Der Europarat ist momentan nicht bereit, den Schutz des Wolfes zu lockern. Das Gremium hat einen entsprechenden Antrag der Schweiz vertagt. Er will die für nächstes Jahr erwarteten Resultate einer Studie abwarten.

Ein neuer Anlauf der Schweiz, das Schutzniveau der Wölfe im Berner Artenschutzabkommen zurückzustufen, scheiterte am Freitag, wie eine Sprecherin des Europarats in Strassburg mitteilte. Das für die Überwachung der Artenschutzkonvention zuständige Komitee habe beschlossen, die Abstimmung über den Schweizer Antrag zu vertagen.

Die Experten wollten zunächst eine im kommenden Jahr geplante, grossangelegte Untersuchung über die Lage der Wölfe in Europa abwarten. Diese Untersuchung solle von der Europäischen Union und dem Europarat gemeinsam vorgenommen werden.

Der Bestand nimmt zu

Die Schweiz, die zu den Unterzeichnern der 1979 verabschiedeten Berner Artenschutzkonvention gehört, versucht bereits seit Jahren, die Schutzbestimmungen für Wölfe zu lockern. Einer für den Agrarausschuss im EU-Parlament erarbeiteten und im August veröffentlichten Erhebung zufolge gibt es in Europa derzeit rund 17’000 freilebende Wölfe. Mehr als die Hälfte von ihnen leben im Balkan und in den osteuropäischen Staaten.

In Westeuropa gibt es die grössten Wolfsbestände auf der iberischen Halbinsel (rund 2500 Tiere) und in Italien (an die 800). Der Bestand nimmt nach dieser Erhebung in vielen Regionen seit einigen Jahren kontinuierlich zu.

In den Schweizer Alpen leben zwischen 30 und 40 Wölfe. Es existiert der Nachweis von zwei Rudeln im Wallis, einem Rudel in Graubünden und einem im Tessin. In Graubünden hat sich in der Nähe des Ferienortes Flims laut den kantonalen Jagdaufseher Adrian Arquint möglicherweise in der Zwischenzeit ein zweites Rudel gebildet. Ein gesicherter Nachweis fehle aber noch, sagte er Mitte Oktober.

In Deutschland waren die Wölfe seit Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorben, bis um das Jahr 2000 wieder einige Tiere aus Polen in die Oberlausitz gelangten. Seither breitete sich der Beutegreifer kontinuierlich aus. Heute schätzt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) den Bestand auf rund 60 Rudel, die vor allem im Osten Deutschlands – in Sachsen und Brandenburg – leben. Gegen die Präsenz der Beutegreifer machen Züchter und Ausbeuter von Nutztieren, vor allem von Schafen, sowie Hobby-Jäger seit Jahren mobil.

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