Im August vergangenen Jahres beförderte ein Transporteur 249 Tauben über 1000 Kilometer von Tschechien nach Belgien.

Bei Aussentemperaturen von mehr als 30 Grad waren die Tiere gezwungen, ohne Klimatisierung im völlig überfüllten Laderaum auszuharren – nicht einmal Trinkwasser war vorhanden. Die Tat flog bei einer Polizeikontrolle in Niedersachsen auf; zu diesem Zeitpunkt waren bereits 121 Tauben tot. Der nach PETAs Anzeige von der Staatsanwaltschaft Osnabrück erlassene Strafbefehl gegen den Verantwortlichen ist jetzt rechtskräftig geworden. Er muss 1800 Euro zahlen und entkam nur knapp einer Vorstrafe. Die Tierrechtsorganisation appelliert nun an sämtliche transportgenehmigenden Behörden, den Präzedenzfall als Massstab für künftige Entscheidungen zur Rechtmäßigkeit von Tiertransporten zu betrachten.

Transporte mit lebenden Tieren sind immer Quälerei, ganz gleich, ob es sich um Tauben, Hühner, Schweine, Rinder, Schafe oder andere Tiere handelt. Oft mangelt es auf den überfüllten Lkws an Trinkwasser, teils trampeln sich die Tiere gegenseitig tot. Es ist ein Meilenstein im Tierschutz, dass die Missstände bei einem Tiertransport nun erstmals strafrechtlich geahndet wurden. Der Strafbefehl der Osnabrücker Staatsanwaltschaft muss künftig unbedingt für alle Transporte von fälschlicherweise als ‚Nutztiere‘ bezeichneten Tieren herangezogen werden.

Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA

PETA fordert sofortiges Ende aller Tiertransporte

Die Organisation erinnert daran, dass aus Tierschutzgründen bereits zahlreiche Bundesländer zumindest Transporte in Nicht-EU-Staaten per Erlass untersagt haben. Immer wieder belegen Berichte von Veterinärbehörden, Tierschützerinnen und Tierschützern sowie aus den Medien, dass die Tiere auf vielen der teils tage- oder wochenlangen Routen nicht oder nur unzureichend versorgt werden. Auf den Strecken fehlen oftmals Entlade- und Versorgungsstationen. Infolgedessen müssen die Tiere auf den Transportern dicht an dicht inmitten ihrer eigenen Exkremente ausharren. Auch Tierkinder, die noch auf Muttermilch angewiesen sind, werden häufig gezwungen, teils lange Fahrten über sich ergehen zu lassen. Selbst auf vergleichsweise kürzeren Strecken ist Tierleid unvermeidbar. Zudem ereignen sich oft Unfälle, bei denen viele Tiere sterben.

Schonende Tiertransporte gibt es nicht. Bei Unfällen sterben Schweine, Rinder, Hühner oder Puten qualvoll und langsam. Körperteile werden eingequetscht oder brechen. Die empfindlichen Tiere geraten in Panik, erleiden Kreislaufzusammenbrüche oder Herzinfarkte“, so Haferbeck. „Alle Verbraucherinnen und Verbraucher können etwas gegen diese Missstände tun, indem sie Fleisch und andere Produkte tierischen Ursprungs vom Speiseplan streichen – nur eine vegane Ernährung hilft den Tieren nachhaltig.“

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