Schon seit mehreren Jahren findet in Deutschland und inzwischen auch in der Schweiz eine kontinuierliche und bösartige Hetzkampagne der Medien gegen die Waschbären statt.

Von der Hobby-Jägerschaft wird dies zu ihren eigenen Interessen in verschiedenen Formen „alimentiert“.

Praktisch täglich wird man immer wieder mit schlimmen Geschichten über die „bösen“ Waschbären konfrontiert, die unbedingt mit allen verfügbaren Mitteln getötet oder sogar ausgerottet werden müssten. Da bedient sich auch die bauern- und jägerlastige Tierwelt am 26.10.2021, bzw. deren Redaktorin Berit-Silja Gründlers mit ihrem unwissenschaftlichen, unethisch-speziesistischen und hetzerischen Schreibstil. Es gibt wohl keine Spezie als der Mensch, die mehr Krankheiten verbreitet sowie als Plage Flora & Fauna gefährdet. Und sollten Waschbären und andere Tiere in Häuser eindringen können, liegt es an der lotterigen Behausung. Gleiches gilt für die Mülltonnen. Auch der Bestand von Kiebitze und Lerchen nimmt hauptsächlich durch die tödliche, chemisch-industrielle Landwirtschaft ab, deren Sprachrohr die Redaktion der Tierwelt ist.

Schon aus den sehr negativen Titeln kann man entnehmen, wie die Medien die Öffentlichkeit falsch beeinflussen, sodass die Fakten ganz schwer herauszufiltern sind.

Angeblich will das Recht es so, wie inzwischen in hunderten Berichten/Sendungen behauptet wird.

Gebietsfremden Tieren sind unerwünscht und „wertlos“, obwohl auch sie längst nicht mehr als Sache gelten. Ihr Recht auf Leben wird ihnen aufgrund ihrer Herkunft und im Namen des von Menschen vorgegebenen ökologischen Gleichgewichts per Gesetz abgesprochen. Das ist gelebter „Speziesismus“, was soviel heisst: Der Mensch zeigt mit seiner Haltung gebietsfremden Tieren gegenüber einmal mehr, dass er überzeugt ist, dass er als aufgrund seiner Art allen anderen Spezien überlegen ist und diese deshalb behandeln kann, wie er will. Diese Haltung ist mehr als verwerflich und darf nicht mehr länger akzeptiert werden. Auch Waschbären haben ein Recht zu leben.

Ich kenne keinen einzigen Wissenschaftler oder Jagdexperten, der ernsthaft glaubt, den Tieren mit jagdlichen Mitteln Einhalt gebieten zu können. Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass der Waschbär sich bei uns wohl fühlt und wir ihn nicht regulieren können. Insofern müssen wir uns mit ihm arrangieren.

Dr. Ulf Hohmann, Wildbiologe und Waschbär-Experte

Es gäbe schon andere Möglichkeiten, nicht-letale Massnahmen für die Populationskontrolle der Waschbären, wie auch die EU-Verordnung vorsieht, aber diese werden nicht angewandt, weil die Hobby-Jägerschaft auch in Deutschland unter Berufung auf das EU-Recht (Falsch! Die EU-Verordnung verlangt nicht unbedingt die Tötung!) lieber selbst tätig werden will.

Dieses auch, weil wegen des vermeintlich „invasiven“ Waschbären die Fallenjagd weiterhin von der Politik erlaubt und sogar finanziell unterstützt wird.

Berlin: friedliches Zusammenleben mit Waschbären

Inzwischen ist die Berliner Stadtverwaltung Berlin bei Wildtieren in der Stadt und insbesondere beim Waschbären mit einem vorbildlichen Wildtiermanagement sehr aktiv geworden. Berlin setzt auf die besonders auf „Vor-Ort-Beratung“ setzt sowohl durch eine Hotline als auch durch einen Flyer mit Tipps zur Vorbeugung gegen die Ansiedlung des Waschbären, und im Falle des Falles zur Vergrämung.

Auch die Tierschutzbeauftragte der Stadt Berlin, Tierärztin Dr. Kathrin Herrmann, setzt sich sehr stark für die Waschbären ein. „Der Waschbär sei kein Problem, obwohl die EU ihn auf die Liste invasiver Arten gesetzt hat.

Tierschutzbeauftragte: Streichung des Waschbären von der EU-Liste:

Eine Überprüfung und Revision der EU-Liste der invasiven gebietsfremden Arten ist alle sechs Jahre vorgesehen. Da die EU-Liste am 3. August 2016 in Kraft getreten ist, wäre eine bindende  Überprüfung im August 2022 möglich.

Bis dahin ist sicher viel Überzeugungsarbeit auch mithilfe der Tier- und Naturschutzorganisationen dringend erforderlich.

Dieser Vorschlag, nämlich die Streichung des Waschbären von den Listen der sogenannten invasiven Arten, wäre für den Wildtierschutz enorm wichtig und es wäre wunderbar, wenn alle der Wahrheit dienenden Menschen und Medien aktiv mit Beiträgen zum Beispiel auf den Internetseiten diesen Vorschlag unterstützen würden.

Die Listen

Zuerst muss man ganz nüchtern feststellen, dass diese Listen als DIE LISTE der schlimmsten und für Artenvielfalt in Europa und in der Schweiz gefährlichsten Arten/Tiere dargestellt wird, sodass die Hobby-Jägerschaft und auch die Öffentlichkeit die aufgelisteten Tiere als äusserst schädlich betrachtet und daher findet man die allererste Berechtigung, diese so intensiv wie möglich zu bejagen und sie unbedingt zu beseitigen bzw. einzudämmen.

Diese Tiere werden als „fremd“, „nicht-heimisch“, „nicht hier gehörend“ angesehen und damit betitelt und geschmäht. Daher sprechen sich sogar sogenannte Wildbiologen/Zoologen für das Töten dieser Wildtiere aus.

Auf einer von der EU veröffentlichten Liste der „100 schlimmsten invasiven Tierarten des Kontinents“ taucht der Waschbär jedoch gar nicht auf, im Gegensatz zum Beispiel zu Katze oder Forelle.

In diesem Zusammenhang sollte unbedingt erwähnt werden, dass der Waschbär in Deutschland vor 2016 als heimisch“ galt, da er die Definition des deutschen Bundesnaturschutzgesetzes bis 2017 für „heimische Arten“ erfüllte: „als heimisch gilt eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart auch, wenn sich verwilderte oder durch menschlichen Einfluss eingebürgerte Tiere oder Pflanzen der betreffenden Art im Inland in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten“.

Nun, für die Umsetzung der EU-Verordnung 1143/2014 ins Deutsche Recht ist der Begriff „heimische Art im Bundesnaturschutzgesetz ab 2017 eliminiert und durch „gebietsfremd/nicht gebietsfremd“ ersetzt worden.

Die Streichung des Waschbären von der EU-Liste würde den Waschbären in Deutschland wieder zu einer „heimischen“ Tierart machen und daher wäre er nicht einzudämmen oder sogar auszurotten und nicht mehr so intensiv zu bejagen.

Das Verhalten der Hobby-Jägerschaft gegenüber den sogenannten „Invasiven Arten“ (auch wenn die EU deren Tötung nicht vorschreibt, sondern eher die Anwendung anderer nicht letaler Massnahmen empfiehlt) ist ganz eindeutig an der Entwicklung der Jagdstrecken in Deutschland zu ersehe.

In der Tat, besonders bei den sogenannten invasiven Tieren Waschbär, Marderhund, Nutria und Nilgans ist gerade seit dem Inkrafttreten der EU-Liste in 2016 ein dramatischer Anstieg der erlegten Tiere festzustellen.

Wegen der Auflistung des Waschbären (und von anderen Tieren) unter den invasiven Tieren entsteht eine enorme Benachteiligung für diese Lebewesen.

Die Schonzeiten für diese „invasiven Tiere“ werden verkürzt oder sogar gestrichen, d.h. noch mehr Tötungen. In manchen deutschen Bundesländern (z.B. in Bayern) oder auch schweizer Kantone (z.B. Aargau, Zürich, Baselland, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau oder Zug) werden sogar die Setz- und Brutzeiten (d.h. der Schutz der Elterntiere) für die Waschbären komplett eliminiert, um diese putzigen Wildtiere das ganze Jahr über zu bejagen und ohne Rücksicht auf die Jungtiere, die durch die Tötung deren Elterntiere sterben werden. Dieses ist absolut gegen das Tierschutzgesetz und gesunden Menschenverstandes!

Da die EU-Verordnung im Artikel 7 vorschreibt, dass invasive Arten weder gehalten noch gezüchtet oder befördert werden dürfen, bedeutet dieses, dass Zoos und Tierparks Waschbären nicht mehr so wie andere Tiere aufnehmen/halten.

Waschbären sind in Deutschland oder der Schweiz längst eingebürgert. Die Jagd auf die Tiere ist tierschutzwidrig und hat bislang keinen Erfolg gezeigt, da frei werdende Reviere unmittelbar von anderen Waschbären besetzt werden. Eine tiergerechte und nachhaltige Lösung wäre dagegen die Kastration/Immunokontrazeption dieser Wildtiere: Ein kastrierter Waschbär besetzt weiter ein Revier und führt so zu einer tierschutzverträglichen Reduktion der Population.

Eine Privathaltung von hilfsbedürftigen Waschbären ist in Deutschland – anders als in der Schweiz – theoretisch möglich (es ist in den geltenden Managementmassnahmen für den Waschbären ausdrücklich vorgesehen), aber praktisch wird für Waschbären durch den Platz auf der EU-Liste eine Bleibe ausserordentlich schwierig.

Dies geschieht leider, weil die zuständigen Behörden wegen der sogenannten vermeintlichen Invasivität der Tiere selten eine Haltungsgenehmigung erteilen, da sie fürchten, dass jene nicht richtig unter Verschluss gehaltenen Tiere mit negativer Auswirkung für andere Tiere ausbrechen könnten.

Diese Situation führt dazu, dass angeblich „invasive“ Waschbären, die in Stadtgebieten gefangen werden, im Unterschied zu anderen Wildtieren wie Fuchs, Marder, Dachs usw., nicht freigelassen, sondern immer getötet werden. Dieses geschieht, weil die meisten Behörden irrtümlicherweise glauben, dass das EU-Recht verlangt, dass die Waschbären nicht freigelassen und daher getötet werden müssen.

Dazu hat die EU-Kommission unlängst Stellung genommen und schriftlich bestätigt, dass der Fang von invasiven Arten mit deren Kastration/Sterilisation und nachfolgender Freisetzung in ihrer natürlichen Umgebung eine zulässige Methode ist, die im Rahmen der Managementmassnahmen zur Umsetzung der EU-Verordnung 1143/2014 durchaus von der zuständigen nationalen Behörden angewandt werden kann.

Es ist längst wissenschaftlich erwiesen, dass die Waschbär-Jagd die Reproduktion ankurbelt, dazu die Altersklassen und die Sozialstrukturen zerstört. Der Versuch, Waschbären durch Bejagung zurückzudrängen, gilt inzwischen auch in Deutschland als aussichtslos und gescheitert.

Durch die eventuelle Streichung des Waschbären von den Listen der invasiven Arten würde aus dem invasiven Waschbären wieder eine „normale, heimische Tierart“ werden, wie alle anderen Tiere, die als jagdbare Arten gelten, wie z.B. Füchse oder Marder, und dadurch würde der Waschbär nicht so intensiv, brutal und tierquälerisch bejagt werden.

Es würde weniger hilfsbedürftige/verwaiste Waschbären geben, die dann leichter aufgenommen, gepflegt und später freigelassen werden könnten. Auch Zoos und Tierparks wären dann interessiert, Waschbären aufzunehmen.

Mehrwert:

6 Kommentare

    • Lindner Silvana Antworten

      Ich liebe alle Tiere und Waschbären sollen unbedingt leben dürfen

    • Hartmann Ramona Antworten

      Ich weiß nicht warum man nach so vielen Jahren davon spricht, dass der Waschi nicht zu uns gehört.
      Migranten gehören doch seit 2015 auch zu uns.
      Ich liebe die Waschis

  1. Rita Abegglen-Hauert Antworten

    Bin total gegen d. Tötung d. Waschbären!! Die haben auch ein Recht auf Leben!!!!

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