Derzeit arbeiten 15 Regierungen und die EU an der Ausweisung eines Meeresschutzgebiets im Nordatlantik, das etwa der Grösse Frankreichs entspricht.

Da es sich um ein Gebiet auf hoher See handelt, liegt es ausserhalb der nationalen Gerichtsbarkeit. Es muss ein detaillierter Bewirtschaftungsplan umgesetzt und durchgesetzt werden, um dieses Gebiet, das reich an mariner Artenvielfalt ist, zu schützen.

Das Gebiet trägt den Namen NACES – North Atlantic Current and Evlanov Seamount – Marine Protected Area.

Dieser wichtige Seevogel-Hotspot wurde durch eine grosse gemeinsame Anstrengung unter der Leitung von BirdLife International entdeckt. Anhand von Daten zur Beobachtung, Phänologie und Population kartierte BirdLife die Abundanz und Vielfalt von 21 Seevogelarten. Dabei wurde ein bedeutender Hotspot entdeckt, der jährlich von 2,9 bis 5 Millionen Seevögeln aus mehr als 56 Kolonien im Nord- und Südatlantik genutzt wird. Damit ist dies eine der wichtigsten Konzentrationen von wandernden Seevögeln im Atlantik und die erste Entdeckung von Seevogelkonzentrationen dieser Größenordnung, die jemals auf hoher See dokumentiert wurde.

Dies ist das erste Mal, dass ein Meeresschutzgebiet auf hoher See auf der Grundlage von Tracking-Daten ausgewiesen wird.

Der Schutz des NACES-Meeresschutzgebiets ist notwendig, um sicherzustellen, dass die derzeitige und künftige Nutzung die biologische Vielfalt und die Ökosystemprozesse, die das Gebiet unterstützt, nicht gefährdet. Durch die Umwandlung dieses Gebiets in ein Meeresschutzgebiet kann es vor Beeinträchtigungen durch menschliche Aktivitäten auf See geschützt werden.

Der Meeresboden im NACES-Gebiet umfasst eine Vielzahl von Biotopen, und das Gebiet zeichnet sich durch eine komplexe Reihe von bathymetrischen Merkmalen aus, darunter abyssale Ebenen, Bergrücken, Canyons und Seeberge – darunter der Evlanov-Seamount, von dem das Gebiet seinen Namen hat.

BirdLife fordert den vollständigen Schutz dieses Gebiets, vom Meeresboden bis zur Meeresoberfläche, um die biologische Vielfalt und die Ökosystemprozesse, die das Gebiet unterstützt, zu sichern. Nach der Ausweisung des Gebiets muss ein Managementplan mit detaillierten Erhaltungsmassnahmen für das Gebiet entwickelt werden, um geeignete Schutzmaßnahmen umzusetzen und durchzusetzen.

Weltweit sind die Seevögel in den letzten 50 Jahren um 70 % zurückgegangen und stellen derzeit die am stärksten bedrohte Vogelgruppe der Welt dar. Das Überleben von fünf weltweit bedrohten Arten hängt von diesem Gebiet ab: der vom Aussterben bedrohte Bermudasturmvogel (Pterodroma cahow) und der Zino-Sturmvogel (Pterodroma madeira) sowie der Wüstensturmvogel (Pterodroma deserta), die Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla) und der Papageientaucher (Fratercula arctica), die als gefährdet eingestuft sind und deren Populationen rapide zurückgehen.

Der Vorschlag für das NACES-Meeresschutzgebiet begann 2016 mit einem von BirdLife International geleiteten Workshop für Seevogelexperten. Dies führte zu einem enormen Aufwand, um alle verfügbaren Seevogelverfolgungsdaten für den Nordatlantik zu sammeln, und schuf einen robusten Datensatz für die Analyse, die schliesslich zur Ausweisung des NACES-Meeresschutzgebiets führte. Der ausgewiesene Seevogel-Hotspot wurde dann OSPAR1 vorgeschlagen, und seitdem wurde er in den letzten vier Jahren geprüft und überarbeitet, bevor er schliesslich die Ziellinie überquerte.

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