Kunterbunt

Bärenpopulation in Rumänien ausser Kontrolle?

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In Rumänien sollen sich Angriffe von Bären auf Menschen häufen – behaupten Politiker und viele Medien.

Jagdverbände fordern eine hohe Abschussquote. Doch die Ursachen des Ärgers zwischen Bär und Mensch sind vor allem menschengemacht.

Statistisch gesehen steigt weder die Zahl der Bärenangriffe noch die durch Bären verursachten Schäden. Vielleicht entsteht der Eindruck, dass Bären mehr angreifen, weil zum Beispiel die Forstwirtschaft zunimmt. Überall erklingt das Geräusch der Motorsägen in den Wäldern Rumäniens. Zwei Drittel der noch verbliebenen Urwälder Europas liegen in Rumänien – an sich ein optimaler Lebensraum für Bären. Doch seit Jahren werden die Schutzgebiete illegal abgeholzt. Der Lärm der Motorsägen treibt die Bären aus dem Wald. Und die Tiere werden weiter in die Dörfer und Städte gezwungen, um Nahrung zu suchen. Damit schrumpft der Lebensraum der Bären. Vom Tourismus ganz zu schweigen. Die Menschen bewegen sich heute mit Jeeps, Quads, Motocrossrädern oder Mountainbikes durch den Wald. Das gab es vor 20 Jahren nicht. Zudem werden viele Waldfrüchte und Pilze gesammelt. Das ist die Nahrung der Bären und belastet auch den Lebensraum der Bären.

Die Trophäenjagd auf Beutegreifer wie Bären und Wölfe wurde in Rumänien 2016 verboten. Während Umweltschützer weltweit diesem Schritt applaudierten, verärgerte er ortsansässige Jagdgruppen, für die eine solche Trophäenjagd ein lukratives Geschäft war – sie konnten so Tausende von Euro einnehmen. Befürworter der Jagd reden nun von einer Population von über 10’000 Bären. Die Gegner der Bärenjagd sprechen von rund 2’000 Bären im Land.

Verschiedene Interessengruppen jonglieren mit unterschiedlichen Zahlen, die ihren Zielen am besten entsprechen.

Csaba Domokos Umweltschutzorganisation Milvus

Offiziellen Zahlen zufolge ist Rumäniens Bärenpopulation 6’000 Tiere stark – das ist mehr als ein Drittel der Gesamtpopulation und somit grösste Braunbärpopulation in Europa – aber Experten betonen, dass es keine zuverlässige Zahl der Bären des Landes gibt.

«Wir haben keine realistische, vertrauenswürdige Schätzung der Populationsgrösse, die mit wissenschaftlich fundierten Forschungsmethoden ermittelt wurde«, sagte der Bärenexperte Csaba Domokos von der Naturschutzorganisation Milvus Group.

Seit der Ernennung des Umweltministers Barna Tanczos, der auch noch ein Hobby-Jäger sein soll, sind Umweltschützer in Rumänien besonders wachsam.

«Wir können Rumänien nicht in den Zoo von Europa verwandeln«, hatte Tanczos 2015 in einer Pressekonferenz gesagt. «Die Bärenpopulation, die bereits mehr als 10’000 Exemplare stark sei, wachse immer weiter. Rumänien müsse jetzt 4’000 Bären töten».

Da viele Länder der Europäischen Union Programme zur Wiederansiedlung von Bären umsetzen, darunter auch Rumänien, gibt es nun Bedenken, dass nach der Ernennung von Tanczos mögliche Jagdquoten eingeführt werden könnten, da Bären vermehrt in Ortschaften eindringen. Umweltschützer vermuten in diesem Zusammenhang: Die Bären werden in den Wäldern nicht mehr gefüttert und begeben sich so in den Siedlungen auf Nahrungssuche, womit der Druck zur Bejagung erhöht werden kann.

Kürzlich hat der rumänische Senat einen Gesetzesvorschlag angenommen, der Bären für fünf Jahre von der Liste der Arten, die während bestimmter Perioden im Jahr nicht gejagt werden dürfen, streichen würde.

«Solange wir Bären haben, wird es Konflikte zwischen Menschen und dieser Tierart geben, unabhängig von der Grösse der Bärenpopulation«, fügt Bärenexperte Domokos hinzu.

Bär und Mensch kommen sich meist aus Versehen in die Quere. Es gibt Attacken, bei denen es entweder um Nahrung oder Schutz des Gebietes geht. Aber der Mensch steht nicht auf dem Speiseplan des Bären. Der Bär will eigentlich nur den Menschen von sich fernhalten.

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