Bildung

Hobby-Jäger im Tessin schiessen auf säugende Hirschkühe

Das Amt für Jagd und Lügen in Bellinzona schafft es seit Jahrzehnten nicht, ethische Direktiven herauszugeben oder Wildtierbestände wissenschaftlich nachhaltig zu regulieren.

Hirsche schädigen im Tessin Weinberge und landwirtschaftliche Anbauflächen. Die Hobby-Jäger können laut dem Amt nicht, so viele Hirsche schiessen, dass der Schaden annehmbar wäre.

Das gleiche Amt schreibt: Der Abschussplan im Jahr 2020 war auf 2’090 Hirsche festgelegt. Er wurde um 31 Tiere überschritten, da der Gesamtfang 2’121 Tiere erreichte. Im Jahr 2021 wurde der Abschussplan auf 2’205 Tiere festgelegt, erlegt wurden 2’183 Tiere – eine Quote von 99 %.

„Im Jahr 2021 wurden 67 % der Schäden durch Hirsche verursacht (64 % im Jahr 2020), während Wildschweine für 29 % verantwortlich waren (31 % im Jahr 2020). 3 % (wie im Jahr 2020) werden durch Rehe und Gämsen verursacht, die die jungen Frühlingstriebe an den Rebstöcken abweiden, während die restlichen 1 % (2 % im Jahr 2020) durch Krähen verursacht werden.

Im Jahresbericht über die Jagdsaison 2021 vom Amt steht auch: „Es ist erfreulich, dass die Schäden an den Kulturen stetig zurückgehen...“

In der eidgenössischen Jagdstatistik werden „Hirschschäden“ nicht einmal aufgelistet, obwohl diese Wildtiere immer und überall als Sündenböcke herhalten müssen. Dort ist nur von „Wildschweinschäden“ die Rede.

Der Tierschutz ist über die neue Regelung entsetzt:

Aus unserer Sicht verstösst das ganz klar gegen das Tierschutzgesetz und jegliche Jagdethik.

Geschäftsführer des Fachbereichs Schweizer Tierschutz, Samuel Furrer. 

Denn wird die Hirschkuh abgeschossen, sind die Kälber alleine. «Sie sind dann zum Teil drei oder vier Monate alt, noch von der Mutter abhängig, einerseits weil sie säugen und andererseits weil sie damit den Kontakt zum übrigen Rudel verlieren», sagt Furrer. Damit seien sie dem Tod geweiht.

Überwiegen die Schäden?

Dass hier etwas geschieht, was eigentlich nicht geschehen sollte, ist eigentlich auch die Meinung der Tessiner Behörden.

Wenn wir die riesigen Schäden sehen, die die Hirsche für die Bauern und Bäume anrichten, können wir nicht anders.   

Andrea Stampanoni vom Tessiner Amt für Jagd und Fischerei

Weil diese Lösung zur Verkleinerung des Hirschbestandes problematisch ist, gilt diese neue Regelung auch nur auf einer gewissen Höhenlage. Zudem dürfen die Hobby-Jäger und Jägerinnen während der Fünftagefrist jeweils nur eine säugende Hirschkuh abschiessen.

Leider wird immer wieder verschwiegen, dass die Hirsche wegen diesen Ämtern für Jagd und Lügen in den Wäldern sind und „Schäden“ verursachen.

IG Wild beim Wild

Sie fällen ständig Bäume und das ist das Ergebnis

Wenn es im Tessin regnet, kommt es immer mehr zu grossen Schäden infolge von Erdrutschen, so auch kürzlich (8.9.2022) beim Musiker Silvan Zingg.

Ein Fluss aus Wasser und Schlamm ist in mein Haus eingedrungen. Mein Klavier, der Kontrabass, meine Bilder, alle überwältigt von dieser tobenden Flut». Silvan Zingg ist einer der Bewohner von Manno, dessen Haus durch den Erdrutsch verwüstet wurde, der letzte Nacht in die Stadt eingedrungen ist. Er erzählt Radio Ticino von jenem Bach, der bei starkem Regen beängstigend anschwillt, und von den Appellen, die auf taube Ohren stossen.

Ich wohne direkt an der Mündung des Baches“, erklärt er, „wenn es stark regnet, muss man Angst haben. Ich habe dies mehrfach dem Rathaus gemeldet, jedoch ohne Erfolg. Es muss auch gesagt werden, dass sie ständig Bäume fällen und dies ist das Ergebnis. Der Wald ist hier, um uns zu beschützen. Wenn diese elementaren Dinge nicht verstanden werden… ».

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