Law & Order

Deutschland: Jägerin wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

Im November 2017 traf eine damals 20-jährige Frau während einer Drückjagd im Forst Ballenstedt-Meisdorf im Landkreis Harz einen 81-jährigen Jäger aus Niedersachsen tödlich am Kopf. Die 22-Jährige muss sich ab dem 29.10.2019 wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht Quedlinburg verantworten. Da bei Hobbyjagden immer wieder Menschen verletzt oder getötet werden, erneuert die Tierschutzorganisation PETA nun ihre Forderung, zumindest die Hobbyjagd endlich gesetzlich zu verbieten.

Hobby-Jägerin Luisa P.

Luisa P. (22) stammt aus einer Jägerfamilie. Seit frühster Kindheit begleitet sie ihren Vater in den Wald. Mit 16 macht sie den Jagdschein. Mit 20 hat sie bereits ein Dutzend Wildschweine, Hasen und Füchse erlegt. Bei einer großen Gesellschaftsjagd im Herbst 2017 hat sie endlich ihren ersten Achtender vor der Flinte …

Doch statt des kapitalen Hirsches soll sie einen Jäger (†81) auf einem benachbarten Hochstand erschossen haben!

Wie viele Menschen müssen noch schwer verletzt werden oder sterben, bevor die Hobbyjagd endlich verboten wird?“, so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. „Jahr für Jahr ereignen sich zahlreiche Tragödien, weil schießwütige Hobbyjäger verantwortungslos in der Gegend herumballern. Es wird höchste Zeit, dass der Gesetzgeber eingreift und dem ein Ende setzt. Auch für die Waldtiere ist die Jagd regelrecht permanenter Terror.

Rund die Hälfte der Deutschen lehnt Hobbyjagd ab

Hobby-Jäger töten nicht nur mehr als fünf Millionen Wildtiere jährlich; es ereignen sich auch immer wieder schwere Jagdunfälle. Eine in PETAs Auftrag durchgeführte, repräsentative Forsa-Umfrage von 2018 bestätigt, dass mit 49 Prozent rund die Hälfte der Bundesbürger die Hobbyjagd ablehnt. Den mehr als 380.000 Hobbyjägern in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber. In ihrer heutigen Form beinhaltet die Jagd zahlreiche grausame Praktiken, beispielsweise die Jagdhundeausbildung am lebenden Tier, die Baujagd oder die Fallenjagd, bei der jährlich viele Tiere regelrecht zerquetscht werden. Insbesondere bei Drückjagden, bei denen auch viele Menschen zu Schaden kommen, sterben laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz bis zu zwei Drittel Prozent der Wildtiere nicht sofort. Mit zerschossenen Knochen und schweren Wunden verstecken sich die Tiere oft tagelang und sterben qualvoll.

Jagd ist aus wildbiologischer Sicht unnötig

Anerkannte Wildbiologen bestätigen, dass die Jagd aus ökologischer Sicht nicht notwendig ist. Dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge müssen beispielsweise Wölfe nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da sich im Wald wohnende Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten regulieren. Der Kanton Genf – in dem die Hobbyjagd seit über 40 Jahren verboten ist – ist nur ein Beispiel dafür. Hier reguliert sich die Natur in erster Linie selbst. Die Folge: eine hohe Artenvielfalt und gesunde, stabile Wildtierpopulationen.

Der Biologe Dr. Karl-Heinz Loske sieht in der Jagd ein überflüssiges Hobby, das der Befriedigung der Jagdlust der Jäger dient. Als er in jungen Jahren einen Jagdschein machte, wurde ihm schnell klar, dass dies nicht viel mit Natur- und Artenschutz gemein hat. Heute ist Dr. Loske ein anerkannter Experte für Landschaftsökologie, für den die Jagd aus ökologischer und moralischer Sicht nicht zu verantworten ist.