Bildung

Der Tessiner Wolfs-Hetzer

Der Tessiner Jagdpräsident und Vorstandsmitglied von Jagd Schweiz fällt immer wieder mit unqualifizierten, unwissenschaftlichen und heuchlerischen Behauptungen negativ auf.

Der gleiche Hobby-Jäger, der die tierquälerischen Widerhaken beim Angeln wieder salonfähig machen wollte. Fabio Regazzi (CVP) bekämpfte auch den Nationalpark Locarnese und hat nicht nur der Tessiner Bevölkerung damit grossen Schaden zugefügt. Neben der Steigerung des Tourismus-Images der Region schätzte die Direktion des Nationalparks, dass in den nächsten 10 Jahren 250 bis 300 Millionen Franken durch die Schaffung von rund 200 direkten und indirekten Arbeitsplätzen hätten generiert werden können. Die Hobby-Jäger zogen es vor, weiterhin einen unnützen Krieg gegen die Wildtiere führen zu wollen, dies zum Schaden des Allgemeinwohls, obwohl Wildhüter für das Wildtiermanagement vorgesehen waren.

Wölfe in Schweden und der Schweiz

Mit wirren Aussagen über die Situation der Wölfe in der Schweiz oder Schweden, versucht Fabio Regazzi aktuell nicht nur den Bundesrat über den Tisch zu ziehen, sondern politisiert damit auch im rechten Lager im Nationalrat.

Im August 2022 gab ticinolibero.ch dem Wolfs-Hetzer Fabio Regazzi eine Spalte für einen seiner polemischen Kommentare:

Dennoch beabsichtigt die schwedische Regierung, die derzeit geschätzte Wolfspopulation von 460 auf maximal 270 und minimal 170 zu reduzieren. Würden wir diese Parameter analog auf unser Land übertragen, müssten Wolfspopulationen zwischen 17 und 27 liegen, eine Zahl, die schon Probleme bereiten würde, aber zumindest beherrschbar wäre. Und was macht die Schweiz? Hier stecken die Behörden weiterhin den Kopf in den Sand und reden um den heissen Brei herum…Wenn wir die Überreste der Berglandwirtschaft retten wollen (aber auch das Risiko von Angriffen auf die Bevölkerung verringern wollen, die jetzt immer realer werden!), muss der Bundesrat und insbesondere das Departement von Simonetta Sommaruga schnell eine Strategie verabschieden, die darauf abzielt, die Anzahl der auf unserem Territorium vorhandenen Wölfe in erträgliche Grenzen zurückzubringen, wie es die schwedische Regierung getan hat.

Fabio Regazzi, Nationalrat

Der Bundesrat erachtet die Situation jedoch nicht als ernst genug, um die Anwendung des Notstandsrechts zu rechtfertigen (IG Wild beim Wild berichtete). Um den Abschuss der Wölfe zu beschleunigen, hat der Bundesrat letztes Jahr die Jagdverordnung geändert und plant für die Alpsaison 2023 weitere Reduktionen. Darüber hinaus, bereitet das Parlament einen neuen Entwurf zur Änderung der Jagdverordnung vor, der auf eine proaktive Regulierung der Wölfe abzielt. Dieser Entwurf wird am 29. September 2022 im Ständerat behandelt.

Aktuell leben in der Schweiz 20 Wolfsrudel mit insgesamt rund 150 Wölfen. Bis Ende 2025 könnte sich der Bestand auf 50 Rudel erhöhen. In der Schweiz könnten dann rund 350 Wölfe leben.

Die offizielle Zahl der Wölfe in Schweden wird aktuell mit 395 angegeben, als die Behörden beschlossen, 27 bis 33 Wölfe im Jahr 2022 zu töten. 2019 und 2020 wurde die Jagd ausgesetzt, weil der Bestand unter 300 Wölfe gesunken war. 

Im Jahr 2016 entschied das Oberste Verwaltungsgericht in Schweden, dass 300 Wölfe das Minimum für die Erhaltung der Art sein müssen.

Was sowohl grausam als auch alarmierend ist, ist die Inzucht und Degeneration der schwedischen Wölfe. Der Inzuchtkoeffizient ist mit 0,23 sehr hoch und fast vergleichbar mit dem einer Verpaarung unter Geschwistern. Viele männliche Wölfe haben nur einen Hoden (Kryptorchismus), und Autopsien von getöteten Wölfen zeigen grausame Beweise für den Sadismus der Hobby-Jäger – viele haben alte Wunden und Bleimunition in ihren Körpern.

Schweden wird von der EU-Kommission beobachtet, die das Land zuletzt 2015 aufgefordert hat, sich beim Wolfsschutz an EU-Recht zu halten. NGOs arbeiten daran, die schwedische Lizenzjagd vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen. Die Akzeptanz von Wölfen konnte durch legale Bejagung nicht erhöht werden. Gleichzeitig ist illegale Jagd eine der grössten Bedrohungen für Wölfe in Schweden, was Fabio Regazzi auch gänzlich unterschlägt.

Fakt ist: 300 Individuen sind als Zielgrösse schon für einen gesunden Bestand extrem wenig, um die langfristige Überlebensfähigkeit zu sichern. Die Entscheidung, eine Population die von Inzucht und illegaler Jagd bedroht ist, auch noch legal zu bejagen, ist nicht nachvollziehbar. Zudem werden bei der Jagd auch zuwandernde Wölfe geschossen, was die Chancen schmälert, dass eine grössere genetische Vielfalt entsteht. Zusätzlich werden in Schweden jährlich gezielte Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss von Wölfen ausgestellt, die sogenannte Schutzjagd. Hiermit sollen Schäden an Rentieren und Jagdhunden vermieden werden. Seltener geht es um Weidetiere.

Gesunde Population

Die Forderung des Mitte-Nationalrats trifft bei Politikern auf Widerstand. «In der Schweiz haben wir noch keine Überpopulation von Wölfen», sagt Kurt Egger, Nationalrat der Grünen. In Italien und Slowenien etwa seien die Wolfsbestände noch viel grösser.

Laut Egger wäre es falsch, die Population gezielt zu reduzieren. «Für die genetische Vielfalt braucht es eine gewisse Population, ansonsten gibt es bei den Wölfen Inzucht.» Für die Menschen stelle der Wolf keine Gefahr da. «In Italien und Slowenien werden auch keine Menschen angegriffen

Der grüne Nationalrat befürwortet Abschüsse hingegen, wenn es sich um Wölfe aus problematischen Rudeln handelt. «Ein Beispiel dafür ist das Beverinrudel, das sich dadurch auszeichnet, den Herdenschutz überwinden zu können und Nutztiere zu reissen.»

Ist Gewalt nicht einerlei?

Die Kampagne von Kinderschutz Schweiz spricht mir deshalb aus dem Herzen: „Starke Ideen – es gibt immer eine Alternative zur Gewalt.“

Fabio Regazzi, CVP-Nationalrat, Mitglied der politischen Kommission von Kinderschutz Schweiz

Für die IG Wild beim Wild hat der kinderlose Hobby-Jäger Fabio Regazzi eine Glaubwürdigkeit von = 0! Offenbar ist Gewalt nicht einerlei. Nur weil die Opfer der brutalen Aktivitäten der Hobby-JägerInnen nicht 100 % menschlicher Natur sind, bedeutet dies für die IG Wild beim Wild nicht, dass Taten – wie von Fabio Regazzi propagiert – weniger abscheulich sind. Zudem widersprechen Taten der heutigen Hobby-JägerInnen auch diametral mehreren Artikeln des schweizerischen Tierschutzgesetzes, zum Beispiel Art. 26 und Art. 4. Tiere sind genau so Schutzbedürftige – steht so in der Bibel – was der CVP Nationalrat eigentlich wissen müsste.

Zudem gibt es viel zu viele Nutztiere in immer kleiner werdenden Wildtiergebieten. Der Wolf hilft die Schalenwildbestände nachhaltig zu regulieren, was Hobby-Jäger seit Jahrzehnten nicht in den Griff bekommen. Die kantonalen Jagdverwaltungen verordnen deshalb immer mehr Schandtaten (Hobby-Jäger im Tessin schiessen auf säugende Hirschkühe). Auch Fabio Regazzi unterstützt diese empathielose Schande!

Hirsch und Reh sind nicht die Feinde des Waldes, sondern Trockenheit, Borkenkäfer und falsche Forstwirtschaft.

Fachkräfte betonen immer wieder, dass der Herdenschutz optimiert werden muss. Wenn Nutztierhalter – die jedes Jahr Millionen ihrer Tiere auf die Schlachtbank führen -, dazu nicht in der Lage sind, sollen sie sich eine andere Beschäftigung suchen.

Fabio Regazzi auf dem Radar

Diskussion