Im Main-Tauber-Kreis hat ein Wildtierkiller zwei Pferde erschossen.

Der Mann habe nachts ein Feld bei Wertheim vor Schäden durch Wildschweine schützen wollen, teilte ein Polizeisprecher mit. Dabei habe er vermutlich zwei Pferde, die sich neben dem Feld auf einer Koppel befanden, mit Wildschweinen verwechselt und auf sie geschossen. Die beiden Tiere starben an ihren Verletzungen. Die Ermittlungen zu dem Vorfall, der sich letzte Woche in der Nacht zu Dienstag ereignete, dauern noch an. PETA weist darauf hin, dass jedes Jahr Hunderttausenden Tieren erhebliches Leid oder Tod durch Fehlschüsse zugefügt wird und Hobbyjagende mehrere Dutzend Menschen töten und verletzen. Die Tierrechtsorganisation fordert ein sofortiges Verbot der Hobbyjagd.

Wie viele Lebewesen müssen noch verletzt oder getötet werden, bevor die Hobbyjagd endlich verboten wird? Jahr für Jahr ereignen sich zahlreiche Tragödien, weil schiesswütige Spassjäger verantwortungslos in der Gegend herumballern. Ein Eingreifen des Gesetzgebers ist längst überfällig.

Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA.

Hintergrundinformationen

In den vergangenen Jahren sorgten bereits zahlreiche schwere Jagdunfälle für Empörung. Im September dieses Jahrs wurde ein 36-jähriger Mann bei einer Treibjagd bei Heretsried (Landkreis Augsburg) angeschossen. Der Getroffene erlitt eine schwere Fleischwunde und musste mit einem Hubschrauber ins Uniklinikum Augsburg geflogen werden. Ebenfalls im September verwechselte ein Hobbby-Jäger in einem Wald in Chapella im Oberengadin (Kanton Graubünden) ein Islandpferd mit einem Rehbock. Der Hobby-Jäger habe gesehen, wie ein Rehbock vor ihm im Wald verschwand, woraufhin er auf ein Tier abseits des Waldweges schoss. Getroffen wurde das Islandpferd, das daraufhin aufgrund der Schussverletzung getötet werden musste. Im März dieses Jahres hatten zwei Hobby-Jäger und eine Wildtierkillerin im Jagdrevier Pullenreuth (Landkreis Tirschenreuth) einen Unfall: Als sie ihr Fahrzeug auf dem Wanderparkplatz abstellten, löste sich ein Schuss aus dem Gewehr einer der Männer. Die Kugel durchschlug dessen linken Oberarm, eine Hundebox sowie das Fahrzeugdach. Die Frau wurde von den Splittern der durchgeschossenen Gegenstände verletzt. Am 4. September, wenige Hundert Meter nördlich des jurassischen Städtchens Pruntrut erschiesst ein Hobby-Jäger versehentlich ein Pferd. Erlegen wollte er ein Wildschwein. Am 21. September, im Muotatal SZ erschiesst ein Hobby-Jäger ein Lama, das von einem Landwirt als Herdenschutztier eingesetzt wurde. Da der Hobby-Jäger den Vorfall nicht gemeldet hat, obschon eine Meldepflicht besteht, muss er mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Anerkannte Studien belegen, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. So müssen dem renommierten Biologen Professor Dr. Josef Reichholf zufolge Wölfe nicht durch menschliche Jägerinnen und Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet. Auch englische Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass sich beispielsweise Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren von selbst regulieren. Die Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. Die Jagd ist unnötig, kontraproduktiv und grausam.
 

Den mehr als 395.000 Hobbyjagenden in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjägerinnen und -jäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber. Dabei belegen wissenschaftliche Studien, dass die Jagd nicht geeignet ist, Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wölfe und andere Beutegreifer müssen nicht durch menschliche Jagd ersetzt werden, da sich im Wald wohnende Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten regulieren.

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