Kunterbunt

Deutschland offiziell 12 Jahre frei von terrestrischer Tollwut

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
Pinterest LinkedIn Tumblr

Fuchsjagdverbot längst überfällig: Die Bundesrepublik erklärte Deutschland gegenüber der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) am 28. September 2008 offiziell als tollwutfrei. Nicht die Jagd auf Füchse, sondern tierfreundliche Impfköder haben die gefährliche Krankheit der terrestrischer Tollwut ausgemerzt.

Doch bis heute – fast auf den Tag genau 12 Jahre später – töten Hobby-Jäger in Deutschland immer noch jährlich rund 400’000 der nützlichen Wildtiere. Als unhaltbare Begründung wird oft weiterhin terrestrischer Tollwut angeführt. In Wahrheit werden die Füchse in der Regel von Hobby-Jägern als Beutekonkurrenten betrachtet oder einfach als lebendige Zielscheiben benutzt. Die Tierrechtsorganisation PETA fordert daher weiterhin nachdrücklich ein bundesweites Verbot der Fuchsjagd.

Es ist längst überfällig, die massenhaften Fuchstötungen auf den Prüfstand zu stellen. Viele Tiere werden zudem in Totschlagfallen qualvoll zerquetscht oder durch Fehlschüsse schwer verwundet. Das Töten von Tieren als ‚Freizeitbeschäftigung‘ ist nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar und muss endlich verboten werden.

Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA

Jagd auch aus wildbiologischer Sicht unnötig

Die Jagd auf Füchse hat keinerlei regulierende oder reduzierende Auswirkungen auf die Population. Verluste werden rasch durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten ausgeglichen. Anerkannte Wildbiologen bestätigen, dass die Jagd aus ökologischer Sicht nicht notwendig ist. Dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge müssen Beutegreifer nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da sich im Wald wohnende Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten regulieren. Als Gesundheitspolizei ist der Fuchs zudem ein wichtiges Glied im Kreislauf der Natur. Er sichert seinen Beutearten das Überleben, indem er schwache und kranke Tiere erlegt und Krankheitsherde somit eliminiert. Gefahren gehen von Füchsen nicht aus. Auch der Fuchsbandwurm wird oft als Pro-Jagd-Argument herangezogen. Die durch ihn ausgelöste Erkrankung – die alveoläre Echinokokkose – ist eine der seltensten Parasitosen Europas.

PETA: „Artenschutz-Argument der Jäger ist Augenwischerei“

In Luxemburg ist die Jagd auf Füchse bereits seit April 2015 verboten – negative Effekte sind nicht zu verzeichnen. Populationsrückgänge betroffener Tierarten, wie beispielsweise beim Feldhasen oder Rebhuhn, sind überwiegend auf den Lebensraumverlust und die Jagd selbst zurückzuführen. Statt diese Tiere zu schützen, töten Jäger in Deutschland jedoch jedes Jahr rund 190.000 Feldhasen und Hunderte Rebhühner. Füchse hingegen ernähren sich vornehmlich von Mäusen. Untersuchungen zufolge ernährt sich jeder Fuchs von rund 3.000 bis 5.000 Mäusen pro Jahr.

Dennoch werden große Mengen hochgiftiger Substanzen auf deutschen Feldern ausgebracht, um landwirtschaftliche „Schäden“ durch die Nager zu vermeiden. Die eingesetzten Gifte sind nicht nur tödlich für die Mäuse, sondern stellen eine erhebliche Gefahr für Wildtiere, aber auch für Hunde, Katzen und für den Menschen dar. Im Zeitraum von 2015 bis 2018 wurden in Deutschland nach Angaben des Umweltbundesamtes jährlich circa zwischen Hundert und mehreren Hundert Tonnen sogenannter Rodentizide (chemische Gifte) in der Landwirtschaft eingesetzt. Derzeit sind etwa zehn verschiedene Giftstoffe zugelassen.

Dein Kommentar: