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Schweizer Vogelwelt besteht hauptsächlich aus Hühnern

Das Gesamtgewicht des schweizerischen Nutzgeflügels ist 15-mal höher als das Gewicht der im Freiland brütenden Vögel.

Der Anteil der Wildvögel an der Vogel-Biomasse ist damit in der Schweiz deutlich niedriger als im weltweiten Vergleich. Das schreiben Forscher in einem Artikel der Fachzeitschrift «Ornithologischer Beobachter».

Die Gesamtzahl aller freilebenden Vögel in der Schweiz betrug 2016 rund 20 Millionen Individuen.
Diese brachten insgesamt rund 1’100 Tonnen auf die Waage. Dem gegenüber stehen 12,5 Millionen Individuen Nutzgeflügel, die insgesamt rund 16’000 Tonnen wogen. Allein die Mastpoulets, Legehennen und Zuchthühner hatten im Jahr 2016 ein Gewicht von rund 15’000 Tonnen.

Vergleich der Individuenzahl (links) und der Biomasse (rechts) von Brutvögeln (braun) und Nutzgeflügel (grau) im Zeitraum 2013 bis 2016

Damit erreichen die freilebenden Brutvögel nur etwa 6 % der gesamten Vogel-Biomasse in der
Schweiz. Dieser Anteil der Wildvögel ist deutlich niedriger als global gesehen; weltweit beträgt der
Anteil der Wildvögel an der gesamten Vogel-Biomasse etwa 30 %.

In den letzten 20 Jahren ist die Biomasse des Nutzgeflügels in der Schweiz um etwa 40 % angestiegen. Auch die Biomasse der Wildvögel hat im gleichen Zeitraum zugenommen, allerdings mit etwa 20 % deutlich weniger stark. Unter den Wildvögeln trugen Ringeltaube, Rabenkrähe und Amsel am meisten zur Zunahme der Biomasse bei. Diese drei häufigen und relativ schwergewichtigen Arten bringen es zusammen auf ein Drittel der Gesamtmasse der Wildvögel in der Schweiz. In den letzten 20 Jahren abgenommen hat die Biomasse der Brutvögel im alpinen Lebensraum und in den Dörfern und Städten.

Die Geflügelproduktion in der Schweiz dürfte aufgrund der steigenden Nachfrage weiter zunehmen. Entsprechend wird der Anteil der Brutvögel an der gesamten Vogel-Biomasse der Schweiz wohl weiter sinken, schreiben die Forscher. Die Geflügelproduktion hat allerdings einen hohen ökologischen Preis, denn sie ist stark auf den Import von ausländischem Kraftfutter angewiesen. Ohne Futterimporte könnten aktuell in der Schweiz lediglich 17 % des Geflügels gehalten werden. Zudem steigt durch höhere Geflügelproduktion die Belastung durch Stickstoffverbindungen weiter. Ammoniak und andere Verbindungen entstehen bei der Zersetzung von tierischen Exkrementen, werden weiträumig über die Luft verteilt und gefährden als unerwünschte Düngung nährstoffarme Ökosysteme wie Magerwiesen oder Moore.

Für ihre Berechnungen verwendeten die Forscher Daten des Bundesamts für Statistik sowie Daten
aus dem Schweizer Brutvogelatlas, die in den Jahren 2013 bis 2016 von über 2000 ehrenamtlichen Mitarbeitenden gesammelt wurden.

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