Indemini – Einige Vögel und Säugetiere, die nach dem Jagdgesetz ausserhalb von Schonzeiten jagdbar wären, dürfen dennoch nicht gejagt werden, wenn der Kanton diese unter Schutz stellt oder sie für einen bestimmten Zeitraum als nicht jagdbar bezeichnet.

Das Rebhuhn (Perdix perdix), Schneehuhn (Lagopus muta) und die Waldschnepfe (Scolopax rusticola), die auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten stehen, sind Beispiele für diese Regelung. Die Kantone können auch die Schonzeiten verlängern oder die Liste der jagd- oder fangbaren Arten zeitweise einschränken («Moratorium»), wie dies in verschiedenen Kantonen für den Feldhasen (Lepus europaeus) oder die Äsche (Thymallus thymallus) geschehen ist. Die Kantone sind dazu verpflichtet, wenn der Schutz lokal bedrohter Arten dies erfordert. Sie können mit vorheriger Zustimmung des BAFU die Schonzeiten vorübergehend verkürzen, um zu grosse Bestände zu vermindern oder die Artenvielfalt zu erhalten.

Der Tessiner Umwelt- und Verkehrsdirektor, Claudio Zali, hat nun das Schneehuhn aus der Liste der jagdbaren Tierarten extrahiert.

Hobby-Jäger vom Jagdverband glauben hingegen, ein berechtigtes Recht vor dem Bundesgericht zu haben, eine Spezie, die in Schwierigkeiten ist, zum Spass zu töten. Die beim Bundesgericht eingereichte Berufung gegen diesen Regierungsentscheid – ein Moratorium zum Schutz des Schneehuhns einzuführen – zeigt einmal mehr das Wesen dieser Leute.

Sobald der gesunde Menschenverstand etwas zum Schutz der Natur macht, wird von der Jägerschaft systematisch dagegen opponiert. Jagd schützt und nützt bei einer genauen Analyse gar nichts!

„Beispielloses politisches Diktat“

Amateur-Jäger Fabio Regazzi zum Moratorium für das Schneehuhn
Fabio Regazzi

Der CVP-Nationalrat trat in der Vergangenheit wiederholt als Rädelsführer negativ in Erscheinung, auch wenn es um Tierschutz ging. So bekämpfte er massiv den Nationalpark Locarnese oder wollte die tierquälerischen Widerhaken beim Angeln erneut salonfähig machen. Während seiner Legislatur-Periode 2015 – 2019 hat er, genauso wie die anderen Jäger im Parlament, zudem mehrheitlich gegen die Umwelt politisiert.

Das Schneehuhn steht seit 2010 auf der Roten Liste des Bundesamtes für Umwelt. Er ist an mehreren Stellen geschützt. Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich denke, ich kann feststellen, dass das Schiessen einer Art weder die Aufrechterhaltung der Anzahl noch eine Zunahme begünstigt, und ich betrachte die Tatsache, dass ihr natürlicher Lebensraum unter den Auswirkungen der globalen Erwärmung leidet. Es sei denn, Sie möchten leugnen, dass es ein Problem gibt: So wie Trump, kann Regazzi es auch. Ich erinnere mich, dass es den Jägern freigestellt ist, jährlich rund 3.500 Tiere verschiedener Art zu töten: Rebhuhnabschüsse im Jahr 2018 waren 15. Fünfzehn getötete Tiere, die nicht einmal gefressen werden: Bestenfalls werden sie gestopft oder weggeworfen. Sie werden nur zum Spass getötet.

Claudio Zali

Regierungspräsident Claudio Zali kommt in dem Artikel in der Tessiner Medienlandschaft zum Schluss, dass die Zusammenarbeit mit Jägern nur in Ordnung ist, solange es sich um eine Einbahnstrasse zu Gunsten der Wildtierkiller handelt. Ansonsten pöbeln die Gewalttäter.

Offenbar sind diese Hobby-Jäger weder gut ausgebildet, noch haben sie eine gesunde moralische Hygiene. Rechnet man diese Zahlen auf die ganze Schweiz hoch, erreicht man strafrechtliche Dimensionen, die so in einem Rechtsstaat nicht tragbar sind!

Das Gewaltmonopol gehört mit professionellen Wildhütern in die Hände des Staates und nicht an Jägerbanden delegiert.

Hobby-Jäger sind der übertragenen Verantwortung längst nicht mehr gewachsen und verunreinigen die Staatskasse mit Blutgeld aus ihren schäbigen Hobbys.

Es gibt keine Verbände mit Rechtsstatus in der Schweiz, deren Mitglieder dermassen in der Kriminalität verwurzelt sind, wie beim Verband Jagd Schweiz.

Insbesondere bei der Jagd und den Hobby-Jägerinnen und Jägern ist es elementar, dass die Bevölkerung ganz genau hinschaut. Nirgendwo wird so viel mit Unwahrheiten und Fake-News manipuliert. Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze. Die Hobby-Jagd ist seit Jahrzehnten nichts anderes als eine permanent kostenintensive Baustelle, Flickenteppich und Streitpunkt für Politik, Forst- und Landwirtschaft, Verwaltungen, Justiz, Krankenkassen, Versicherungen, Tierschutz-, Umwelt- und Naturschutzorganisationen, Polizei, Bund, Medien, usw.

Jeder andere Verein mit so viel krimineller Energie wäre von der Bundesanwaltschaft längst ins Visier genommen worden!

Diskussion