In einem Wald nördlich von Lausanne bei Corcelles-le-Jorat im Kanton Waadt wurde Rattengift im Mais gefunden. Damit wollte ein Bauer Wildschweine eliminieren. Bis Rattengift jedoch ein Wildschwein tötet, vergehen sechs bis sieben Tage.

Die Population der Wildschweine nimmt sowohl in der Schweiz, als auch in den Nachbarländern weiter zu. Die Jagd versagt dabei vollkommen und kurbelt die Reproduktion laut Studien sogar noch an. Hobby-Jäger zerschiessen die sensiblen Sozialstrukturen der Waldgärtner. Dies hat zur Folge, dass schon Jungtiere trächtig sind und sich Wildschweine somit explosionsartig vermehren. In der Schweiz leben gemäss Schätzung der Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität des Bundesamts für Umwelt zwischen 6000 und 10’000 Wildschweine. Die Zahlen schwanken, da die Sterblichkeit der Jungtiere vom Klima abhängig ist: In nasskalten Frühlingen sterben viele.

Weibchen, Bachen genannt, leben im Wald im Familienverbund mit ihren «Töchtern» und oft auch «Enkeln». Junge Keiler verlassen mit ungefähr einem Jahr diese Rotte und leben für einige Zeit mit anderen Jungmännchen im Rudel. Mit eineinhalb bis zwei Jahren beginnen die Männchen, als Einzelgänger zu leben. Wildschweine benötigen Büsche und Bäume, um verborgen zu ruhen, und feuchte, schlammige Stellen zum Suhlen. Das Suhlen, Trocknen und anschliessende Abreiben an einem Baum dient der Kontrolle von Parasiten, dem Schutz vor Mücken und der Abkühlung

Ausser in den Alpen und in Teilen der Innerschweiz sind Wildschweine überall in der Schweiz zu finden. Sie erobern zudem ständig höher gelegene Gebiete.

Wildschweine sind zwar ­Allesfresser, sie ernähren sich in Laubwäldern aber hauptsächlich von Bucheckern und Eicheln. Da aber im Mittelland während Jahrzehnten forstwirtschaftlich hauptsächlich Föhren angebaut wurden, finden Wildschweine ihre bevorzugten Baumfrüchte kaum mehr. Die Sauen weichen deshalb insbesondere in schlechten Eicheljahren gern auf Äcker aus und fressen sämtliche Feldfrüchte wie Mais, Rüben, Raps oder Kartoffeln. Für Bauern kann der Einfall ­einer Wildschweinrotte verheerende Ernteausfälle nach sich ziehen.

Im Gegensatz zu Bauern hat ein Waldstück richtig Schwein, lässt sich eine Rotte in ihm nieder: Längerfristig fördert gemäss deutschen Studien die Anwesenheit von Wildschweinen die Biodiversität in Wäldern. Durch die stete Durchwühlung des Bodens erhöht sich die Keimfähigkeit der Samen, und insbesondere kurzlebige, einjährige Pflanzen profitieren von grösseren Überlebenschancen. Die Allesfresser sind durch ihren Kot auch Transporteure und Verbreiter vielerlei Samen und fördern die Biodiversität so zusätzlich.

In hiesigen Wäldern erreichen Wildschweine ungefähr eine Schulterhöhe von 60 und eine Länge von 120 Zenti­metern. Die Männchen, Keiler genannt, können hierzulande bis zu 120 Kilo schwer werden. Das Körpergewicht schwankt aber mit dem Nahrungs­angebot – in den Karpaten wurden schon Wildschweine mit 350 Kilo Gewicht geschossen.

Wenn hoher Jagddruck herrscht, ist die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen wesentlich höher als in Gebieten, in denen kaum gejagt wird. Weiterhin tritt bei intensiver Bejagung die Geschlechtsreife deutlich früher – vor Ende des ersten Lebensjahres – ein, sodass bereits Frischlingsbachen trächtig werden. Auch das Durchschnittsgewicht der erstmalig fruchtbaren Wildschweine ist bei hohem Jagddruck geringer. In Gebieten, in denen wenig Hobby-Jäger unterwegs sind, ist die Vermehrung der Wildschweine deutlich geringer, die Geschlechtsreife bei den Bachen tritt später und erst bei einem höheren Durchschnittsgewicht ein.

Letzten Montag entdeckte ein Helfer des lokalen Wildhüters Christian Jaquet, den Luderplatz mit dem verseuchten Mais. Eine Untersuchung wurde eröffnet und am selben Abend wurde der Täter gefunden. „Ich kann die Wut des Bauern verstehen, aber sie entschuldigt die Tat nicht. Er wurde daher bei der Staatsanwaltschaft angezeigt„, erklärt Christian Jaquet gegenüber 20min.ch

Ein langsamer Tod

Parallel dazu wurden Jäger in der Region vor der Gefahr gewarnt. „Wildschweine sind dort gewesen. Aber wir wissen nicht, wie viel und wie viel Gift sie aufgenommen haben oder wohin sie gegangen sind„, sagt der Wildhüter. Das Rattengift bleibt zwischen sechs und sieben Tagen in der Leber des Tieres, bevor es getötet wird. Es besteht die Gefahr, dass Menschen kontaminiertes Fleisch verzehren.

Als Vorsichtsmassnahme haben wir davon abgeraten, bis Ende des Jahres in einem Umkreis von zehn Kilometern rund um das Dorf Wildschweine zu schiessen.“ Ausserdem könnten auch andere Tiere sich vergiftet haben. „Vorerst haben wir aber noch keine Kadaver gefunden„, sagt Christian Jaquet abschliessend.

Die Zeitachse passt nicht

Ausserdem wurde unser Hund Bella in Corcelles-le-Jorat durch Rattengift vergiftet„, beklagt sich auf Facebook eine junge Frau. Ein anderer Surfer stellte die Verbindung zwischen den beiden Fällen her. „Aber der Hund ist lange, bevor das Gift platziert wurde, gestorben„, meint Christian Jaquet. Bellas Tod wäre Ende Oktober eingetreten. Es ist jedoch nicht unmöglich, dass zuvor an einem anderen Luderplatz vergiftete Lebensmittel versteckt wurden.

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