Kriminalität

Füchse in permanenter Todesangst

Nach Anklageerhebung gegen die Betreiber einer Schliefenanlage in Lemgo hat PETA zusammen mit der Sektion Niedersachsen des Vereins Wildtierschutz Deutschland auch die Verantwortlichen der Schliefenanlage in Dollbergen bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim angezeigt.

Grund sind mutmaßliche Verstösse gegen das Tierschutzgesetz. Wie in den über 100 anderen Schliefenanlagen in Deutschland werden Füchse auch dort immer wieder durch eine unterirdische Tunnelanlage getrieben und in kleinen Kesseln festgesetzt. Neu ist hierbei die Erkenntnis, dass nicht nur die Hunde selbst, sondern auch die vor Ort agierenden Betreiber und Helfer die Füchse in Todesangst versetzen.

PETA hat neben den Verantwortlichen dieser Anlage noch über 100 weitere Betreiber im ganzen Bundesgebiet angezeigt, um auf die massiven und andauernden Qualen der Füchse in Schliefenanlagen aufmerksam zu machen. Die Tierrechtsorganisationen fordern die sofortige Schliessung der Anlage in Dollbergen sowie die Beschlagnahmung der dort möglicherweise noch eingesperrten Füchse.

Füchse haben wie Menschen und alle anderen Tiere ein Recht auf Freiheit – es darf nicht sein, dass sie eingesperrt und zur Jagdhundeausbildung missbraucht werden. Schliefenanlagen sind an Tierschutzwidrigkeit und Grausamkeit kaum zu überbieten. Es ist bezeichnend für Hobby-Jäger und ihr blutrünstiges ‚Hobby‘, dass sie Füchse ohne Mitgefühl unvorstellbarer Todesangst aussetzen. Schliefenanlagen müssen sofort verboten werden. Mit der Anzeige wollen wir die Grausamkeiten, die seit Jahrzehnten im Verborgenen stattfinden, ans Licht der Öffentlichkeit bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Dr. Edmund Haferbeck, Senior-Mitarbeiter im Bereich Special Projects bei PETA

Zur konkreten Schliefenanlage in Dollbergen hat Wildtierschutz Deutschland, Sektion Niedersachsen, vor Ort selbst ermittelt und aussagekräftiges und aktuelles Videomaterial bereitgestellt, welches das brutale Handling der Hobby-Jäger mit dem Fuchs aufzeigt. Es kann hierbei mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass trotz augenscheinlicher körperlicher Unversehrtheit die langanhaltende und wiederholte Stressbelastung bei dem jeweiligen Fuchs schon längst pathologische Konsequenzen nach sich gezogen hat. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat ein Strafermittlungsverfahren unter dem Az. NZS 14 Js 22799/22 eingeleitet.

Kein Jagdausübender, kein Schliefenwärter, kein Politiker, kein Anwalt und kein Richter kann leugnen, dass Füchse in Schliefenanlagen nur einem alleinigen und sich ständig wiederholenden Verwendungszweck unterliegen, nämlich unter künstlich geschaffenen und von Menschen vorgegebenen Bedingungen ständig verfolgt, bedrängt und auch angegriffen zu werden. Es ist geradezu absurd, eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens der gequälten Füchse abzustreiten“, so Thomas Mitschke von Wildtierschutz Deutschland, Sektion Niedersachsen.

Hintergrundinformationen: Fuchsjagd ist kontraproduktiv und grausam

Schliefenanlagen sind trotz ihrer klar tierquälerischen Ausrichtung bislang in Deutschland noch nicht verboten, genau wie Baujagden. Dabei verstoßen die Betriebe nach Auffassung der Organisation grundsätzlich gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes sowie gegen die einschlägigen Strafrechts- und Ordnungswidrigkeits-Regelungen.

Nach Anzeige von PETA gegen die Betreiber einer Schliefenanlage in Lemgo (NRW) ist eine Verhandlung für September 2022 angesetzt. (Az.: 23 Js 200/20 AG Lemgo). Füchse sind in den Anlagen permanent in einem Zustand der Todesangst, denn immer wieder hetzen Jäger Hunde in das Tunnelsystem, das den Fuchsbau simulieren soll. Zwar wird der Fuchs in einen durch Gitter von den Hunden getrennten Kessel gesetzt, um dort aufgespürt zu werden – dennoch muss er so in seinem „Zuhause“ ständig um sein Leben fürchten. Generell bedeuten Gefangenschaft sowie der Kontakt zu Menschen und Hunden für Wildtiere wie Füchse erheblichen Stress. Dabei ist laut PETA nicht nur das „Training“ für die Baujagd, sondern die Jagd an sich sowohl grausam als unnötig.

Schliefenanlage

Sadistische Hobby-Jäger stellen Füchsen mit Fallen, Gewehren und der Baujagd nach. Häufig flüchten angeschossene Tiere mit offenen Wunden oder sterben qualvoll und langsam in den Fallen. Im vergangenen Jagdjahr wurden allein in Niedersachsen über 57’000 Füchse durch Hobby-Jäger getötet, bundesweit fast eine halbe Million Tiere. Füchse dienen Hobby-Jägern hauptsächlich als lebende Zielscheiben, denn weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht besteht ein Grund für ihre massenhafte Bejagung.

Zudem hat die Jagd auf Füchse keinerlei regulierende oder reduzierende Auswirkungen auf die Population, weil Verluste rasch durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten ausgeglichen werden. Fuchspopulationen regulieren sich aufgrund von Sozialgefügen, Nahrungsverfügbarkeit und Krankheiten selbst. Aufgrund der Faktenlage ist die Fuchsjagd in Luxemburg bereits seit April 2015 verboten. Ein solches Verbot ist in Deutschland überfällig – daher hat PETA eine entsprechende Petition ins Leben gerufen.

1 Kommentar

  1. Ursula Singh Reply

    Das ist perverse, sadistische Selbstbefriedigung dieser Hobbymörder, die sonst nix auf die Reihe kriegen.

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