Law & Order

Deutschland: Hobby-Jäger schiesst auf Mädchen

Da bei Hobby-Jagden immer wieder auch Menschen verletzt oder getötet werden, erneuert die IG Wild beim Wild ihre Forderung, zumindest die Hobby-Jägerei endlich gesetzlich zu verbieten. Wildhüter statt Hobby-Jäger. Dafür setzt sich die IG Wild beim Wild ein. Der schöne Kanton Genf hat seit dem 19. Mai 1974 ein Jagdverbot für Hobby-Jäger.

Die Staatsanwaltschaft Gera hat Anklage gegen einen Hobby-Jäger erhoben, der ein sechs Jahre altes Mädchen durch einen Schuss schwer verletzt haben soll.

Dem 32-Jährigen werde fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen, teilte der Sprecher des Amtsgerichts Gera, Siegfried Christ, mit.

Er soll im Juli 2018 als Teilnehmer einer Jagd in Grosssaara (Kreis Greiz) einen Schuss in der Nähe einer Gartenanlage abgegeben haben (Wild beim Wild informierte).

Wie sich herausstellte, hatte eine Gruppe Hobby-Jäger in der Nähe der Anlage an einer sogenannten Erntejagd teilgenommen. Dabei warten die Wildtierkiller während der Erntearbeit auf einem Feld, dass ihnen aufgescheuchtes Wild vor die Flinte kommt.

Dabei wurde das Mädchen getroffen und schwer an Arm und Hüfte verletzt. Nach früheren Angaben überlebte es dank einer Notoperation.

Es leide allerdings bis heute unter den Folgen. Ein Termin für den Prozessauftakt steht laut Christ noch nicht fest.

Wie viele Menschen müssen noch schwer verletzt werden oder sterben, bevor die Hobbyjagd endlich verboten wird? Jahr für Jahr ereignen sich zahlreiche Tragödien, weil schiesswütige Hobbyjäger verantwortungslos in der Gegend herumballern. Es wird höchste Zeit, dass der Gesetzgeber eingreift und dem ein Ende setzt. Auch für die Waldtiere ist die Jagd regelrecht permanenter Terror.

Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA

Rund die Hälfte der Deutschen lehnt Hobbyjagd ab

Hobby-Jäger töten nicht nur mehr als fünf Millionen Wildtiere jährlich; es ereignen sich auch immer wieder schwere Jagdunfälle. Eine in PETAs Auftrag durchgeführte, repräsentative Forsa-Umfrage von 2018 bestätigt, dass mit 49 Prozent rund die Hälfte der Bundesbürger die Hobbyjagd ablehnt. Den mehr als 380.000 Hobbyjägern in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber. In ihrer heutigen Form beinhaltet die Jagd zahlreiche grausame Praktiken, beispielsweise die Jagdhundeausbildung am lebenden Tier, die Baujagd oder die Fallenjagd, bei der jährlich viele Tiere regelrecht zerquetscht werden. Insbesondere bei Drückjagden, bei denen auch viele Menschen zu Schaden kommen, sterben laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz bis zu zwei Drittel Prozent der Wildtiere nicht sofort. Mit zerschossenen Knochen und schweren Wunden verstecken sich die Tiere oft tagelang und sterben qualvoll.

Jagd ist aus wildbiologischer Sicht unnötig

Anerkannte Wildbiologen bestätigen, dass die Jagd aus ökologischer Sicht nicht notwendig ist. Dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge müssen beispielsweise Wölfe nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da sich im Wald wohnende Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten regulieren. Der Kanton Genf – in dem die Hobbyjagd seit über 40 Jahren verboten ist – ist nur ein Beispiel dafür. Hier reguliert sich die Natur in erster Linie selbst. Die Folge: eine hohe Artenvielfalt und gesunde, stabile Wildtierpopulationen.

Der Biologe Dr. Karl-Heinz Loske sieht in der Jagd ein überflüssiges Hobby, das der Befriedigung der Jagdlust der Jäger dient. Als er in jungen Jahren einen Jagdschein machte, wurde ihm schnell klar, dass dies nicht viel mit Natur- und Artenschutz gemein hat. Heute ist Dr. Loske ein anerkannter Experte für Landschaftsökologie, für den die Jagd aus ökologischer und moralischer Sicht nicht zu verantworten ist.