängen – sie könnten sich sonst angegriffen fühlen und die Notwendigkeit zur Verteidigung sehen. Kreuzen Wildschweine den Weg, sollte ihnen immer der Vortritt gelassen werden.
  • Tiere nicht füttern: Es ist verboten, Wildschweine zu füttern. Die Paarhufer ernähren sich unter anderem von Eicheln, Wurzeln, Pilzen, Schnecken und Aas und finden in der Natur genug zu essen. Wer Abfälle oder Essensreste in Parks oder Waldnähe liegen lässt, lockt nicht nur Ratten und Waschbären, sondern auch Wildschweine an. Deshalb sollten Mülltonnen immer geschlossen und Verpackungen und Abfälle mitgenommen werden, wenn die Behälter überfüllt sind.
  • Hunde: Wer mit Hunden spazieren geht, sollte sie im Wald oder gegebenenfalls in Parks anleinen. Im Normalfall werden Wildschweine nicht ohne Grund aggressiv, es kann aber vorkommen, dass Hunde Wildschweine jagen und die Tiere so zu einer Reaktion provozieren. Dies kann für den Hund mit schweren Verletzungen enden.
  • Warnsignale: Schnauben Wildschweine, stellen sie den Schwanz auf oder klappern sogar mit den Zähnen, ist Vorsicht geboten. Spätestens jetzt sollte ruhig und langsam der Rückzug angetreten werden – rennen oder hektische Bewegungen scheuchen die Tiere nur auf. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Wildschweine angreifen, ist es ratsam, sich langsam aufzubäumen und in die Hände zu klatschen. In der Regel haben die Tiere Angst vor Menschen und treten dann den Rückzug an.
  • Gärten schützen: Viele Gartenbesitzer kennen das: Wildschweine haben eine gute Nase und lieben es, in Gärten herumzuwühlen. Um die Tiere fernzuhalten, eignen sich solide, mindestens 1,5 Meter hohe Zäune, die unbedingt im Boden verankert sein müssen.
  • Wer ein totes Wildschwein findet: Waldspaziergänger, die ein totes Wildschwein finden, können den Fund unter Angabe der Geokoordinaten in der so genannten „Tierfund-App“ melden, die unter www.tierfund-kataster.de heruntergeladen werden kann. Ausserdem kann das örtliche Veterinäramt informiert werden. Dabei sollte der Fundort möglichst genau angegeben werden. Um das Virus nicht weiter zu verbreiten, dürfen tote Wildschweine keinesfalls berührt werden.

Wildschweine sind sehr intelligente Tiere und für die Gesundheit des Waldes unerlässlich. Durch ihr Wühlen im Waldboden wird die obere nährstoffreiche Humusschicht mit unteren Bodenschichten vermengt, was für Keimlinge lebensnotwendig ist. Wildschweine leisten somit als „Gärtner des Waldes“ einen essentiellen Beitrag, indem sie zur Verjüngung des Bestands beitragen. Sie befreien ausserdem den Wald von „Schädlingen“, indem sie den Blatthornkäfer-Bestand regulieren. Trotzdem werden die Tiere in Deutschland massiv gejagt. Im Jagdjahr 2018/19 wurden unter anderem durch eine gezielte Panikmache des Bauernverbands wegen der Afrikanischen Schweinepest bundesweit rund 500.000 Wildschweine getötet.

PETA spricht sich grundsätzlich gegen die Jagd aus. Unter dem Deckmantel der Naturverbundenheit verursachen Hobby-Jäger unvorstellbares Leid. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben bei Drückjagden bis zu zwei Drittel der Wildtiere nicht sofort. Mit zerschossenen Knochen und heraushängenden Innereien flüchten die Wildtiere, leiden unter den Verletzungen oft tagelang und sterben qualvoll, wenn sie bei der Nachsuche nicht gefunden werden.

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