Gesundheit

Massentierhaltung nur mit täglichen Medikamenten

Der Zürcher Tierschutz unterstützt die Initiative gegen Massentierhaltung.

Denn der wirtschaftliche Druck führt zu immer grösseren Landwirtschaftsbetrieben – mit negativen Folgen für die Nutztiere. Am extremsten ist die Industrialisierung beim Geflügel: Die intensive Pouletmast funktioniert nur dank Medikamenten, den Kokzidiostatika, die den Tieren meist lebenslang übers Futter verabreicht werden.

Die Massentierhaltungsinitiative betrifft nur wenige Grossbetriebe, darunter viele mit Geflügelmast. Die heutigen Tierschutzvorschriften erlauben ihnen, bis zu 27’000 Masthühner auf engstem Raum zusammenzupferchen. Dadurch steigt der Keimdruck, also das Risiko von Krankheiten. In der konventionellen Geflügelmast werden den Tieren daher routinemässig Medikamente verabreicht.

Medikamente gegen Kokzidien

Bei diesen Futterzusätzen handelt es sich um Kokzidiostatika, die ähnlich wirken wie Antibiotika. Kokzidien sind Einzeller, die schwere Darmerkrankungen auslösen können. Beim Geflügel treten sie besonders häufig auf und führen oft zu blutigem Durchfall bis hin zum Tod. Legehennenküken und Bio-Mastküken werden dagegen geimpft, nicht jedoch die konventionellen Mastküken. Diese leben so kurz, dass sich eine Impfung nicht lohnt. Es ist billiger und einfacher, dem konventionellen Mastfutter standardmässig Kokzidiostatika beizumischen.

Rückstände und Resistenzen verhindern

Wie bei Antibiotika können auch bei Kokzidiostatika Resistenzen auftreten. Um der Problematik vorzubeugen, werden die Wirkstoffe regelmässig gewechselt. Und da im Pouletfleisch keine nennenswerten Rückstände nachgewiesen wurden, haben viele der Medikamente keine Absetzfrist und dürfen vom ersten bis zum letzten Lebenstag verabreicht werden. Fakt ist: Die konventionelle Geflügelmast funktioniert nicht ohne Medikamente, weil die Verluste zu hoch wären. „Dies zeigt, wie krank das System ist„, folgert Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz.

Auswüchse der industriellen Tierproduktion

Die industrielle Tierproduktion hat aber noch ganz andere Folgen. In Ställen mit Tausenden von Masthühnern ist die Tierkontrolle erschwert. Kranke oder verletzte Tiere werden trotz Kontrollgängen nicht sofort entdeckt. „Umso länger leiden die betroffenen Tiere„, moniert Brodmann. Zudem wachsen die Hochleistungshühner so schnell, dass Beinschäden vorprogrammiert sind und sich die Tiere zuletzt kaum mehr fortbewegen können.

Bio-Geflügelmast als Alternative

Präventive Medikamente sind bei Bio Suisse verboten. Stattdessen setzen Biobetriebe auf geimpfte Küken, kleinere Gruppen bis 500 Mastpoulets, mehr Platz im Stall und viel Freilauf – dies fördert das Tierwohl und stärkt das Immunsystem. Um Kokzidien und anderen Erregern vorzubeugen, ist Wechselweide vorgeschrieben. Zudem werden robuste, langsam wachsende Zuchtlinien eingesetzt, die bis zuletzt fit bleiben. All dies verteuert das Bio-Pouletfleisch – dafür ist es tierschützerisch vertretbar. „Die Turbo-Masthühner mit dem hohen Fleischzuwachs müssten ganz verboten werden„, fordert Brodmann. Ein Ja zur Massentierhaltungsinitiative hätte genau dies zur Folge.

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