Das Verbot betraf zunächst nur Südspanien, aber das war’s auch schon: Seit dem 22.9.2021 ist die Wolfsjagd auf dem gesamten iberischen Territorium verboten.

Zwischen 2’000 und 2’500 Wölfe, verteilt auf 297 Rudel, soll es in Spanien geben, so viele wie in keinem anderen Land Westeuropas. Sie leben vor allem im Nordwesten des Landes nördlich des Flusses Duero.

Der Duero ist der drittlängste Fluss der iberischen Halbinsel. Er entspringt in der spanischen Provinz Soria, durchfliesst Nordspanien und Nordportugal und mündet bei Porto in den Atlantischen Ozean. Er ist etwa 897 Kilometer lang.

Südlich des Flusses Duero werden die Populationen bereits geschützt. Regionen, in denen grössere Wolfspopulationen beheimatet sind, lehnten einen solchen Schutz aber weiterhin ab. In Kastilien-León, Galizien, Asturien und Kantabrien leben 95 % der Wölfe.

In der Sierra de la Culebra, einem etwa 70 000 Hektar grossen Gebiet in Kastilien und León (Nordwestspanien), sind Wölfe allgegenwärtig, auf Schildern oder T-Shirts in Souvenirläden. Man spricht von ihnen im Singular, wie in einem Märchen.

Dies war schon immer ein Wolfsparadies„, bestätigt Carlos Zamora hinter seinem Fernglas, während er in der tiefstehenden Sonne der Dämmerung nach einem Exemplar Ausschau hält.

Der Forstbeamte erklärt, dass es in dem Gebiet etwa acht Rudel gibt, plus ein paar umherstreifende Exemplare, eine Zahl, die sich in den letzten zwanzig Jahren nicht verändert hat.

In der Tragödie der Wölfe gibt es drei Akteure: Züchter, Umweltschützer und Jäger. Jeder hat seine eigene Lösung„, sagt Zamora. Und dann sind da noch die Touristen, „die aus Europa kommen, um den Wolf zu sehen, so wie sie nach Afrika fahren, um den Löwen zu sehen.“

Einheitlichkeit

Bisher haben die Regionen nördlich des Duero den Wolf als jagdbare Tierart behandelt, was die Tötung eines bestimmten Prozentsatzes erlaubte, wie in Kantabrien, wo Ende Juli ein Dekret erlassen wurde, wonach bis 2021 34 Wölfe (20 % der Population) getötet werden sollen.

Doch um die Regeln im Land zu vereinheitlichen, hat die Regierung von Pedro Sánchez die Jagd auf sie auf der gesamten Halbinsel verboten, wie es in Frankreich und Italien bereits der Fall ist. Das Dekret wurde am Dienstag im Staatsanzeiger veröffentlicht und trat am Mittwoch in Kraft.

Wenn es um eine seltene Art wie den iberischen Wolf geht, muss die Verantwortung für seine Erhaltung beim gesamten Territorium liegen„, sagte der staatliche Umweltminister Hugo Morán.

Der Wolf ist somit keine Jagdtrophäe mehr und Auktionen wie in der Sierra de la Culebra (Zamora) müssen beendet werden., in dem 6’000 Euro gezahlt wurden, um ein Exemplar abzuschiessen. 

Die Entscheidung hat jedoch den Zorn der Regionen Kantabrien, Asturien, Galicien und Kastilien-León hervorgerufen, in denen der Grossteil der Wolfspopulation lebt, und die angekündigt haben, Rechtsmittel einzulegen.

Während Umweltschützer „diesen wichtigen Schritt nach vorne“ begrüssen, halten es die Verbände der Viehzüchter für unverständlich.

Bereits im Jahr 2019 hatten Wissenschaftler der Regierung ein Gutachten vorgelegt, dass empfohlen hatte, den iberischen Wolf in die Liste der besonders schützenswerten Waldtiere aufzunehmen, weil seine Anwesenheit wichtig für die Ökosysteme sei.

Diskussion