Kriminalität

Wieder erschiesst Hobby-Jäger im Endstadium einen Mensch

In einem kleinen Dorf in Mittelfranken ist deutlich geworden, wie ein nie geschlichteter Nachbarschaftsstreit am Ende eskalieren kann. Zwei Männer sind tot.

Sie stritten sich jahrelang, am Ende sind beide tot: Ein seit mindestens 2019 schwelender Nachbarschaftsstreit zwischen zwei Männern aus dem 1400-Seelen-Ort Weiltingen im mittelfränkischen Landkreis Ansbach ist der Hintergrund einer schrecklichen Bluttat. Ein 55 Jahre alter Hobby-Jäger schoss aus dem Auto heraus seinen vor dessen Anwesen stehenden Nachbarn mit elf Schüssen aus einer Pistole nieder.

Der 33-Jährige starb noch am Ort des Geschehens. Die Schüsse hatten ihn offenbar aus nächster Nähe getroffen. Der Wildtierkiller flüchtete und erschoss sich nach Einschätzung der Polizei wenige Kilometer weiter in seinem Auto. Es sei ein Abschiedsbrief gefunden worden.

Die beiden Männer hätten sich seit mindestens 2019 wechselseitig mit Vorwürfen überzogen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Die Polizei sei deswegen mehr als 30 Mal in Weiltingen gewesen. Der spätere Täter sei dabei häufiger Beschwerdeführer gewesen als das Opfer.

Bei den Beschwerden habe es sich jedoch meist um vergleichsweise geringfügige Belange gehandelt, wie etwa Ruhestörung oder Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz, sagte der Polizeisprecher. In einem Fall sei es im Zuge der Streitigkeiten zu einem Verkehrsunfall gekommen, bei dem auch Nötigung im Strassenverkehr eine Rolle gespielt haben soll.

Der Schütze hatte die Tatwaffe offenbar legal besessen. Das Landratsamt Ansbach teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, der Mann sei Hobby-Jäger gewesen und habe seit mehr als 20 Jahren einen Jagdschein besessen. „Er erwarb und besass als Jäger zuletzt legal eine Kurzwaffe und zwei Langwaffen, welche in einer Waffenbesitzkarte eingetragen waren„, teilte ein Sprecher der Kreisverwaltungsbehörde mit.

Es seien Anhaltspunkte bekannt gewesen, die in der Vergangenheit zu einer Überprüfung der jagd- und waffenrechtlichen Zuverlässigkeit des Mannes geführt hätten, hiess es weiter. „Diese reichten allerdings nicht aus, um die jagd- und waffenrechtliche Zuverlässigkeit zu verneinen und einen Widerruf der jagd- und waffenrechtlichen Erlaubnisse zu rechtfertigen„, teilte das Landratsamt weiter mit.

Im Lauf der Ermittlungen zu der Tat vom Montag hätten sich mehrere Menschen gemeldet, die sich von dem Mann bedroht gefühlt hätten, sagte ein Polizeisprecher. Es habe auch Aussagen gegeben, er habe in der Vergangenheit mit Pfeil- und Bogen auf einen Menschen geschossen. Dieses Vorkommnis sei jedoch ebenso wie die möglichen Drohungen nie angezeigt worden und auch nie Gegenstand polizeilicher Ermittlungen gewesen.

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