Kunterbunt

Brandenburg bewilligt tierschutzwidrige Bogenjagd

PETA übt scharfe Kritik und warnt vor Verstössen gegen das Tierschutzgesetz.

Obwohl die Bogenjagd auf Tiere in Deutschland seit 1976 verboten ist, plant das brandenburgische Umweltministerium eine entsprechende Ausnahmegenehmigung. Damit soll die Bogenjagd auf Wildtiere in Stahnsdorf und Kleinmachnow bis vorerst Januar 2020 gestattet werden. PETA befürchtet, dass mit dem Pilotprojekt ein Präzedenzfall geschaffen werden soll, um die archaische Bogenjagd wieder in Deutschland zu legalisieren. Die Auswertung von rund zwei Dutzend Studien aus den USA, wo die Jagd mit Pfeil und Bogen vielfach erlaubt ist, zeigt, dass diese Jagdmethode oft zu erheblichem Tierleid führt. Demnach werden 54 % der Tiere nicht sofort getötet. Oft gelingt den verwundeten Tieren die Flucht, was zu einem tagelangen Todeskampf führen kann. Die Tierschutzorganisation fordert das Umweltministerium auf, die Genehmigung zur Bogenjagd zurückzuziehen und betont, dass die Bogenjagd mit großer Wahrscheinlichkeit zu Verstössen gegen § 17 Absatz 2b des Tierschutzgesetzes führen würde. Demnach dürfen keinem Tier erhebliche, länger anhaltende Schmerzen zugefügt werden.

Die Durchführung einer Bogenjagd wäre ein Rückfall ins Mittelalter. Tiere mit Pfeil und Bogen zu jagen, mag vielleicht ein besonderer ´Kick´ für einige Hobbyjäger sein. Da die Jagdmethode jedoch ausserordentlich grausam ist, darf sie in einer aufgeklärten Gesellschaft keinen Einzug finden.


Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA

In einer weiteren Studie dokumentierten Wissenschaftler der Universität Oklahoma bei einer Bogenjagd auf 22 Weisswedelhirsche, dass 50 Prozent der Tiere lediglich angeschossen wurden und (zunächst) nicht auffindbar waren. Selbst wenn in Betracht gezogen wird, dass Wildschweine andere Fluchtdistanzen/-verhalten als Rehwild an den Tag legen, ist angesichts der Sachlage von einer untragbar hohen Verwundungsrate auszugehen. Der Schweizer Tierschutz (STS) resümiert in seiner strikt ablehnenden Haltung: „Der Schuss mit Pfeilen verzeiht nicht die geringste Zielungenauigkeit und führt oft zu Durchschüssen ohne garantierte Tötungswirkung.

Umgewühlte Gärten sind nach PETAs Auffassung ohnehin kein ausreichender Grund, Tötungen zu legitimieren, insbesondere da auch mildere Mittel wie Vergrämungsmethoden zur Verfügung stehen. Die Jagd ist grundsätzlich ungeeignet, Wildtierpopulationen dauerhaft zu regulieren. Im Gegenteil, die Jäger greifen massiv in die Natur ein und unterbinden die Wirkung natürlicher Regulationsmechanismen wie Nahrungsverfügbarkeit, Klima und Krankheiten. Gerade in Bezug auf Wildschweine besagen wissenschaftliche Erkenntnisse, dass die Zerstörung der Sozialstrukturen durch die Jagd letztlich einen Anstieg der Wildschweinpopulationen bedingt. Aus einer Studie geht hervor, dass die Geschlechtsreife weiblicher Wildschweine in bejagten Wildschweinpopulationen früher eintritt und die Geburtenrate steigt. PETA appelliert an den brandenburgischen Umweltminister Jörg Vogelsänger, die vorliegenden wissenschaftlichen Fakten anzuerkennen, anstatt eine Jagdmethode, die längst wissenschaftlich als Tierquälerei beschrieben ist, erneut auf den Prüfstand zu stellen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.