Justiz

Schweizer Hobby-Jäger quälen Wildtiere auf Treibjagd in Österreich

Augenzeugen sind völlig entsetzt ob der Umgangsweise mit den Wildtieren und der Härte der Jagd.
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Offenbar hat laut einer Anzeige am Samstag, den 30.3.2019, im grossen Walsertal (Fontanella I, Bezirk Bludenz) im Vorarlberg eine Treibjagd, getarnt als Bewegungsjagd, mit mehreren Hunden stattgefunden, organisiert durch den damaligen Schweizer Pächter C. G. Zahlreiche Innerschweizer Hobby-Jäger waren mit von der Partie, sowie Teilnehmer aus Vorarlberg.

Aufmerksam auf das leidige Treiben wurde ein örtlicher Jagdaufseher, da einige ihm unbekannte PKWs den Güterweg der Genossenschaft versperrten und die Polizei aufgeboten werden musste. Benachbarte Revierpächter waren völlig entsetzt, ob der Umgangsweise mit den Wildtieren.

Es geht dabei um einen örtlichen Lebensraum der Wildtiere, die von einigen wenigen im Grosswalsertal aus Profitgründen in derartigen Beständen und Massierungen gehalten werden, dass nicht einmal mehr die Lebensgrundlage für diese hohen Bestände vorhanden ist.


Matthias Bereuter vom Forstwesen.

Die Jagdpacht des Hobby-Jägers C.G. wurde scheinbar aufgrund unterschiedlicher Auffassungen hinsichtlich der jagdlichen Methoden und Vorgehensweisen für die Jagdsaison 2019/2020 nicht verlängert und lief am 31.3.2019 aus. Wollten die Hobby-Jäger aus diesem Grund am letzten Wochenende der Pacht noch einmal richtig Krieg spielen? Der Hobby-Jäger hat angeblich bereits ein anderes Jagdgebiet in Vorarlberg (Bürserberg) gepachtet.

Im Internet macht der Versicherungsberater mit folgendem Slogan auf sich aufmerksam:
„Ich tausche Gams oder Birkhahn oder Rehbock oder Berghirsch im Vorarlberg inkl Unterkunft usw gegen Interessante Jagd ,,,bin für vieles offen,,, Video auf Www.artio.at Waidmannsgruss C.G.“

Im Rahmen der Treibjagd wurden nach Angaben mehrerer Augen- und Ohrenzeugen verschiedene Schalenwildarten getötet (Gams-, Rot- und Rehwild. Eine entsprechende Vorlage der Stücke erfolgte aber nicht bzw. ist unbekannt, welchem Kontrollorgan die Stücke tatsächlich vorgelegt wurden.

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Grundsätzlich herrscht am 30. März in den meisten Jagdgebieten in Vorarlberg Schonzeit für die angeführten Wildarten, es sei denn, diese ist ganzjährig behördlich aufgehoben. So oder so war laut der neuen Verordnung diese Jagd nicht konform.

Eine Beunruhigung in der Zeit nach der Wintersonnenwende führt nachweislich dazu, dass sich die bejagten Tiere durch ständige Störungen vermehrt in schützender Deckung, sprich im Wald, aufhalten. Hier kann es so zu einem erhöhten so genannten Verbissschaden kommen. Zum anderen ist unter Jagenden bekannt bzw. anzunehmen, dass eine jagdlich ausgebildete Person informiert ist, dass zu dieser Zeit viele weibliche Tiere beschlagen bzw. trächtig sind. Eine Gamsgeiss befindet sich Ende März bereits im letzten Drittel der Trächtigkeit, der Fötus ist somit in einem fortgeschrittenen Zustand, d. h. er ist empfindungs- und schmerzfähig.

Ein Wildtier im Rahmen einer Treibjagd korrekt anzusprechen, d. h. Alter, Geschlecht und Gesamtkondition zu beurteilen, ist aus jagdlicher Sicht sehr schwierig bis unmöglich. Zudem befand sich in unmittelbarer Nähe eine Wildtier-Fütterung. Es ist deshalb fraglich, ob die Jagd mit Datum 30. März strategisch, methodisch und ethisch gemäss den Grundsätzen der Weidgerechtigkeit durchgeführt wurde.

Eine Treibjagd mit Hunden am 30.3., wo am 31.3. die Pacht ausläuft, das ist ethisch und forstwirtschaftlich unverantwortlich. Es werden dabei alle Tiere gestört, nicht nur die „Feinde des Forstes“. Es ist wirklich schäbig, dass immer die Wildtiere die Leidtragenden sind, wo doch der Mensch die Ursache des Problems ist. Diese Diskussion können aber weder Förster, noch Jäger sachlich führen.

Aus obigen Gründen wurde nun von verschiedenen Parteien eine Anzeige (welche der IG Wild beim Wild vorliegt) gegen die Hobby-Jäger bei der zuständigen Stelle platziert. Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Es ist nicht das erste Mal, das Schweiz Hobby-Jäger in Vorarlberg auffallen. Erst vor kurzem standen Vorwürfe von Wilderei bis Tierquälerei einer anderen Jagdgesellschaft im Raum.

Vorarlberger Jägerschaft verurteilt Treibjagd im Grossen Walsertal

Oberste Prämisse seitens der Vorarlberger Jägerschaft ist der respektvolle Umgang mit der Kreatur und den Lebensräumen. Bei der Treibjagd am 30. März wurden diese Grundsätze, insbesondere in Hinsicht auf den Muttertierschutz, aufs Gröbste verletzt. Eine Treibjagd auf hochträchtige Tiere ist moralisch höchst verwerflich und sollte auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Als Interessensvertretung der Wildtiere und der Jagd in Vorarlberg, kann sich die Vorarlberger Jägerschaft mit solchen Jagdarten nicht identifizieren und distanziert sich klar von derartigen Praktiken.

Wir ziehen nun Konsequenzen.

Wir verurteilen diesen Vorfall aufs Schärfste und distanzieren uns in aller Form. Das Verhalten der Beteiligten entbehrt jeglicher Jagdethik und zeugt von keinem weidmännischem Verhalten oder Respekt vor den Tieren. Gegen Mitglieder der Vorarlberger Jägerschaft, die bei solchen Aktionen mitwirken, leiten wir umgehend ein Ausschlussverfahren ein.


Landesjägermeister Dr. Christof Germann.
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