Klimawandel

Spanien und Portugal leiden unter dem trockensten Klima seit 1.200 Jahren

Die Auswirkungen der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung blockieren die lebenswichtigen Winterregen, was schwerwiegende Folgen für Landwirtschaft und Tourismus hat.

In Spanien und Portugal herrscht das trockenste Klima seit mindestens 1.200 Jahren. Dies hat schwerwiegende Folgen für die Lebensmittelproduktion und den Tourismus.

Der meiste Regen auf der Iberischen Halbinsel fällt im Winter, wenn feuchte Tiefdruckgebiete vom Atlantik her einströmen. Ein Hochdrucksystem vor der Küste, das Azorenhoch, kann die feuchten Wetterfronten jedoch blockieren.

Die Forscher fanden heraus, dass die Winter mit „extrem grossen“ Azorenhochs dramatisch zugenommen haben, und zwar von einem von zehn Wintern vor 1850 auf einen von vier seit 1980. Diese Extreme treiben das nasse Wetter nach Norden und machen Regengüsse in Nord-England und in Skandinavien wahrscheinlicher.

Die Wissenschaftler erklärten, dass die häufigeren Azorenhochs nur durch die Klimakrise verursacht werden konnten, die durch die Kohlenstoffemissionen der Menschheit verursacht wurde.

Die Anzahl der extrem grossen Azorenhochs in den letzten 100 Jahren ist wirklich beispiellos, wenn man die letzten 1.000 Jahre betrachtet„, sagte Dr. Caroline Ummenhofer von der Woods Hole Oceanographic Institution in den USA, die Teil des Forschungsteams ist.

Das hat grosse Auswirkungen, denn ein extrem grosses Azorenhoch bedeutet relativ trockene Bedingungen für die Iberische Halbinsel und das Mittelmeer„, sagte sie. „Wir konnten diesen Anstieg auch eindeutig mit anthropogenen Emissionen in Verbindung bringen.“

Die iberische Halbinsel wurde in den letzten Jahren von zunehmenden Hitzewellen und Dürren heimgesucht, und der diesjährige Mai war der heisseste seit Beginn der Aufzeichnungen in Spanien.

Waldbrände, bei denen 2017 in der Region Dutzende von Menschen ums Leben kamen, folgten auf eine Hitzewelle, die durch die Klimakrise zehnmal wahrscheinlicher geworden ist, während der Tajo, der längste Fluss der Region, nach Angaben von Umweltschützern Gefahr läuft, vollständig auszutrocknen.

Die neue Studie, die in der Zeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht wurde, analysierte Wetterdaten, die bis ins Jahr 1850 zurückreichen, sowie Computermodelle, die das Klima bis ins Jahr 850 n. Chr. nachbilden. Dabei stellte sich heraus, dass vor 1850 und dem Beginn signifikanter menschlicher Treibhausgasemissionen extrem starke Azorenhochs im Durchschnitt einmal alle zehn Jahre auftraten.

Von 1850 bis 1980 lag die Häufigkeit bei einmal alle sieben Jahre, aber nach 1980 stieg sie auf alle vier Jahre an. Die Daten zeigten, dass extrem starke Azorenhochs die durchschnittliche monatliche Niederschlagsmenge im Winter um etwa ein Drittel verringern. Weitere Daten aus der chemischen Analyse von Stalagmiten in Höhlen in Portugal zeigen, dass geringe Niederschläge eng mit grossen Azorenhochs korrelieren.

Die Computersimulationen des Klimas des vergangenen Jahrtausends decken einen Zeitraum bis 2005 ab. Andere Studien, die sich auf spätere Jahre beziehen, stimmen jedoch mit den neuen Erkenntnissen überein, und es wird erwartet, dass sich das Azorenhoch weiter ausbreitet und die Trockenheit auf der iberischen Halbinsel weiter zunimmt, bis die weltweiten Kohlenstoffemissionen auf Null gesenkt werden.

Unsere Ergebnisse haben grosse Auswirkungen auf die Wasserressourcen, die für die Landwirtschaft und andere wasserintensive Industrien oder für den Tourismus zur Verfügung stehen„, so Ummenhofer. „Das verheisst nichts Gutes.“ Spanien war 2019 mit 84 Millionen Besuchern das zweitbeliebteste Land für Überseetouristen.

Spanien ist auch der weltweit grösste Produzent von Oliven und eine wichtige Quelle für Trauben, Orangen, Tomaten und andere Produkte. Die Niederschläge sind jedoch seit 1950 um 5-10 mm pro Jahr zurückgegangen, und bis zum Ende des Jahrhunderts wird ein weiterer Rückgang der Winterregenfälle um 10-20 % erwartet.

Andere Forschungsarbeiten prognostizieren einen Rückgang der Olivenproduktion in Südspanien um 30 % bis zum Jahr 2100 und einen Rückgang der Weinbaugebiete auf der gesamten iberischen Halbinsel um 25 % bis 99 % bis zum Jahr 2050 aufgrund von Wasserknappheit. Forschungen im Jahr 2021 brachten das Azorenhoch auch mit dem Sommermonsun in Indien in Verbindung.

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