Bildung

Niedersachsens Hobby-Jäger ohne Herz und Verstand

Noch nie seit Erfassung der Daten sind so viele Waschbären in Niedersachsen erlegt worden, wie in der abgelaufenen Jagdsaison.

Das geht aus dem 20. Landesjagdbericht hervor.

Die Zahl der abgeschossenen Waschbären hat in der vergangenen Jagdsaison 2021/22 einen Rekordwert erreicht. Mit 23.322 erlegten Tieren wuchs die Zahl um 10,3 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Zeitraum, sagte Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, am Montag bei der Vorstellung des Landesjagdberichts in Hannover. Das Tier gilt als eine sogenannte invasive Art; es wurde von Menschen nach Deutschland gebracht.

Die Bejagung sei notwendig, sagte Dammann-Tamke. Voraussichtlich wird sich die Bejagung der invasiven Arten künftig noch weiter steigern, obwohl der gesunde Menschenverstand und Experten dabei keine ethische und nachhaltige Resultate sehen.

Die zur Begründung für die Jagd hervorgebrachten Argumente entbehren jeglicher qualitativ oder quantitativ bzw. wissenschaftlich fundierter Argumente in Bezug auf die behaupteten erheblichen Schäden und Gefahren durch diese Tiere.

Ich kenne keinen einzigen Wissenschaftler oder Jagdexperten, der ernsthaft glaubt, den Tieren mit jagdlichen Mitteln Einhalt gebieten zu können. Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass der Waschbär sich bei uns wohl fühlt und wir ihn nicht regulieren können. Insofern müssen wir uns mit ihm arrangieren.

Dr. Ulf Hohmann, Wildbiologe und Waschbär-Experte

Seit April 2022 hat das Land Niedersachsen die Nutzung von Nachtsicht- und Nachtzieltechnik auch auf Füchse, Nutrias oder Waschbären erlaubt.

Die Bürgerinitiative Pro Fuchs Deutschland kritisierte die Einführung in der Vergangenheit. Johann Beuke, selbst Jäger, hält die Gesetzesänderung gegenüber dem „Jägermagazin“ für schädlich. Er sagt: „Der Jäger denkt immer noch: Alles, was Krallen hat und spitze Zähne, muss kurzgehalten werden. Das ist ein Riesenproblem.“

Es gäbe schon andere Möglichkeiten, nicht-letale Massnahmen für die Populationskontrolle der Waschbären, wie auch die EU-Verordnung vorsieht, aber diese werden nicht angewandt, weil die Hobby-Jägerschaft unter Berufung auf das EU-Recht (Falsch! Die EU-Verordnung verlangt nicht unbedingt die Tötung!) lieber selbst – wie so oft sinnfrei – militant tätig werden will.

Auf einer von der EU veröffentlichten Liste der „100 schlimmsten invasiven Tierarten des Kontinents“ taucht der Waschbär jedoch gar nicht auf, im Gegensatz zum Beispiel zu Katze oder Forelle.

In diesem Zusammenhang sollte unbedingt erwähnt werden, dass der Waschbär in Deutschland vor 2016 als heimisch“ galt, da er die Definition des deutschen Bundesnaturschutzgesetzes bis 2017 für „heimische Arten“ erfüllte: „als heimisch gilt eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart auch, wenn sich verwilderte oder durch menschlichen Einfluss eingebürgerte Tiere oder Pflanzen der betreffenden Art im Inland in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten“.

In der Tat, besonders bei den sogenannten invasiven Tieren Waschbär, Marderhund, Nutria und Nilgans ist gerade seit dem Inkrafttreten der EU-Liste in 2016 ein dramatischer Anstieg der erlegten Tiere festzustellen.

Es ist längst wissenschaftlich erwiesen, dass die Waschbär-Jagd die Reproduktion ankurbelt, dazu die Altersklassen und die Sozialstrukturen zerstört. Der Versuch, Waschbären durch Bejagung zurückzudrängen, gilt inzwischen auch in Deutschland als aussichtslos und gescheitert.

Welche Tiere gelten ebenfalls als invasiv?

Andere invasive Arten sind Nutria und Marderhunde. Bei diesen beiden Arten ging die Zahl der erlegten Tiere zurück: Bei der Nutria sank sie dem Bericht zufolge um 10,2 Prozent auf 40.980 Tiere; beim Marderhund um 10,7 Prozent auf 3914 Tiere. Nutria sind vor allem für den Hochwasserschutz gefährlich, weil sie ihre Baue gern in den Deichen anlegen, was die Bauwerke schwächt.

Der Landesjagdbericht wird in diesem Jahr zum 20. Mal vorgelegt. Niedersachsen habe damit ein bundesweit einzigartiges Nachschlagewerk zur Wildtierpopulation, sagte Dammann-Tamke. Das Jagdjahr beginnt am 1. April und endet am 31. März.

Der Landesjagdbericht zeigt einmal mehr, die sinnbefreite, umweltschädliche und nutzlose Arbeit, die Hobby-Jägerinnen und Jäger in Niedersachsen leisten. 

1 Kommentar

  1. Der Vorschlag einer Streichung des Waschbären von den Listen der sogenannten invasiven Arten ist absolut und ohne Abstriche für den Wildtiere ist absolut richtig.
    Die Jäger müssten dies auch wissen, den sie haben eine Ausbildunund und können nicht nicht so tun, als würden sie die Herrsscher über Natur und Wild sein.Wir müssen mehr in die Öffetlichkeiten gehen um das allen Menschen klarwer zu machen,

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